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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0022

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18

Nachrufe

Ferdinand Hasenfratz (1858—1943)
Am 1. Mai 1943 ist im Alter von 85 Jahren Altratschreiber Ferdinand Ha-
senfratz in Untereggingen, Ldkrs. Waldshut, gestorben. Mit ihm ist wieder
einer jener seltenen Menschen aus dem Leben geschieden, die es, dank ihrer
warmen Heimatliebe und ihrem vielseitigen Interesse schon lange vor dem
Auftreten einer planmäßigen Denkmalpflege als eine Selbstverständlichkeit
empfunden haben, zufällig auftretende Funde zu bergen und aufzubewahren.
Es wird einmal ein besonders reizvolles Kapitel in der Geschichte unseres
Faches sein, diesen Männern nachzuspüren und ihre Verdienste um die Ur-
und Frühgeschichte zu würdigen.
In Oberbaden ist nach Georg Sulger und Alexander Württenberger nun auch
Ferdinand Hasenfratz von uns gegangen. 1858 in Untereggingen geboren,
wurde er schon bald durch seine schriftstellerischen Neigungen bekannt. Er
verfaßte zahlreiche Heimatspiele und schrieb mundartliche Gedichte voll köst-
lichen, echt alemannischen Humors. Als vielseitigem Mann lag ihm aber auch
an den Bodenfunden seiner engeren Heimat, deren Bedeutung er sofort er-
kannt hatte. 1892 meldete er die römerzeitliche Villa im Ehrental bei Unter-
eggingen sowie alamannische Steinplattengräber bei der Kapelle oberhalb des
Dorfes. Als 1908 weitere 30 Gräber dort zum Vorschein kamen, war er für
deren Beobachtung, sachgemäße Bergung und Aufbewahrung der Funde be-
sorgt. In emsiger Sammelarbeit verwandelte er sein Haus in ein richtiges
Heimatmuseum, das bald weithin bekannt und von zahlreichen Heimatfreunden
aufgesucht wurde. Mit den Schleitheimer Altertumsfreunden hielt Hasenfratz
enge Verbindung, und der damalige badische Landesgeologe Dr. Schalch war in
seinem Hause ein oft und gern gesehener Gast. Aufgeschlossen für alles Schöne
und tief erfüllt von der geschichtlichen Vergangenheit seiner Heimat blieb
Ferdinand Hasenfratz bis in sein hohes Alter innerlich jung und begeister-
ungsfähig und nahm lebhaften Anteil an den Geschicken seiner Heimat. Möch-
ten der badischen Urgeschichtsforschung noch recht viele Nachfolger seines
Schlages beschieden sein!

Freiburg

Georg Kraft (t)
 
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