Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 15.1921

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Besprechungen.

Vom Altertum zur Gegenwart. Die Kulturzusammenhänge in den Haupt-
epochen und auf den Hauptgebieten. Verlag von B.O.Teubner in Leipzig, 1919.
gr.8°. 308 S. — Das Gymnasium und die neue Zeit Fürsprachen
und Forderungen für seine Erhaltung und seine Zukunft. Verlag von B. G. Teub-
ner in Leipzig, 1919. gr. 8°. 220 S.
Die beiden in der Überschrift genannten Bücher gehören nicht eigentlich in
unser Fachgebiet, dennoch sollen sie hier erwähnt werden, da ihre Absicht, die Be-
deutung des klassischen Altertums und des humanistischen Gymnasiums ans Licht
zu stellen, auch in unsere Wissenschaft eingreift. Das erste Buch zeigt die Zu-
sammenhänge zwischen Altertum und Gegenwart erst im allgemeinen (Mittelalter,
Renaissance, Neuhumanismus, neunzehntes Jahrhundert), dann auf den einzelnen
Gebieten. Hier kommen für uns namentlich bildende Kunst und Literatur in Be-
tracht; über jene schreibt L. Curtius, über diese Roethe. Beide Aufsätze sind zu rühmen,
denn ihre Verfasser haben die Fähigkeit, aut zwanzig Seiten bekannte Hauptsachen
rein und klar darzustellen, ohne in bloßes Geschwätz zu verfallen; andere Mitarbeiter
sind der Gefahr eines leeren, mehr oder mindergut klingenden Geredes nicht ausgewichen.
Noch höher aber möchte ich einen Beitrag stellen wie den von Ernst Goldbeck über
Weltbild und Physik, weil in ihm neue Gesichtspunkte überzeugend verwertet
sind. Das zweite Buch, aus vielen Mosaiksteinchen zusammengesetzt, wirkt durch
seine Buntfarbigkeit. Ich habe meine helle Freude daran gehabt, zu beobachten,
wie verschieden die Persönlichkeiten sich äußern, obwohl sie alle auf der Seite
der Bejahung stehen. Wäre ich gefragt worden, ich hätte zwischen dem Gym-
nasium, das mir vorschwebt, und der Schule, in der ich elf Lebensjahre verbringen
mußte, einen dicken Trennungsstrich gemacht.

Berlin. Max Dessoir.

Theodor A. Meyer, Die ästhetische Erziehung in der Schule. Tü-
bingen 1919, J. C. B. Mohr (Paul Siebeck). 30 S.
Das Problem der ästhetischen Erziehung, das eine Zeitlang lebhaft erörtert wurde
wird jetzt bei den mancherlei pädagogischen Reformplänen leider zu wenig berück-
sichtigt. Es ist daher sehr zu begrüßen, daß Th. A. Meyer dieses Problem zum Gegen-
stand eines Vortrags auf der Jahresversammlung des Württembergischen Philologen-
vereins gemacht hat. In klar formulierten Ausführungen behandelt er die prinzipielle
Frage nach dem Charakter und dem Wert der ästhetischen Erziehung in der Schule,
ohne dabei auf praktische Vorschläge über die Anwendung im einzelnen einzugehen.
Als erste Aufgabe der ästhetischen Erziehung stellt Th. A. Meyer im Gegensatz zu
anderen Ansichten nicht die Darbietung von Kunstgenüssen auf, sondern die Heran-
bildung zur Form, zur freien Menschlichkeit. Ästhetische Erziehung soll zum Hervor-
bringen, zum Schaffen des Schönen anleiten in ganz elementarer Weise, auf münd-
lichen, schriftlichen und zeichnerischen Ausdruck der Schüler, auf körperliche Be-
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