Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins — [1].1902-1903

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HeftbetUt und JModc*

Von Carl COeltbrecbt.

Die Heftbetih als eine ernftbafte öliffenfebaft und die JYIode
k als eine vielgeltaltig wecblelnde Cebenserfcbeinung — fie
' haben viel mehr mit einander zu tbun, als man gemeinbin
anzunehmen geneigt ift. Und zwar nicht nur infofern,
als die Heftbetik ficb zuweilen veranlafst lieht, gegen das Creiben
der jNIode nachdrückliche, wenn auch freilich meift nutzlofe Ginfpracbe
zu erbeben. Das kommt ja tbatfäcblicb nicht leiten vor, bekanntlich
bat zum ßeilpiel einer der bervorragendften und berübmtelten deutlcben
Heftbetiher, friedrieb Cb. "Vifcber, wiederholt bitterböfe äftbetilcbe
Kritik an der jeweils berrlcbenden Kleidermode geübt; genützt bats
febeinbar nicht viel, und Tifcber felbft bat lieb auch wenig Hoff-
nung auf praktifeben Grfolg gemacht, vielmehr nur eine Hmtspflicbt
des Heltbetikers zu erfüllen geglaubt. Hber auch er bat dabei nicht
blols äftbetilcb kritiliert und gekämpft, fondern er bat zugleich die
Srfcbetnungen der J^Iode in ihrem inneren 3Clefen und ihren Zu-
fammenbängen unterfuebt und zu verfteben gefuebt, das heilst alfo
die )Mode wiffenfebaftlicb bebandelt. Qnd in der Chat ilt die
JNIode für die Heftbetik keineswegs nur ein Gegenftand
feindlicher negativer Kritik, fondern zunäcbft einfach ein
(3egenftand wiffenfebaftlicber Qnterfucbung unter anderen
©egenftänden diefer Hrt.

Denn zweierlei ftebt von vornherein feft. Grftens: alles, was
JVIode beifst, wendet ficb nicht etwa an den "Verftand und die
tbeoretifebe 6rkenntnis, auch nicht direkt an den praktifeben löillen

* JSacb einem öffentlichen Tortrag.
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