Zeitschrift für Ästhetik und allgemeine Kunstwissenschaft — 33.1939

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Zur Stellung des Kunstwerks im Aufbau
des objektiven Geistes

(Bemerkungen zu: Hans Freyer, Theorie des objektiven Geistes1))

Von

W. Passarge (Mannheim)

Die allgemeinste Aussage, die man von einem Werke der bildenden
Kunst machen kann, ist die, daß es ein Ding sei und in die Welt der
Gegenstände gehöre. Durchmustern wir nun diesen Bereich des Gegen-
ständlichen, wie er sich uns täglich in unserer Umwelt darbietet, so ergeben
sich zwei grundverschiedene Arten von Dingen. Ein Gegenstand ist ent-
weder gewachsen, ein Stück Natur, ein Naturgegenstand, oder aber
er ist von Menschenhand gemacht, ein Teil der menschlichen Kultur, ein
Kulturgegenstand. Die Naturdinge wollen wir kurz als „Ge-
wächse", die Kulturdinge als „Gebilde" bezeichnen, d.h. von Men-
schenhand gebildet. Die Gesamtheit der Kulturdinge oder Gebilde macht
einen großen Teil der Welt des „objektiven Geistes" aus, d. h. jenes
Lebensbereiches, in dem sich der menschliche Geist in den mannigfach-
sten Formen — „Gebilden" und „Ordnungen" — verwirklicht, vergegen-
ständlicht, „objektiviert".

Betrachten wir nun die Welt des objektiven Geistes etwas näher, wie
sie uns Freyer geschildert hat. Freyer stellt 5 Kategorien oder Formtypen
auf: 1. Gebilde, 2. Gerät, 3. Zeichen, 4. Sozialform, 5. Bildung. Von diesen
gehen uns hier nur die drei ersten Formtypen an, da nur in ihnen sich
bildkünstlerische Gestaltung zu verwirklichen vermag. Am leichtesten
faßbar von diesen Formtypen ist die Kategorie „Gerät", von der Freyer
sagt: „Geräte sind diejenigen Formtypen des objektiven Geistes, deren
Sinngehalt ein Teilstück aus einem zwecktätig gerichteten Handlungs-
zusammenhang ist." Dabei zählt Freyer mit Recht zu den Geräten nicht
nur die Werkzeuge, Apparate, Maschinen usw., sondern ebenso ein Haus,
ein Kleid, ein Fahrzeug, ein Schiff u. dgl. Es ist der Bezirk der handwerk-
lich-technischen Kultur, der damit umschrieben ist. Das Charakteristische
des Gerätes ist seine Verwendbarkeit für einen bestimmten Zweck, dem
es zu dienen hat.

x) Hans Freyer, Theorie des objektiven Geistes. Eine Einleitung in die
Kulturphilosophie. Leipzig 1928.
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