Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 26.1932

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BEMERKUNGEN.

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Baumeister überlassen oder dem Landschaftsmaler —, die hinwiederum ihrerseits
alles Hineinpfuschens ins lyrische Gebiet sich zu enthalten haben.

(6. 12. 69.) Die vorgetragene Ansicht vom Wesen des ästhetischen Verhaltens
und seines Korrelats verträgt sich einerseits ebenso gut mit dem Grundsatz, welchen
ich vor 17 Jahren auf anderem Fundamente ausgeführt habe*): aller Genuß am
einfach Schönen besteht in der Freude an der gleichwiegenden Homogeneität und
deshalb trägt jedes Objekt die Möglichkeit in sich, als ein ästhetisches zu gelten —
wie sie andererseits ergänzende Elemente aus den Darstellungen Schopenhauers
und E. v. Hartmanns in sich aufgenommen hat. Jener sagt: Alles ist schön,
was und soweit es seiner Idee entspricht — und um diese zu erkennen, resp.
ihre adäquate Verleiblichung zu genießen bedarf es der willensfreien Kontemplation,
und was dafür die Kunst an Erleichterungsmitteln leistet, ist das reinere Heraus-
schälen des rein ästhetischen Objekts mit Beseitigung allen, möglicherweise die
kontemplative Perzeption störenden Beiwerks. Dagegen verlegt v. Hartmann die
Schönheit selber direkt in die Intentionen seines Unbewußten — ihm ist also nicht
etwas schön, weil und insofern es so dasteht, wie es gewollt ist —, sondern: es
wurde so gewollt, weil es so schön ist; — die ewigen Vorstellungen, denen der
Wille vorzeitlich sich vermählt, sind ihrer Natur nach schön —, wobei man freilich
einerseits nicht begreift, wie ein unbewußtes Vorstellen dazu kommen soll, Schönes
in sich zu tragen, dessen es selber in seiner Unbewußtheit niemals inne und froh
werden kann, da Schönes nur für ein Bewußtes existiert, und andererseits den
befremdlichsten Aufdröselungen der ästhetischen Schöpfungsakte begegnet (so daß
z. B. die Pfauenfederzeichnung in die Punktierung ihrer einzelnen Wimpern zer-
stückelt wird — ein Zerreißen, das auch der teleologischen Betrachtungsweise bei
ihm alle Einheit des mit Einem Schlage erstehenden Zweckmäßigen raubt, indem
es dieselbe in eine Reihe mechanisch aneinander probierter Partialakte zerpflückt).
Wahr hieran ist nur dies: Alles ist um so schöner, je ungehemmter es sich ent-
falten konnte; deshalb finden wir die Objekte schön, wenn sie sind, was sie
der selbstzeugenden Absicht nach sein wollen oder „sollen" — das ist ja ihre
„Idee", die aber nirgends außerhalb des (vorläufig allerdings noch „unbewußten")
Willens eine (hypostatische) Existenz hat, — der Wille bleibt uns in allem
das Prius — auch für das Dasein der Idee, denn diese ist nur sein eigenes Was,
welches — so lautet mein Ceterum censeo — nirgends sonst noch als nur in der
Abstraktion — von seinem Daß sich losreißen läßt.

Formprobleme der Porzellanplastik.

Von Edith Rischowski.

Jede historische oder kritisch-ästhetische Betrachtung der Porzellanplastik
findet sich direkt oder indirekt der Problematik des Porzellanstils gegenübergestellt;
das bedeutet, daß an dem Beispiel der Porzellanplastik paradigmatisch die Frage
des Verhältnisses von Material und Form, von Material und Stil erörtert werden
kann. Es muß nämlich in der Erörterung über den Porzellanstil das Problem des
Materialstils als solches Beleuchtung finden, weil die Kriterien für die Existenz

*) in der Tübinger Dissertation (1853): „Versuch, die Lehre von den drei
ästhetischen Grundformen genetisch zu gliedern nach den Voraussetzungen der
naturwissenschaftlichen Psychologie". (D. H. Vgl. Anm. o.)
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