Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 14.1903

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DAS KUNSTHANDWERK AUF DER AUSSTELLUNG IN DÜSSELDORF 1902

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3 g; 2«

AUSSTELLUNGEN
DÜSSELDORF UND
TURIN 1902
UHREN (GES. GESCH.)
AUSGEFÜHRT VON DEN
VEREINIGTEN WERK-
STÄTTEN FÜR KUNST
IM HANDWERK,
MÜNCHEN

Die Holzarbeit dieser Möbel wie aller
vorher genannten ist von der Firma
Portois & Fix in Wien in hervorragen-
der Weise ausgeführt worden. Dieser Er-
frischungsraum hat bis zur zwei Drittel
Höhe eine Bekleidung von blau-rot iri-
sierenden Kobaltgläsern erhalten. Rot
und etwas Schwarz und Weiss sind die
Farben der kleinen Tische und Stühle,
welche sich ganz unter die Platte her-
unterschieben lassen. Natürlich herrscht
auch hier der rechte Winkel, und sparsame
Schachbrettmusterstreifen in Schwarz-
Weiss ziehen sich in dem Rot um die
Sitzflächen.

Zu solchen Möbeln gesellen sich
Kleingeräte, die im Geist sehr wohl
damit zusammenpassen. Man muss es
zugestehen, dass, wenn schon die
Schlichtheit dieser Ästheten etwas raffiniert
ist, sich dennoch viele in das gleiche
Prinzip mit bereitwilliger Konsequenz
hineingefunden haben. Das kann nicht
mehr Laune sein, das ist Überzeugung.
Da sind ausser den Gläsern von Moser,
der dem Geschmack in vieler Beziehung
die Richtung gab, die Steingutgefässe von Bruno Emmel, der
Lüsterglasuren den Schulgrundsätzen dadurch angemessen macht,
dass er sie fast stumpf darstellt in einem dunklen Violettgrau.
Die Formen sind sehr einfach, breite Wölbungen und Flügel-
ansätze statt der Henkel geben den Farben, auch den gewöhn-
lichen Bleiglasuren, reichlich Gelegenheit sich auszubreiten.
Baron von Myrbach behandelt dasselbe Material als dekoratives
Mosaikflachrelief. Die verschiedenen Glasuren, welche zum grössten
Teil ganz matt wirken, sind von Professor Adam komponiert
worden. Es kommt darin mehrfach ein helles Graugrün vor,
nicht unähnlich der Färbung, welche Lachenal seinen Vasen zu
geben liebt. In dem Bildrelief der Österreicher wird dieser matte
Reiz durch einzelne blanke, violett-rosige Gegensätze gehoben.
Durch besonders farbig lebhafte Keramiken zeichnet sich die
Arbeit von der Baronesse Falke aus. Das Glas Iässt sie gern durch
eingeschliffene einfache Kreisornamente dekorieren. Auch hat sie

Kunstgewerbeblatt. N. F. XIV. H. 2.

ein Theeservice entworfen mit gläsernen
flachen Tassen, welche die Farbe des
Getränks zur Geltung kommen lassen.
Als Halter dienen Metallumfassungen
mit Henkeln, aussen weiss (vermutlich
eine Zinn-Silberkomposition), deren innere
Vergoldung für strahlende Lichtreflexe
im Tasseninnern sorgen soll.

Besonders auffallend ist der Wille
zum Primitiven durch die Speisebestecke
von Franz Messner dokumentiert. Alle
Stiele und Handhaben sind von oben
bis fast nach unten hin von derselben
Breite, am Ende gerade abgeschnitten
und ohne Verzierung irgend einer Art.
In den verschiedenen Löffelformen sind
möglichst dem Gebrauch entsprechende
Varianten durchgeführt. Es sind auch
die kreisrunden Arten nicht vergessen.
Dem gleichen Bestreben, den Gebrauchs-
gegenstand nur durch Zweckmässigkeit
gefällig zu machen, folgt auch Else Unger,
die eine Toilettegarnitur in Zinn ge-
trieben und versilbert, in ganz knappen
Formen fest zusammenschliesst.

Auch was sich zum ausgesprochenen
Zierrat diesen Nutzgeräten zugesellt, trägt
in Farbe und Linie das Gepräge stilisti-
scher Strenge. An mehreren Wand-
stellen sind getriebene Metallplatten ein-
gelassen, welche ebenso wie die Flügel-
altarblätter nach Entwürfen von Alfred
Roller, den Einfluss von Khnopff's Zeich-
nungen und den dekorativen Paneelen



ENTWURF VON F. MORAVE
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