Mitteilungen des Württembergischen Kunstgewerbevereins — 2.1903-1904

Page: 183
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/mwkgv1903_1904/0196
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
paut ftauTtein

Zierleifte.

Die japarrifcben Gtriflüffe und die
beutige dekorative Kunft

mit befonderer Berückficbtigung frankreicbs,
von Raymond KoccbUn in paris.

tlcberfetzung von Gmmy Becher in Stuttgart. (Schlüte.)

enn der JVaturalismus den Kern der japanifeben Kunft
und der in ihr enthaltenen Cebre bildet, To bat uns
jfapan doch auch noch anderes gegeben — es bat uns ein
Geheimnis, das wir fal*t vergeffen hatten, wieder ver-
rteben gelehrt, bat uns das ©efübl für den logifeben Zufammenbang
zwifeben Material und Zweck eines ©egenftandes ins Gedächtnis ge-
rufen. ?tlir fagen zurückgerufen, denn die gotifebe Kunft hatte fieb
in ihrer Blütezeit genau wie die grieebifebe wohl gehütet, diefen
oberften ©rundfatz zu vernaebläffigen, aber nach und nach ver-
dunkelte fieb der Begriff in den ©eiftern im gleichen JVTafs, wie der
JVIifsbraucb unverftandener formein zunahm, und zur Willkür, zur
Hbgefcbmacktbeit führte. Das ©efübl für das JVTaterial, um
damit anzufangen, war bis zu einem unglaublichen ©rad verloren
gegangen. Im jfabr 1850 hatte man fo vollftändig die Unterfcbeidung
febönen oder gemeinen Materials eingebüfst, dafs ein Hrcbitekt, der
trotzdem ein Künftler war und einer der beften, die Frankreich im
neunzehnten Jahrhundert hervorgebracht bat, pierre Cescots, fünfter
im £ouvre mit gufseifernen ©ittern „febmückte", ohne den Onter-
febied zwifeben ©urseifen und der edlen Scbmiedekunft auch nur zu
ahnen. Derartige Terirrungen waren fo wenig eine Seltenheit, dafs
loading ...