Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 15.1921

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232 BESPRECHUNGEN.

stark und lebendig der alte Koch wirkt. Das wirklich Unwesentliche an den Bildern
fällt von selbst ab. Dazu gehört die Figurenstaffage und das Kolorit der Figuren.
Nicht aber die Gestaltung des Landschaftscharakters mit ihrem Flächenaufbau in
Linie und Farbe. Vor allem die Farbe: Sie gemahnt an entscheidenden Stellen in
ihrer Weichheit, ihrem verhaltenen Leben und in ihrer Kraft Flächen zu formen,
die von innerem Leben bewegt sind, besonders im Bilde mit dem St. Georg, an
Cezanne. Freilich erreichen durchaus nicht alle Bilder Kochs diese Höhe. So können
wir z B. das Bildchen »Ziegelhütten von Olevano« (Schackgalerie) nicht so gut fin-
den wie der Verfasser (S. 84). Es ist doch im ganzen farbig hart und im Aufbau
gestückt. Es mag dies als Beispiel dienen, wie doch auch den Verfasser die Kon-
zentration auf seinen Gegenstand da und dort zu einer leisen Wertsteigerung ge-
führt hat. Es ist natürlich, daß dabei die Kritik am verehrten Meister doch nicht
fehlt (z. B. S. 93 f., 96,98, aber auch schon S. 39, 48). Mit dem Urteil: »dem
Deutschrömer Koch ... ist gelungen was keinem vor und nach ihm gelang: sie
(= Hochgebirgslandschaft des Obersteinbergs) bildhaft zu gestalten« (S. 81), streift
der Verfasser das Problem der Gebirgsmalerei. Es hätte sich wohl empfohlen
darauf einzugehen, um die Leistung Kochs am Problem zu messen und die Lösung
des Problems hinwiederum vom Werke Kochs aus zu versuchen. Daß der Ver-
fasser gerade in diesem Zusammenhang Koch als Deutschrömer ansprechen kann
ist noch von spezieller Bedeutung. »Deutschrömer« hat sonst keinen so starken
Klang: man wollte ihrer Kunst keine solche Erdennähe und erobernde Kraft zu-
trauen.

Als Standort für »St. Georg« muß jetzt Neue Pinakothek München angegeben
werden, nicht mehr Galerie Augsburg (Verzeichnis der Tafeln). Außer den drei
genannten Bildern besitzt die Neue Pinakothek noch »Diana und Aktaeon« (in
Hochformat, nicht die Fassung, die auf Tafel II abgebildet ist) und »Italienisches
Winzerfest«.

München. Georg Schwaiger.
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