Koldewey, Robert; Puchstein, Otto
Die griechischen Tempel in Unteritalien und Sicilien: Text — Berlin, 1899

Page: 185
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DER SERAPISTEMPEL IN TAUROMENION

Drei verschiedene an derselben Stelle gemachte Funde be-
| zeugen, dass in Tauromenion {Taormina, vergl. oben
S. 51 und wegen des Ursprungs der Stadt Holm II 437,
Freeman II 503) nicht nur unter den Kaisern, sondern auch schon
in der Zeit, bevor es römische Colonie wurde, d. h. vor Augustus,
ein Cult der alexandrinischen Gottheiten bestanden hat (vergl.

H. Pancratius von Tauromenion (s. Ada Sand. Roll. 3. April
I 237 ff.), die vor dem Messina-Thor der Stadt liegt, auf einem
ihr gehörigen Grundstück gefunden worden sind, ist wohl
zweifellos der Rest eines antiken tempelartigen Gebäudes, der
in der Kirche steckt, auf das Heiligtum der alexandrinischen
Gottheiten zu bezieben. Vere'l. Abb. 1G4 und 165.

Abb. 164. S. Pancrazio von Süden, mit der Wand des Serapistempels. 1:150.

Drexler bei Röscher, Lex. d. Mythol. II 397): die etwa dem
1. Jahrhundert n. Chr. angehörige Statue einer Isispriesterin (im
Museum von Palermo, vergl. R. Schöne im Bull, dell' inst. 1867,
172, abgeb. bei Lafaj^e, Histoire du culte des divinites d'Alexandrie,
Paris 1884 pl. 4, s. S. 287 n. 87), die mit der Statue zusammen ge-
fundene, von einer anderen Weihung an Serapis und Isis stammende
Inschrift CIL X 6989, endlich das griechische Epigramm IG S e 1
433 aus der Zeit vor Augustus, wonach von einem vtwxöqoc (selbst-
verständlich des Serapis, vergl. Lafaye 141, 3) und seiner Fa-
milie in der Vorhalle des Serapistempels (äiupl naqaaiäai raiads
Zagünidoc) der Hestia ein Altar gestiftet wird (vergl. Salin as,
Del real Museo 39 und die dort citierte, uns nicht bekannt
gewordene Schrift von De Spucches, D'tma greca iscrizione
trovata in Taormina e d'un tempio di Giove Serapide. Pa-
lermo 1863).

Da alle drei Stücke an der Nordseite der Kirche des

Das Kirchlein hat die Orientierung des heidnischen Tempels
mit übernommen und enthält einen langen mit einem barocken
Portal versehenen Raum, darin durch vorspringende Pfeiler
eine Art Altarnische abgeteilt ist, was mit Serradifalcos Plan
V Taf. 19, 1 in Widerspruch steht. In die Südwand sieht man
aufsen 7 Schichten Quadern verbaut, auf zweischichtigem
Sockel, darunter der Toichobat, die Oberstufe, die Unterstufe
und im Osten noch etwas von dem Stereobat.

Innen ist von dem alten Bau nichts zu sehen. Aber man
darf wohl annehmen, dass auch die antike Nordmauer von der
heutigen Mauer eingeschlossen wird und dass damit ungefähr
die Breite des alten Heiligtums gegeben ist. Das westliche
Endo erkennt man an dem Antenvorsprung, das östliche daran,
dass hier die Quadern in der Antenlinie gerade abgearbeitet
worden sind.

Die Anordnung der Fugen ist im Sockel und in den Stufen

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