Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 24.1930

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AUGUST SCHMARSOW.

sagt, daß diese Architekturperiode eine unerläßliche Vor-
bedingung ihrer eigenen unvergleichlichen Kunstblüte gewesen ist,
insonderheit für den plötzlichen Aufschwung der Musik zu ungeahnter
Höhe. Denn hier in der Gotik sind all jene Gesetze der Symmetrie von
gleichen Teilen, der Verhältniswerte zwischen ungleichen, der paarigen
Reihung und des gruppierenden Rhythmus mitsamt der Wiederaufiösung
aller Konzentrationsmotive gefunden und eingeübt worden. Es ist eine
lange Vererbung und Verschiebung von einem Sinnesgebiet auf ein an-
deres notwendig gewesen und eine Rückkehr zur Hegemonie der
Zeitauffassung, die sich durch Geschlechterfolgen nur vollziehen
kann, um schließlich unmittelbar von der Komplementärkunst Malerei
auf die der Musik überzuspringen, d. h. von der räumlichen auf die
zeitliche Hemisphäre! (Vgl. Ztschr. f. Ästhet, u. allg. Kunstwsch., Bd.
XXIII, 1929, S. 23.)

gang der Rhythmik des Abendlandes, von den Anfängen der romanischen
Basilika bis zur gotischen Kathedrale. Und die Auflösung dieses Gestaltungs-
prinzips, die Abkehr von dem Bewegungsrhythmus als treibende Kraft der ganzen
Raumkomposition zur rein optischen Ausbreitung und zur Beruhigung, zum Still-
stand der Schau und damit zum Einraum, bedeutet die Wendung zur R e n a i s -
s a n c e."
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