Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 33.1939

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WELTKRIEG UND LITERATURWISSENSCHAFT

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der Literaturwissenschaft. Schiller ist der tragische Fall des politischen
Dichters ohne Staat, ohne Realität, Hölderlin ist Dichter ohne Volk, das
sich bewährt; genauer gesagt: ohne Frontgemeinschaft. Wir sehen den
großen Dichter dort stehen, wo er die Gnade hat auszusprechen, was ihm
das Schicksal seines Volkes und der Führer seines Volkes schenkt. Wo
er von der Wirklichkeit getragen ist. Der Geist ist in der Welt, die ihm die
Frage stellt. Auch die Frage des Einsatzes des gesamten Lebens. Auch
das Gute in seinem höchsten Grade ist noch wirklich. Den neuen Realis-
mus der Wissenschaft sehen wir nicht aus der Denkbewegung des objek-
tiven Bewußtseins erwachsen, das sich über den irdischen Dingen wölbt;
er wächst selbst aus den Realitäten der Zeit herauf, aus dem Wert ihrer
Wirklichkeit, aus der Bewußtsein gewordenen Haltung der Front.
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