Deutscher Altphilologenverband [Editor]
Mitteilungsblatt des Deutschen Altphilologenverbandes — 21.1978

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Überlegungen zur Konstruktion eines Lehrgangs für Latein
als 2. Fremdsprache
1. Definition des Lehrgangs
Der Lehrgang L2 durchläuft in den Klassen 7—10 und ggf. Kl. 11 die Phasen
I und II. Zwischen die beiden Phasen kann eine Zeit der Übergangslektüre treten.
Der Lehrgang führt im Sekundarbereich II zu Phase III (themenorientierte Lek-
türe).
2. Voraussetzungen - Adressat — Motivation
2.1. Voraussetzungen
Vom vorangegangenen Deutschunterricht her sollten Grundbegriffe der
Grammatik, eventuell auch einige antike Sagen und Fabeln bekannt sein.
Der vorangegangene Englischunterricht (im Saarland: Französischunterricht)
hat eine erste Relativierung des muttersprachlichen Systems gebracht und
außerdem grundlegende Techniken wie z. B. die Einprägung fremdsprachlicher
Vokabeln eingeführt.
Medien wie Buch, Film, Fernsehen, ggf. auch eigene Reisen, haben einzel-
nen Schülern schon erste Bekanntschaft mit romanischen Ländern vermittelt.
Die Abstraktionsfähigkeit ist weiter fortgeschritten: Analysieren, Struk-
turieren, Systematisieren kann im altersgemäßen Rahmen geleistet werden.
2.2. Adressat
Die Wahl der 2. Fremdsprache (in Klasse 6 Gymnasium oder Orientierungs-/
Förderstufe) erfolgt durch die Eltern. Bei der Wahl der 2. Fremdsprache fällt
die Entscheidung zwischen Latein und Französisch. Beobachtungen zum bis-
herigen Lemverhalten und Lernerfolg des Schülers können wichtige Hinweise
für die Entscheidung ergeben. Ein Schüler, der weniger zu imitatorischem
Lernen, zu munterem Sprechen und raschem Reagieren in mündlicher Unter-
haltung geneigt ist, dafür aber bereit ist, einem Problem ruhig und mit Aus-
dauer nachzugehen, dürfte bessere Eignung für Latein mitbringen als für Fran-
zösisch, ebenso ein Schüler, der bei sonst guter Abstraktionsfähigkeit Schwierig-
keiten hatte mit der Orthographie der modernen Fremdsprache.
Eine eindeutige Festlegung der Wahlempfehlung auf einen bestimmten
Schülertyp ist indes nicht möglich, schon deshalb, weil auch das Französische
eine zumindest im Schriftbild beziehungsreiche Formenlehre und Syntax be-
sitzt und daher auch zu Sprachreflexion Anlaß gibt. (Vgl. im übrigen,Materialien
zur Information der Eltern über den Unterricht in den Alten Sprachen\ hg.
vom DAV 1971; J. G. Hansen, Französisch oder Latein? AU 1/1977, S. 5ff.)
2.3. Motivation
a) Die Anzahl der englischen Vokabeln romanischer Herkunft, die in Klasse 5
und 6 aufgenommen werden, ist nicht groß, und trotzdem kann von ihnen eine

DAV-Mitteilungsblatt 1978/1

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