Zentral-Dombauverein <Köln> [Editor]
Kölner Domblatt: amtliche Mittheilungen des Central-Dombau-Vereins — 1842 (Nr. 1-27)

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übcr die VcrwenLung von Vereinsgcldern zu besiimmcen Vaulheilcn
des Domes und überhaupt über die Dcnvcndung von Vereinsqeldern
beschließcn? und sodann: Wollen wic es zum Awcckc der Hcrstel-'ung
der Wandgemäldc im Chor? Jn Bczug auf die crste Frage, sagt Hcrr
von Gerlack, isi Lie rcchttiche Stcllung dcs Vercins durch dcn Herrn
Erzbischof bercits gcnugsrm bczcichnct wordcn, und schlicße ich mich
diescrhalb den vvn dcmsclden entwickelten gcsetzlichen Principicn und
Bestimmungen vbllig an. Jch bin allcrdings dcr Nnstcht, daß wic in
dem Sinne dcs Hcrrn Erzbischofs übcr die Verwcndung dcr Vereins-
gelder zu beschlicßcn befugr sind, und bejahc also meinerseilS dic erste
der beiden von mir ponirten Fragcn im Voraus. Jch be>ahc abcr
eben so die zwcike dicser Fragcn, indem ich dic Uebcrzcugung hege, da j
die würdige Ausschmückung des Ehores, wobei wir der Gnade Seiner
Majcstät so besonders vicl verdankcn, ihrcn Eindruck auf die Gcmü-
ther nicht verfehlen, und nicht bloß erfrcue», sondern «uch großen und
vielfältigen Segen für das ganzc Werk bringen wird.

Beim Schlusse der Discussion schlägt Hcrr Compes folgendcn
Antrag vor, dcn der Präsidcnl demnäckist zurAbstimmung bringt:

Jst der Vorffand befugt, für die Wiederherstellung dcc allen Ma-
lcreien im Chor di« beantragte Summe von 3233 ', Thaler
aus den Mitteln des Dombau-Vercins zuzuschicßen?

Dieser Antrag wird ,>er mH«r» angenommcn.

Hieraus stellt dcc Präsident seincrseits den Antrag:

Soll die obige Summe von 3233 '/, Thaler zu dcm angcge-
benen Zwccke aus den Mitteln des Dombau-Vereins wirklich zu-
geschoffen werden?

Bei der Berakhung über diesen Antrag wird vielseirig, und auch
von dem chierrn Erzbischote, hervorgehodcn, daß die Vcrwicklichung dcs
von Sr. Majcstät znr Wiederherstellung vieses bcsondern Schmuckes
bestimmten ausserordenllichen großmülhigen Gcschcnkcs von lOÜO Frd'or.
durch dic Bcwilligung dcs beantragren Auschusses gewisser Maßen bc-
dingt erschcine.

Äuch dieser Nntcag erhält >>cr mn^'nia die Genehmigung deS Vorstandes.

Der Präsident legt successive die Statulen dec nachfolgenden HülfS-
vereine zur Einsichl und eventuellcn Genehmigung vor. Es sind die
eingesandten Statuten

von Aachen,

„ Altenkirchen,

„ Arnsberz,

„ Barmen a. 'o. Rocr,

„ Brauweiler,

„ Freiburg, resp. Breisgau-Seeland,

„ Brühl,

„ Burrscheid,

„ Coesfeld,

„ Corncly.Münster,

„ Düsseldorf und
„ Erkclenz.

Alle diese Statuten werdcn, mit Ausnahme des §. 9 des Staluts
von Arnsberg und des §. 2 des Statuks von Bcühl, in allen cinzel-
nen Paragraphcn qenehmigt. Bei §. 9 dcs arnSberger Statuts wird
die Einsendung der Dereinsgelder an die Casse dcs Central-Vercins
in Erwarkung gestellt, und zu §. 2 dcs brühlcr Skatuts der Zusatz
gemacht, daß die Mitglicdschafk im Central-Vereine durch einen Jah-
reSbeitrag von mindestcns Einem Thaler crworben werde.

Hiermit ist das gegenwärtige Protocoll geschlossen, und nach qesche-
hener Verlcsunq von den anwesenden Vorstandsmitglicdern qenchmigt
und unterzeichnct worden, ;u Köln, wie Eingangs, Abcnds 8 Ubr.

Herr Erzbischof von Geiffel, Hochwclcher sich vvr dem Schlusse der
Sitzung aus der Versammlung zurückzog, hat dem Protocoll nach
später genommener Einsicht seinc Genehmiqung und Unterschrift ertheilt.
(gtz.) ch Johanncs v. Geiffel. — v. Wittgenstein. — P. I. Mül-
hens. — Hohenscbutz. — n. Weyden. — ». E. v. Groote. —
». D'Estcr. — S-ydlitz. — C. Vohl. — Fchr. v. Münch-
Bellinghausen. — ». I. D.Haass.— v. Gerlach.— Reichens-
perger. — W. Bartman. — Schramm. — Steinbcrger. —
I. M. Farina. — Heinr. Haan. — I. P. Weyer. — v.
Herwegh. — v. Bianco. — Paul Franck. — Bloemer.

D ankssagung.

Durch di'e Hcrren Advocat-Anwalt Borchardt und Hermann Bsr-
gerhos sind uns heute acht Thaler zugestellk worden, welche dcn Uebcr-
schuß der Elnnahme von einem zum Besten dcs kölner Dombaues am
9. October d. Z. zu Camp bei Rheinberg aieranstaltetcn Concerte bil-
den. Wir nehmen gern Beranlassung, gcgen die Dombaufreunde,
welchc sich mit der Veranstaltung dieses Concertes bemüht baben, so
wie gegen sammtliche Theilnehmcr unscrn innigsten Dank für die der
Sache unseres Vercins zugewendete Thcilnahme auszusprechen, und
hegen die Hoffnung, daß Lie geehrten Dombausreunde auch fernerhin
geneigt sein wcrden, ihre Thätigkeil für die Verbreitung des Jnteresse
an dem großen Unrernehmen einlreten zu lassen.

Aöln, 29. Oct. 1842. Der Verwaltungs-Ausschuß des

Central-Dvmbau-Vereins.

Lorret'ponl> en; - nach rchch t.

Köln, 5. Nov. Jn dcm am 25. Oct. hier verstorbenen Busso
von Hagen, Lieutenant im 28. Jnfantcri'e-Rcgiment, hat der Dom-
bau eincn warmen Freund zu bckrauern. Lebendig und empfänglich
für alles Gute und Schöne, wandre er dem heiligcn Untcrnehmen
auch seine Muse zu, und sein „Dombau-Werkgesellenlied"
wicd klingen, so lange Schlägcl und Mcißcl am deutschen Baue noch
rührig sind. Bon dem cifrigstcn >Lkrebcn nsch dem Höhern beseclt,
ward er leider zu früh, in der vollsten Kraft seineS Lebens, der schrift-
stellerischen Laufbahn enlrückl, welche cr. zu den schönstcn Hoffnungen
bcrechtigcnd, mit s« entschicdenem Glücke betcelen hatte. Viele waren
dem edlen Manne in Freundschaft zngelhan, hochgeehrt war er im
Kreise der Dombau-Werklcule, welche in ihm den würdigsten Sänger
ihrer Gcfühle fanden; allgemein geachtet war er unler seinen Stan-
desqenossen, äußerst zahlreich waren daher die Freunde, welche als
wahre Lcidrragende ihm die lctzte Ehre crwiesen, ihn zur Gruft gc-
leiteten. Mchre sciner Freunde und die Meistec dec Dombauhütte ha-
ben bcschloffen, scin Andmken durch ein einfachcs Denkmal auf dem
hiesigen Friedhofc zu ehren, um so dem allqemein Geachteten auch ein
Zcichen ihrer Freundschast, Slchtung und Verchrung zu gründen. Dank
den edlcn Frcundcn deS Hcimgegangencn — leichc sei ihm die Erde!

E. W.

Dombau -ivcrkgesscllenlied.

Von

Busso von Hagen.

(Zuerst mikgetheilt in dcr „Köln. Atg." vom 29. April ISckl.)

Weim am Dom der Chvr erglüht,

Frühmcß-Glocken klingen,

Laßt das Werkzesellenlied
Himmelauf sich schwingcn.

Forme dich, du fester Stein,

Sollst ein stark Gcaste sein,

Und ein Laubgcwindc fei'n
Soll dich zart umschlingen.

Formc dich zum Baldachin,

Druntcr Engel wachen,

Zeigc, wie die Laster fliehn
Jn Gcstalt von Drachen.

Bor den Engeln, sanft und gut,

Schaudcrt solcher Höllenbrut,

Und sie spciet trübe Flut
Aus gesperrtem Rachen.

Manchcr meißelt in dcr Welt,

Suchet, wie er mebre;

Was uns Brüder hier gesellt,

Jst zu Gottcs Ehce.

Darum rüstig dran und drauf,

Jmmcr hoch und höher auf
Bis zum höchsten Blüthenknauf,

Rach des Meisters Lehre!

Was die Alten vorgethan,

Herrlich ist's zu schauen;

Meister Zwirner weiß dcn Plan
Weiter fortzubauen:

Er ist unsrcr Hütte Zier,

Was er heischr, dem folgcn wir,

Fördern dort und schaffen hier,

Schenkcn ihm Vcrtrauen.

Achtet hoch die reiche Köln
Alter Zeitcn Sitte,

Stehen ja die Werkgesell'n
Jn der Ehren Mitte:

Jeder Stein am heil'gen Haus,

Jedc Schlingunz, zart und krauS,

Sprichr für alle Zeitcn aus:

Preis dcr Dombau-Hütte!

Geht cin Mädchcn blickgesenkt!

Iu dcs AltarS Schwelle,

Stolz sie von dem Liebsten dcnkt —

Der ist Werkgcselle:

Was er pflanzt, verkümmert nicht,

Rankt und strebt zum Sonnenlicht;

Grüßend schaut sein Angesicht
Ucber Stadt und Wellc.

Und so oft daS Lied erschallt,

Regen wir die Hände,

Daß der Einrracht Allgewalt
Unsern Dom vollende.

Zn dcr schlanken Säiilcg Kreis,

^ rb Di^d-r Mann geschafft mit Fleiß,

Betet einst der müde Grcis
Um ein selig Ende.

Vkrantworllicher Herausgebec: Jos. DuMonl.

Druck und Commissions-Verlag des Berlegers der Kölnischen Zeitung,
M. DuMont-Schauberg.
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