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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0026

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Nachrufe

ersten Semester folgte er einem Ruf des Instituts für Ur- und Frühgeschichte
zur Ausgrabung des alamannischen Gräberfeldes von Mengen. Damit waren
die Würfel gefallen. Sofort zeigte sich seine auffallend praktische Begabung, die
ihm gerade auf dem Gebiet der Denkmalpflege außerordentlich zustatten kam.
Peinlichste Sorgfalt verbunden mit fruchtbarer Phantasie, aber auch unerbitt-
liche Ehrlichkeit und schärfste Kritik bei der Deutung von Bodenfunden
zeichneten schon seine ersten Geländearbeiten aus.
Bewegte sich seine Tätigkeit zunächst im Raume der oberbadischen Denkmal-
pflege — die mustergültige Untersuchung des großen Hügels von Schlatt ist
im wesentlichen sein Werk —, so brachte die Fühlungnahme mit der Römisch-
Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts bald auch
die Beteiligung an großen außerdeutschen Unternehmungen. Gerhard Bersu
hatte mit sicherem Blick die besondere Begabung Rests erkannt, und unter
der klugen Leitung dieses seines Lehrmeisters reifte er bald zu einem unserer
besten deutschen Ausgräber heran. 1934/35 war Rest an der schweizerisch-
deutschen Gemeinschafts- und Lehrgrabung auf dem Wittnauer Horn im Frick-
tal, Kanton Aargau, 1936/37 an der deutsch-bulgarischen Unternehmung auf
der Gotenfestung Sadowetz maßgeblich beteiligt.
Bei der Fülle solcher Tätigkeit schien seine wissenschaftliche Ausbildung an-
fangs zu kurz zu kommen. Es kostete einige Mühe, ihn, den bodenverwur-
zelten Alemannen an das Marburger vorgeschichtliche Seminar zu bringen, wo
er dann unter der Leitung G. v. Merharts auch das theoretische Rüstzeug
empfing, das zur Erlangung der Doktorwürde erforderlich war. Hier erwarb er
sich den notwendigen Überblick über die großen Zusammenhänge, hier er-
wachte unter dem unmittelbaren Eindruck der Vorlesungen seines über alles
verehrten Lehrers sein Interesse an hallstattzeitlichen Problemen und der
Wunsch, den überreichen oberbadischen Fundstoff als Dissertation zu bearbei-
ten. Diese Aufgabe, von Georg Kraft lebhaft unterstützt und gefördert, war
ungemein schwierig und umfangreich; lagen doch außer meist veralteten Gra-
bungsberichten keinerlei neuere Bearbeitungen vor, auf die man sich hätte
stützen können.
Noch vor seinem Examen wurde Walter Rest als Nachfolger des nach München
berufenen K. H. Wagner am 1. Mai 1938 als stellvertretender staatlicher Ver-
trauensmann für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer für den Regierungs-
bezirk Koblenz nach Bonn berufen. Es gab keinen Besseren, dem man die
Verantwortung für eines der reichsten mitteleuropäischen Fundgebiete, des
Neuwieder Beckens, hätte anvertrauen können. Hier hat Rest unter Einsatz
seiner ganzen Kraft eine einzigartige organisatorische Leistung vollbracht und
der ur- und frühgeschichtlichen Forschung unvergängliche Dienste erwiesen.
An zahllosen Stellen hat er hier, oft buchstäblich unter der Drohung des Greif-
baggers, Gräberfelder und Siedlungen freigelegt und trotz aller zeitlichen Be-
drängnis mit wahrhaft souveräner Meisterschaft geborgen. Immer waren er
und seine getreuen Helfer im rechten Augenblick zur Stelle, gleichgültig, ob
es sich um die Trasse der Reichsautobahn, um eine durch militärische Bau-
arbeiten bedingte Rodung oder um eine der zahllosen Bimsgruben handelte,
die das Gelände bis zu 10 m tiefer legten. Die Rettung der Gräberfelder von
Bassenheim und Bell, von Miesenheim, Kärlich und Rübenach, ferner Unter-
suchungen in dem bekannten Urmitzer Erdwerk sind, um nur einiges aus der
Überfülle herauszugreifen, sein Werk.
 
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