Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins — 2.1903-1904

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Künftler, f abrikant und Publikum.

©erfon «f Ololff, Stuttgart. Rotel-Salon.

weife den grofsen Hnteil des künftlerifcben Genius' an der 6ntftebung
eines neuen Stils erweifen, all den Hauen und Crägen ins Stammbuch
febreiben, die als pfleger der Kunft bcftcllt find und meinen, Gott
gebe es den Seinen im Schlaf, neue Kunftweifen entftünden „von
felbft", es fei nicht nötig, Band mit anzulegen, auch fei es böcbft
unweife, mit neuen unerprobten Ideen Sxperimente zu machen! Die
Gebildeten in erfter Cime möchte man darüber aufklären, dafs, wie
überall, auch in der Kunft ohne Hrbeit keine Gntwieklung ftattfindet.
Dafs wenn auch das Stilwerden bis zu einem gewiffen Grad einem
organifeben Älacbstum entfpriebt, doch eben die Künftler und alle,
die mit der Kunft zu tun haben, die Organe diefes (Xlacbstums dar-
ftellen, und diefes 3tlacbstum doch gewifs um fo rafeber und frucht-
barer vor fieb geben wird, je zahlreicher und je leiftungsfäbiger diefe
Organe find.

Hucb den hunftgewerblicben Xnduftriellen gebörts ins Stamm-
buch. Hucb fie möchten am liebften die reifen früebte von den Bäumen
pflücken und feben febeel nach den Knofpen und Blüten, die ihnen
noch nicht nutzbar find. Bequemer war es allerdings, die durch
jabrbundertlange Husprägung febematifeb gewordenen biftorifeben
formen induftriell auszunützen, und die Stuttgarter JVföbelinduftrie
darf fieb, wie man weifs, rühmen, bei der öm Wertung der Renaif-
fanceformen für die kunftgewerblicben Bedürfniffe der fiebziger und
achtziger jfabre an erfter Stelle geftanden zu haben. Sie bat in
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