Zentral-Dombauverein <Köln> [Editor]
Kölner Domblatt: amtliche Mittheilungen des Central-Dombau-Vereins — 1842 (Nr. 1-27)

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E i n l a d u n g.

Zufolge h. 22 der Statulen und §. 9 der Geschäftsocdnung beehre
ich mich, die Herren Vcrstands-Mitglieder des Central-Dombau-Ver-
eins zur ordenrlichen Verfammlung des VorstandeS auf Donnerstag den
22. December d. I., NachmittagS 3 Uhr, im großcn Rathhaussaale
hierselbst, ganz ergebenst einzuladen.

Köln, 10. December 1842. Der Pcästdent des Vorstandcs,

von Wittgenstein.

Litte an dic Herren ÜerfaÜ'er und llerleger von literarifchen
nnd artiftiühen Werlien über den kölner Dombau.

Die vielseitige geistige Bcwegung, wclche in Folge deS Dombau-
Unlcrnehmens in immer steigendem Maße stch kund gibt, hat bereils
eine große Anzahl von literanschen und artistischen Productionen ins
Lebcn gerufen, die theils unmittelbar, theils miktelbar die Förderung
deslelben bezwecken. Es würde gewiß nicht minder interessant sür die
Zukunft als überhaupt erspricßlich zur Erreichung des vorgesetzten
Zweckes sein, wenn für die Hcrvorbringung jener geistigen Thätigkeit
irgendwo cin Sammelplatz bestände. Von dieser Anflcht ausgehend, hat
der hiestge Vorstand geglaubt, in Anbetracht dcr so ausgedehnren Wirk-
samkcit dcs Central-Vereins, wclcher bereits mehr als 70 Hülfsvcreine
in sich schließt, sein Secretariat hierzu in Borschlag bringen zu dürfen.
Demgemaß erlauben wir uns, an die Herren Verfasser und Vcrleger
von Werken, welche stch auf den Dombau beziehen, die ganz ergebenste
Bitte zu richten, uns untcr der portofreien Rubrik: „Allgemeine An-
gelegenheiten des Dombau.Vereins zu Köln", ein Exemplac zur Nie-
derlegung und Nufbewahrung desselben auf unserm Secretaciate ge-
fälligst zugehen lassen zu wollen. Da dke speciclle Bestimmung der
dem Central-Vereine anvertcauten Geldmikte! uns nicht gestattet, die-
selben auf den Ankauf solcher Erscheinungen zu verwenden, so können
wir freilich nur die Liberalität der Herren Verfasscr und Verleger, so
wie ihre Liebe zur Sache selbst anrufen; wir vertraucn nichtS desto
weniger fest, daß auch hier wiedec der Feist sich bekunden wicd, wel-
chem die Dombau-Sache bereits so schöne Erfolgc zu verdankcn hat.

Köln, 10. Dec. 1842. Der Verwaltungs-Ausschuß

des Central-Dombau-V ereins.

S r u ch f t ü ck e

über das Entstchen des Grundrisscs und dcr ersten Mikkel

znm kölner Dombau.

Zn dcr historischm Vereinssttzung zn Paderborn am 19. Mai 1842
vorgetragen vvn v. F. I. Gehrken.

Das große Wunder deutscher Kraft und Ausdauer, der D«m zu
Köln, rührl aus einer Zeit her, wo das Kaiserreich mit dem Papft-
thume zerfallen war. Er fand am linken Rheinuser an dem Orte seine
Stelle, w» früherhin eine römische Kaiserin Gränzcoloniecn gegen die
freien Germanen anlegtc, als gleichzeitig der Apostel Petrus die Chri-
stuslehre im >Ltillen zu Rom verbreitete. — Die Macht und Herr-
lichkcic der Hohenstaufen im Mitlelalter ging ihrem Untergange in
Deutschland unaufhalcsam entgegen. Statt gewaltiqer Wellbeherr-
scher aus dem Kaiserlhrone wünschten die deurschcn Volksstämme be-
schränkr« Könige, welche die erstandene Hanse mit den großen Städte-
bünden anerkennen, dic durch Wissenschaft und Handelsverkehr gckräf-
tigte Nationalität im Jnnern auSbilden uno eine Vcrschmelzung deS
Rilter- und Bürgerstandcs vollführen solltcn. Die deutsche Sprache
hatte stch neben den fremden Jdiomen zur urkundlkchen Schristsprache
erboben; Kunst und Wiffenschaft konnten nicht zurückbleiben. — Der
Erzbischof vsn Köln, welchec bereits zum rheinischen Erzstifte die
sächstsche Obcrherrschaft über Westphalci uno Engern erworden hatte,
wurde der Träger der allgemeinen Volksstimme. Conrad von Hochste-
den war sein Name. Ec bcwog die deutschcn Fürsten, kurz nach ein-
ander den thüringer Landgrasen Heinrich Raspe, den Wilhelm Grafen
von Hoiland und dcn Prinzcn Richard vsn England auf dcn deut-
schen Köiiigsstuhl zu setzen und die Eifersuchl der vier Volkssta'mme
in eine > ilgemeine dcutsche Corporation immer mehr zu verwischen. —
Seine K tthedralkirche in Köln war ein Raub der Flammen gcwor-
den, und begeistert von dcr aufblühcnden Eintracht allcr Stände, wurdc,
dem Apostel Petrus zur Ehre, ein Ncubau beliebt, welcher der Ersin-
dung und dec Masse nach ein wücdiges Dcnkmal der Nation wer-
den sollle.

Am 14. August 1248 lcgte Conrab, im Beisein des päpstlichen Le-
gaten, vieler Herzoge, Bischöfe, Grafen und Herrrn, den ersten Ltein
zu den über vierundvierzig Fuß tiefen Grundfesten. Am Schlusse der
Feier wurde, nack reichlicher Spen'oe aller Anwcsenden und üblichem
Opfcrgelde, , ein Bricf des Pnpftes verkündet, der allrn bußfertigen
Gläubigcn, welche zu dem Neubau beisteucrn würden, ein Jahr und
vierzig Tage Nachlaß von Kirchenbuße verlich.

Am 4. November des Jahres vollzogen die Reichsfürsten, ohne auf
die aus Südcn herannahenden Gewitterwolken zu achten, die Krö-
nung Wilhelm's zu A.nchen. Er gad dem Rcchtsbestande des nieder-
rheinischcn und obcrländischen Städtebundes königliche Sanction und
setzre zur Aufrechchaltung deS freien Handels den Albert, Grafen zu
Waldeck, zum königlichen Richter. Nuc zu früh fand der König Wil-
helm auf wiederholtem Zuge seinen Tvd in den westfri'cstschen Süm-
pfen. Untcr dcn Thronbcwerbern gab Conrad von Hochsteden dem eng-
lischen Prinzcn Richard den Dorzug; auch er wurde zu Aachen am
17. Mai 1257 von den kölnec und mainzcr Erzbischöfen, im Beiscin von
zehn anderen Bischöfen, dreißig Herzogen und Grafen und dreißigtausend
Rittern gekrönt. Wie Richard die Wahlgefrlligkeit dcm Csnrad und
den übrigen deutschen Fürsten lohnte, zeigen die noch vorhandenen Ur-
kunden, womit die eiste auf unS gekommene zuverlässtge Nachri'cht,
daß in diesem Jahre dcm Steinmctzen Meister Gerhard wegen seiner
Dienstleistungen bei dem Dombaue zu Köln ein Hausplatz geschenkt
wurde, in naher Verbindung stehen mag.

Wir lassen es dahin gestellt, ob die Angabe neuerer Schriftsteller:
Richard habe bei der ersten Landung zu Tortrecht aus England 32
Tonnen Goldes auf den Continent gebracht, oder die des Engländers
Paris, wclcher die Summe von 700,000 Pfund Silber angibt, rich-
liger ist, sind auch nicht in dem ungcheuren deutschen Urkundenschatze
des Mittelaltcrs so bcwandert, darüber etwas Bestimmtes anführen zu
können, glauben indessen hinsichtlich des Conrad vvn Hochsteden dem
größern Publicum einen kleinen Dienst zu leiste», wenn wi'r ein faft
unbekannt gebliebenes Documcnt, welches über diesen Gegenstand die
bestimmtesten Nachweise enthält, wieder an das Licht ziehen. Wic
haben diescs der Gnade unseres hochscligen Königs in der uns zu
Theil gewordencn reichen kindlinger'schen Handschriften-Sammlung zu
verdanken. Der 52. Folioband enthält Seite 120 das urkundliche Ver-
sprcchen des Prinzen Richard, welches er durch seine beiden Abgeord-
neten dem Erzbischofe gibt, ihm außer mehre» seinem Erzstifte zuge-
saglen Vergünftigungen für seine Bemühungen gleich baar 2000 Mark
Sterlinge zahlen zu wollen, nach zu Slanve gebrachlec Wahl aber
8000 Pfund demselbe», wie auch dem Scholaster der Severinski'rche
zu Köln 1000 Pfund Sterlinge zu entrichten. Der Vertrag ift von
cem Prinzen zu Lonbon am 26. December 1256 genehmigt und als
'oeutschem Könige demnächst zu Köln am 3. Juni 1257 wirderholt
bekundet.

Conrad konnte mehre bedeutende Kirchenbaue in seiner Diözese un-
ternehmcn, und die häustg in Köln abgehaltenen Versammlungen, ver-
bunden mit der auf alle Reichsfürstcn ausgedehnten königlichen Libera-
lität, förderten den Anfang des Nationalbaues, da ei'n großer Thcil
dcr Wahlgelder der Domfabrik-Casse in Köln ohne Zweifel überwie-
sen wurde. Religiösec Sinn und das individuclle Ehrgefühl trieben
dazu unabweislich. Man war noch ;u redlich deutsch gestnnt, daS gute
Gcld, wenn eS auch gerade nicht die Frömmigkeit gebracht hatte, dem
heiligen Zwecke zu entziehen. Allein die nachherigen ungünstigen Ver-
hältniffe des Reiches ließen dcn herrlichen Keim, der kaum seine Blü-
then entfalkete, schr langsam zum Baume emporschießen; crft eine an-
dere Generalion sah theilweise die spärlichen Früchte, und untec dem
viertcn Nachfolger des ersten Gründers, i'm Jahre 1320, wurde erft
der vollendete Chor des Domes geweiht und 30 Jahre nachher darin
dec Hochaltar aufgestellt.

Verlassen wir nun, meine Hochgeehrten, den grandios.n Chocbau
mit den unvollendeten Domthürmen, «in Ergebniß früherer Jahrhun-
derte, und gehen aus den genialen Geist, der zuerft die gewaltige Jdee
empsing, zurück. Gern möchten wir den Namen des Meifters kennen,
in dem sich die unerschöpfliche Kraft des Menschcngeistcs offenbarke,
'oer, wie schon Föcster in den „Rhein-Anstchten" äußert, „einen iss-
lirten Grundgedanken bis auf daS Aeußerste zu verfolgen und das Er-
habcne auf immer neucn Wegen zu erceichen wußte"; allcin wir ver-
miffen über ihn alle si'chere urkundliche Nachricht.

Die wenigen älteren Geschichtschreiber, die diesen Punct in Frage
stellen, scheinen darin einverstanden zu sein, dieses Verdienft nicht dem,
von Mit- und Nachwelt sehr verschieden beurtheilten, Erzbischof Con-
rad zuzuschreiben. Sie alle ehren seinen hohen Geist und erkennen in
ihm Len gewaltigcn Heros seiner Zeit, der die materielle Ausführung
sich anzueignen verstand, in der Ueberzeugung, daß die Volksreligion
der sinnlichen Eindrückc nie ganz entbehren könne. Nur cinige Schrift-
steller glauben in dem Dominicanec Albert dem Großcn den Schcpfer
des Bauplanes zu finden. Es ist nicht zu läugnen, daß dieser erfte
deutsche Scholastiker in dem Reiche der Wissenschaften die dürre Spe-
culation in das organische frische Naturlebcn versetzte und deßhalb
von dem größecn Haufen der Nation für einen Zauberer aehalten
wnrde, da er unter Anderm, mitten im Winter dem Könige Wilhelm
und seinem Hose in dem Dominicaner-Kloster zu Köln ein Maifeft
im Freien gab, dessen Wunder, unter üppiger Vegetation, die nieder-
ländischen Chronisten über alle Vorstellung erhebem Ferner steht ur-
kundlich fest, daß er auch, zum Bischofe in Regensburg erhoben, ein
eifriger Anhängec König Richard's war; nicht weniger, daß cr für den
liefsten Denker und Malhematiker seinec Zeit gehalten und in die
Geheimnisse der höhern Baukunst eingeweiht war, der dsn OrdenSbrü-
dern zu Köln den schönen Chor verschafft und zu der Domini'caner-
kirche in dec Skadt Soest den Grunbriß geliefert hat; alkein allediese
Notizen bringen uns dem eigentlichen Urxeber dcs Bauplanes des köl-
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