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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0020

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mann an den vereinigten Sammlungen des damals Großherzoglichen Hofanti-
quariums und des Mannheimer Altertumsvereins, ab 1922 dem Städtischen
Schloßmuseum und seit 1926 als Abteilungsleiter der Antikenabteilung und der
Ur- und Frühgeschichte wirkte. 1922 zum amtlichen Pfleger für die Ur- und
Frühgeschichte des Stadt- und Landkreises Mannheim ernannt, gehörte er seit
1923 dem vom Badischen Kultusministerium gegründeten Ausschuß für Ur-
und Frühgeschichte an, dem späteren Badischen Denkmalrat. 1922 erfolgte
seine Ernennung zum korrespondierenden und 1927 zum ordentlichen Mitglied
des Deutschen Archäologischen Instituts. 1926 nahm H. Gropengießer die Neu-
aufstellung der von ihm betreuten Abteilung des Mannheimer Schloßmuseums
vor. Kurz vor Kriegsbeginn sollte ihm durch Beurlaubung vom Schuldienst die
Möglichkeit gegeben werden, seine in einem Menschenalter erworbenen reichen
Kenntnisse und Forschungsergebnisse besonders für die Altertumskunde und Ge-
schichte des ihm zur Heimat gewordenen unteren Neckarlandes zu bearbeiten
und zu veröffentlichen. Der durch den Krieg bedingte Mangel an jüngeren
Lehrkräften zwang ihn jedoch, nicht nur bis zum Kriegsende im Schuldienst
zu verbleiben, vielmehr brachte der Kriegsausgang darüber hinaus durch die
Übernahme der Direktion seines Gymnasiums weitere und besondere Be-
lastungen. Diese übermäßige Beanspruchung seiner geistigen wie physischen
Kräfte zehrte sichtbar an seiner Gesundheit. Sein ganzes Leben hindurch nie
ernsthaft krank gewesen, war er davon durchdrungen, seine begonnenen Ar-
beiten, zu denen er in Jahrzehnten das Material großenteils selbst ausgegraben
und gesammelt hatte, in abschließenden Veröffentlichungen zugänglich zu
machen. Sein plötzlicher Tod hat diese Hoffnung unerfüllt gelassen.
Schon während seiner Heidelberger Jahre unter v. Duhn fand H. Gropengießer
Anregungen und Hinweise auf archäologisch-historische Fragestellungen. So
setzte er erfolgreich die unter Baumann wirksam gewordene Tradition der
Erforschung der näheren Umgebung Mannheims besonders in römischer und
frühgeschichtlicher Zeit fort. 1908 begann er mit eigenen Untersuchungen in
Ladenburg, die er 1922 in größerem Stile fortsetzte und nach 1941 während
des Krieges entscheidend fördern konnte. Das Kastell, die römische Stadt, die
Basilika, die frühmittelalterlichen Stadterweiterungen, ihre alten Kirchen,
Adelshöfe und Bürgerhäuser, eine lückenlose Stadtgeschichte aus Bodenurkun-
den und Baudenkmälern erschloß sich demjenigen, der unter seiner Führung
das heutige Städtchen durchwanderte.
Eine Fülle urgeschichtlicher Neufunde und Grabungsergebnisse wurde dank
seiner vorbildlichen Organisation 1933/34 beim Bau der Reichsautobahn auf
Mannheimer Boden gewonnen, darunter das swebische Dorf von Seckenheim
— ein wissenschaftliches Objekt erster Ordnung. Seit seinen ersten Ausgrabun-
gen in Ladenburg gehörte die Erforschung der karolingischen Kulturreste
seines Arbeitsgebietes und ihre Eingliederung in die Handels- und Wirtschafts-
geschichte des Karolingerreiches zu seinen Hauptinteressensgebieten. 1937/38
war es ihm vergönnt, das im Mittelalter abgegangene karolingische Dorf
Hermsheim bei Seckenheim zu finden und auszugraben.
Mit besonderer Liebe aber trieb er seine Studien zur Frage der frühesten
germanischen Besiedlung des unteren Neckarlandes in römischer Zeit durch die
Neckarsweben. Die Dorfanlage unter den Dünen von Seckenheim machte die
schon seit dem 18. Jahrhundert beobachteten Grabfunde historisch lebendig,
und es wäre selbst für den Fachkollegen reizvoll gewesen, seinen aus den Er-
 
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