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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 14.1938

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https://doi.org/10.11588/diglit.42535#0072

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68

T. Krüger

jetzt noch nicht durch Augenschein bekannt sind, soll hier doch sogleich möglichst alles
mitgeteilt werden, was sich bisher für das nähere Verständnis der Darstellung
beibringen lieh.
Das Relief ist in den Hauptzügen gut erhalten, jedenfalls nirgends absichtlich
beschädigt, wie es sonst bei religiösen Bildwerken die Regel ist, hat aber in den
Einzelheiten durch Bestoßen und Abscheuerung nicht ganz wenig gelitten. Die Dar-
stellung seht sich zusammen aus drei Tieren und drei menschlichen Köpfen, deren
jeder auf einem Anterbau angebracht ist. Links und rechts sind Wohl viereckige
Postamente anzunehmen, während in der Mitte sich als Träger des Kopfes ein
zierlich profilierter, oben in ein pelta-ähnliches Ornament endigender Kandelaber
erhebt, dessen Formgebung den antiken Ursprung wahrscheinlich machte, schon be-
vor man zu einer Deutung des Inhaltes gelangt war. Das Bild ist dadurch in zwei
Felder gegliedert, in denen die drei Tiere nach ihrer Gröhe gut verteilt sind: links
ein nach rechts schreitender Hirsch, rechts ein nach rechts hüpfender großer Hase,
durch die langen Löffel und die kurzen Vorderläufe gut charakterisiert, und darüber
ein nach links gewandter Vogel. Ob dieser als Taube oder als eine andere Vogelart
anzusprechen ist, ist nach seiner Darstellung nicht sicher zu entscheiden. Für einen
Raben scheint der Schnabel zu klein zu sein.
Beides - die menschlichen Einzelköpfe und die Tiere - sind Dinge, die für die
gallischen Religionsdarstellungen der Spätlatenezeit und der galkorömischen Früh-
zeit kennzeichnend sind. Wo das Relief sachlich hingehört, ist also damit schon
gegeben. Auch was die einzelnen Darstellungen bedeuten sollen, ist unschwer zu
bestimmen. Der Hirsch ist das heilige Tier des Hirschgottes, der in der Frühzeit im
eigentlichen Gallien Cernunnos heißt, später im Fortschreiten der Romanisierung
als Waldgott Silva nus erscheint. Der Gott selbst ist durch den Kopf in Seiten-
ansicht links wiedergegeben. Der Hase ist als Begleittier von Landesgöttinnen be-
kannt. Für die Diana Arduinna, die Göttin der Ardennen, ist er in Trier nach-
gewiesen st und bei der Diana Abnoba, der Göttin des Schwarzwaldes, findet er sich
auf einer Reihe von Bildwerken st Also ist der seitlich gesehene Kopf rechts auf die
Diana Abnoba mit ihrem Hasen zu deuten.
P. Revellio weist nun darauf hin, daß die drei Köpfe aufgeblasene Backen
haben und möchte sie deshalb unter Hinweis auf die beiden Grabsteine GernuRom. III
Taf. XXVII 3 und XXXI 2 als Windgötter deuten. Es scheint mir aber zweifelhaft,
ob man bei der geringen Kunstfertigkeit des Bildhauers und bei dem schlechten Er-
haltungszustand darauf eine Deutung stützen darf. Wer gewöhnt ist, zur Erklärung
auch der auf unserem heimischen Boden gefundenen Bildwerke von der klassischen
griechisch-römischen Kunst auszugehen, für den bietet sich, um solche isoliert dar-
gestellten Köpfe zu erklären, allerdings zunächst kaum etwas anderes dar als die
Windgötter. In unserer Landschaft sind diese besonders an den Mithrasdenkmälern
recht häufig und — meistens Wohl von dieser Religion beeinflußt - gelegentlich auch
sonst vertreten. Wenn nun noch der Anschein von „aufgeblasenen Backen" hinzu-
zukommt, gewinnt diese Deutung auch eine gewisse Wahrscheinlichkeit.
Wenn man aber grundsätzlich davon ausgeht, in allem Abweichenden zunächst
etwas Einheimisches zu erkennen und die Erklärung möglichst durch Vergleichung
mit gesichert Einheimischem sucht, kommt man auf ganz andere Wege der Interpre-
tation, von denen ich aber glaube, daß sie sicherer zum Richtigen führen als das
Suchen nach rein römischen Parallelen. Das Gegebene sind hier die einheimischen
1 Germania 1, 1917 S. 4 ff.
2 Haug-Sixt, Inschr. u. Bildwerke Württembergs 2, 1914 Rr. 137, 210, 246, 356,
536 und 537: ttsperandieu, Oermanie Romaine Rr. 345 und 719.
 
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