Zentral-Dombauverein <Köln> [Editor]
Kölner Domblatt: amtliche Mittheilungen des Central-Dombau-Vereins — 1846 (Nr. 13-24)

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^kölncr

Ämtliche Mittlieilungen des Lentral-Dombau-llereins,

mit gefchichtlichen, artistifche« und literarifchen Beiträgen,

herausgegeben vom Vorstande.

M 1«._Köln, Sonntag 26. April 1846.

Das «Kölner Domblatt" erscheint monatlich als Gratis-Zugabe zur „Kölnischen Zeitung", wird außerdem aber auch besonders ausgegeben und
versandt. Der Pränumerations-Preis für die Einzel-Ausgabe, deren Bru tto-Ertrag der Dombau-Bereins-Eaffe zufließt, beträzt hier bei der Expedition der
„Kölnischen Zeitung" wie auswärts bei allen k. preuß. Postanstalten t« 8xi». für den Jahrgang.

Alle Iuschriften an den Central-Verein werden offcn oder unter Kreuzband, mit der Rubrik: „Allgemeine Angelegenheiten des Dombau-
Bereiys zu KLln", so wie Geldsendungen mit der Bezeichnung: „Geldbeiträge für den Dombau zu Kvln", erbeten.

Amtliche Mittheilungss.

Fünfundt'ünhigNes protocoll

- des

Central-Dombau - Bererns-Borstandes.

Verhandeit zu Köln auf dem großen Rathhaussaale, am 21. April 1846,
Nachmittags 3 Uhr.

Gegenwärtig waren dieHeccen: Freihecr vonMünch-Bellinghausen,
Steinberger, von Groote, Frhr. von Devivere, Biercher, Seyd-
litz, Bitter, Kerp, DuMont, Schieffer, Vohl, Franck, v. Ho-
henschutz, Böcker, Bartman, Zanoli, Neven.Hardung, D'Ester,
Haass, Esser, Graeff, v. Weyden.

Entschuldigt hatten sich die Herren: Heuser, Iwirner, Rolshausen,
von Wittgenstein, von Bianco, Blömer, vonHecwegh, Farina,
Berghaus.

Herr Esser, Secretar des Verwaltungs-Ausschusses, nahm für den abwe-
senden Präsidenten das Wort und begann mit Mittheilung des Berichtes
übec die seit der letzten Vorstands-Sitzung eingegangenen Beiträge:

Die Einnahme der Vereinscasse seit der letzten Vorstands-Sitzung beträgt
bis heute ................ I72I„ 1„—

Hierzu der im 44. Gaben-Verzeichnisse vom 23. März
c. veröffentlichte Gesammtbetcag vou ...... . 16179A„23„ 4

Ergibt bis heute eine Total-Einnahme von . . . . 1K3520„26„ 4

Sodann wurde der eilfke Baubericht des Herrn Regierungs- und Baura-
thes?> wirner dec Versammlung mitgetheilt, wie folgt:

Eilfter Baubericht über den Dombnu zu Kölu.

Vom 1. Januar bis Ende März 1846.

Wie gewöhnlich in dec Winterzeit, erstreckte sich die Bauthätigkeit wahrend
des vorstehend bezeichneten Zeitraumes auf die Bearbeitung dec Hausteine für
die im Laufe des Sommers aufzuführenden Gebäudetheile. Namentlich wuc-
den in den von 300 Arbeitem belebten Steinmetzhütten: ») füc königliche
Rechnung die zu dem Fortbaue des südlichen Kreuzgiebels vorrätbigen
Steine, hauptsächlich aber die Pfeiler nnd Galeriesteine für die Aufhöhung
desMittelschiffes, zugehauen; d) für Rechnung deS hieligen Central-

Dombau-Vereins so wie des baierischen Vereins diese Arbeiten
sowohl zu dem Fortbaue des nördlichen Kreuzgiebels, als auch zu dem Aus-
baue des nördlichen Seiten- und Querschiffes thätig betrieben, ja, an die-
sen letzten Theilen schon zu Ansang März mit dem Äusbaue selbst begonnen,.
und hier sowohl die beiden halbgeblendeten Spitzbogensenster mit den zuge-
hörigen Pfeilern in der nordwestlichen Ecke des Lang- und Querschiffes etwa
um 10 Fuß aufgehöht. Jmgleichen wurden die Entlastungsbogen übec den
Gewölbegurten geschlagen und mit Einwölbung der Gratbogen begonnen.

Für den Bau des nöcdlichen Thurmes sollte das Fundament des
südlichen Mittelpfeilers regulirt werden; ich ließ daher die Pflastersteine auf-
brechen und den aufgefülltm Bauschutt fortschaffen, in der skchern Voraus-
sehung, daß das Fundament zu einer solchen Hauptconstruction gleichzeitig
mit den übrigen Thurm-Fundamenten von den Alten gelegt sein müßte, wie
dies die Grundlehren der Baukunst erfordern. Bei der Aufgrabung fand flch
zunächst eine von Ziegelsteinen aufgemauerte, vecschüttete Gmft, an deren Bo-
den eine große Anzahl menschlichec Gebeine ohne Särge umherlagen; unter
diesem etlva 10 Fuß tief liegenden Boden glaubte ich das alte Thurm-Fun-
dammt zu sinden; indeß mußte noch weiter gegrabm werden, und erst bei ei-
ner Tiefe von 13 Fuß zeigte flch ein Mauerkörper, der aus großen Basalt-
steinen construict war; bei näherer Untersuchung aber ergab es sich, daß dies
nur ein unregelmäßig begränztes altes, 3 bis 4 Fuß dickes Mauerstück war,
in den Fundamentzug der Thurmanlage nicht paßte und überdies nur a«f
aufgefülltem Baugrunde ruhte, ohne daß weiterhin Mauerwerk angetroffenwurde.

Hiernach also fehlt das Fundament für einen Hauptpfeiler
des Thurmes gänzlich und muß demnach von Grund aus neu
angelegt werden. Die dazu erforderliche Baugrube ist bereits bis auf
circa 30 Fuß tief ausgeworfm worden. Es zeigte flch bei dieser Gelegenheit,
daß das Fundammt des westlichen Pfeilers dieses nördlichen Thurmes ehen-
falls isolirt und nicht im Zusammenhange mit dm übrigen Thurm-Funda-
mmten, sondern vielmehr vereinzelt in ausgezimmerten Schächten, wovon noch
die Bcctterabdrücke auf dem äußem Mörtel flchtbar flnd, aufgeführt worden
ist. Dieselbe Verfahrungsweise war auch bei Gelegenheit der Ecgänzung des
südlichen Kreuzgiebel-Fundamentes wahrgenommen wsrden, worüber ich das
Nöthige in dem, meinem ersten Baubcrichte beigefügten Aufsatze: „Vergan-
genheit und Aukunft des Dombaues" (Domblatt Nc. 5, erster Jahrgang,
1842), angesühtt habe.

Das Uebelste bei diesem Vocfalle ist dec große Auftnthalt der Arbeit und
der unvorhergesehene Kostenaufwand, der durch die Anftrtigung eines neuen
Fundamentes veranlaßt wird. Ob das Fundament für den Mittelpftiler des
Thurmes vorhanden ist, läßt flch vorläuflg nicht beurtheilen, weil hier der
Raum mit Steinmakerial ftir die Gründung des erstgedachten ThurmpftilerS
belegt ist.

Demnächst wird hier noch der nunmehr vollendeten Abrechnung über die
Dombau-Arbeicen während des Jahres 1845 gedacht. Nach dem hierüber auf-
gestellten Revisions-Protocolle vom 28. März 1848 ergibt sich solgende all-
gemeine Uebersicht dec Einnahme und Ausgabe:
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