Studia Palmyreńskie — 12.2013

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Michaela Konrad

Mit dem Ende des klassischen, „informationsyermittelnden'' Grabmonuments in der Spatan-
tike sind wir auch in den Orientprovinzen in zunehmendem Mafie auf die Erschliefiung neuer
Quellen und Methoden angewiesen, um uns in der Spatzeit bevólkerungsgeschichtlichen Fragen
zuwenden zu konnen.

Am Beispiel der in der Wustensteppe verlaufenden Grenzzone zwischen dem Romer- und
Partherreich soli dies veranschaulicht werden. Ausgangspunkt unserer Betrachtungen bilden die
jtingsten Grabungen in der Nekropole vor dem Nordtor von Resafa, dereń schwieriger Befund
allerdings nur vor dem Gesamtkontext der Sepulkralkultur in der weiteren Region erklarbar ist.

Resafa liegt etwa 160 km nordlich von Palmyra an der der alten Karawanenstrafie zum Euphrat
und war Teil der romischen Grenze zum Partherreich, welche seit dem mittleren 1. Jh. n. Chr. aus-
gebaut und mit Befestigungen versehen wurde. Nach dem Friedensschlufi von Nisibis 298/299
n. Chr. liefi Kaiser Diokletian den Grenzabschnitt zwischen Rotem und Schwarzem Meer mit wehr-
haften Kastellen yerstarken. Die hier stationierten Einheiten sind durch die Notitita Dignitatum
iiberliefert (Notitia dignitatum XXXIII). Jiingere archaologische Ausgrabungen durch das Deutsche
Archaologische Institut haben eine Prazisierung unserer Kenntnisse iiber die Architektur dieser
Anlagen, aber auch zur romischen Grenzorganisation bis in das 7. Jh. n. Chr. ermoglicht (Aus-
fiihrlich dargestellt bei Konrad 1999; 2001; 2008; Brands 2002; Ulbert 1993) [Abb. 1],

Innerhalb dieses Grenzstreifens fiel den Garnisonsorten am nordlichen Sektor der Limesstrafie
schon bald nach der militarischen Neuorganisation durch Diokletian eine besondere Rolle zu: sie
waren Schauplatze des Martyriums des Heiligen Sergios, der yermutlich unter Maximinus Daia, 312
n. Chr., Opfer der letzten Christenverfolgungen wurde. In Resafa wurde Sergios schliefilich enthauptet
und in der Nekropole extra muros begraben. Diese Begebenheit war Ausgangspunkt datur, dafi Re-
safa noch im 4. jh. zu einem sakralen Zentralort wurde und eine zusatzliche Funktion ais Pilgerstatte
erfullte, die den Platz jedoch immer mehr bestimmen sollte (Konrad 2001: 96-98,105-114; Fowden
1999: 7-29,60-100,130-192; Details zum Sergiosmartyrium Fowden 1999:11-17). Bis dahin war Resafa
einer von zahleichen uniform angelegten romischen Garnisonsorten entlang der romischen Grenz-
strafie. Diese zeichnen sich in der Regel durch ein zentrales Kastell aus, welches auf einer bis vier Sei-
ten von einer Ziyilsiedlung (ińcus) umgeben war. Die Gesamtanlage der mit einer Wehrmauer
befestigten Grenzbefestigungen folgte dem hippodamischen Prinzip, wahrend die Binnenstrukturen
mit Hofhausem — ebenso wie die Bautechnik unter Verwendung von Fehmziegeln — ausgepragte
lokale Traditionen widerspiegeln (Konrad 1999; 2001; 2008; Ulbert 1993).

Fur bevólkerungsgeschichtliche Fragen ist ferner relevant, dafi in Resafa seit dem 4. Jh. eine
einheimische Reitereinheit (equites promoti indigenae, Notitia dignitatum XXXIII 27) stationiert war
und dafi hier spatestens seit den 80er Jahren des 6. Jhs. eines von mehreren Herrschaftszentren
der mit Byzanz foederierten Ghassaniden lag (Konrad im Druck a). Mit Ausnahme von Sura wei-
sen samtliche Platze dieses Fimesabschnitts eine Siedlungskontinuitat bis in die umaiyadische
Zeit und zum Teil auch dariiber hinaus auf. Auch militarische Prasenz scheint an einzelnen Platzen
bis in das 7. Jh. gegeben zu sein (Konrad 2008). Fur die Siedlungsgeschichte und damit fur die
hier zur Diskussion stehenden Fragen ist insbesondere die Beobachtung relevant, dafi wir archao-
logisch weder den romischen Grenzbefestigungen yorausgehende Siedlungen nachweisen kón-
nen, noch Siedeltatigkeit aufierhalb dieser Platze. Dies bedeutet, dafi feste Siedlungen in dieser
Region erst mit den romischen Grenzbefestigungen entstanden, diese aber nicht in nennenswer-
tem Umfang Anstofi zur Sefihaftigkeit gegeben haben. Dies dlirfte mafigeblich auf die naturraum-
lichen Bedingungen zuriickzufuhren sein und die Tatsache, dafi die romischen Grenzbefestigungen
die wenigen yerfligbaren Wasserstellen okkupierten.

Topographie der Nekropolen von Resafa

Die antike Topographie Resafas ist durch die langjahrigen archaologischen Arbeiten in ihren
Grundztigen bekannt (Ulbert 1993; 2008; Konrad 2008 mit weiteren Referenzen) [Abb. 2], Die Mo-
numentalisierung des einfachen Truppenstandortes seit dem 5. Jh., die nicht nur eine Vergrófie-
rung des Siedlungsareals, sondern auch eine umfangreiche Bautatigkeit fur Sakralbauten intra

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Studia Palmyreńskie XII
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