Fliegende Blätter — 6.1847 (Nr. 121-144)

Seite: 113
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Soldatenstücklein.

Von Wilhelm von Chezy.

«Schluß.)

II.

Wohl verfliegen die Jahre schnell, doch sind drei Jahre
im Krieg eine lange Zeit, die vieles begräbt und mehr noch
anders macht. Aus Wernher war indessen ein General ge-
worden,- doch wär' er lieber geblieben, was er zuvor gewesen,
hätt' er dabei nur bleiben können, wie er gewesen. Der rüstige
Mann war zum Greis, der stattliche Krieger zum Krüppel
geworden. Ein Bein und einen Arm hatte er vor dem Feind

verloren, Schädel und Brust waren von Hiebwunden gefurcht.
Zum Felddienst fortan untüchtig, hatte er den Kaiser um einen
ruhigen Posten ersucht, und von diesem den Auftrag erhalten:
die Bewachung einer ungarischen Festung zu übernehmen, welche,
obschon ziemlich wohlverwahrt, weder für Freund noch Feind
von besonderer Wichtigkeit schien. Sie diente grade nur zur
Aufbewahrung von Gefangenen und lag abseits von allem
Verkehr der großen Heerstraßen bei dm letzten Ausläufern des
Gebirges in öder Fläche, umgeben von Sümpfen zwischm
pfadlosen Waldungen.

Ein reifiger Zug hielt MittagSrast auf dem Vorhügel,
wohinüber der Pfad zur Ebene führte. Alte Eichen beschat-
teten den Platz, der lustiger anzuschauen war, als die Aussicht,
welche er beherrschte. Deutsche Söldner und ungarische Roß-
knechte bereiteten an knisternden Feuem ihre Kost. Frei weideten
die Pferde. Abgesondert vom Troß hatten Wernher und die
Seinen sich niedergelassen. Romana hatte offenbar viel gelitten;
sonst eine volle Rose, glich fie jetzt der bleichen Lilie, doch
war fie auch als Lilie immerhin eine stolze Blume. Vor der
Tochter und dem Elternpaar stand ein junger Offizier, der
lebhaft und dennoch feierlich zu den Dreien sprach. Er deutete
hinab aus die ttübselige Burg in der öden Umgebung. „Dorthin
folg' ich euch fteiwillig," sagte er: „denn hätt' ich mich nicht
zu dem Posten gemeldet, so wäre dem Herrn General irgend
ein verstümmelter Offizier beigegeben worden." Romana senkte
die langen Wimpern, ivährend Wernher und Gertrud „den
Herrn Hauptmann Eberhard" ihrer dankbaren Ergebenheit ver-
sicherten. Der General fügte hinzu: „Ich denke mir übrigens,
daß der Herr seine guten Gründe haben mag, Jugmd und
Thatkrast in eine Einfiedelei zu begraben; und wenn er uns
etwas darüber mitzutheilen hat, so thu' er's in Gottes Namen..."—
„Nicht doch," unterbrach Romana schnell den Vater: „warum
denn grade jetzt?" Wernher lachte laut auf, erröthend wandte

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Objekt
Titel: Fliegende Blätter
Detail/Element: "Soldatenstücklein"
Künstler/Urheber: Dietz, Feodor 
Inv.Nr./Signatur: G 5442-2 Folio RES
Aufbewahrungsort: Universitätsbibliothek Heidelberg 
Schlagwort: Karikatur 
Frau <Motiv> 
Liebeswerben <Motiv> 
Kniefall 
Satirische Zeitschrift 
Soldat <Motiv> 
Herstellungsort: München 
Bildnachweis: Fliegende Blätter, 6.1847, Nr. 135, S. 113
Aufnahme/Reproduktion
HeidICON-Pool: UB Fliegende Blätter 
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Bild-ID HeidIcon: 100698
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