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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0027

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Daneben hat Rest noch immer Zeit gefunden, die notwendigen Veröffentlichun-
gen vorzubereiten, in denen der Fundstoff knapp, aber ausreichend vorgelegt
wurde. Die Jahresberichte der Bonner Jahrbücher von 1940/41 sowie der erste
Nachkriegsband von 1948 legen von dieser Tätigkeit beredtes Zeugnis ab. Als
gleichzeitiger Betreuer der Kreismuseen von Koblenz und Neuwied führte Rest
auch die Neuaufstellung von Koblenz durch, eine keineswegs leichte Aufgabe,
die er aber mit unbekümmerter Frische anpackte und in glücklicher Weise
löste.
Im Drange solcher Arbeiten hatte er die Vorbereitung auf sein Doktorexamen
fast vergessen. Am 17. Februar 1939 wurde auch dieses in Freiburg bestanden.
Am 2. Oktober 1939 erfolgte seine Ernennung zum stellvertretenden staatlichen
Vertrauensmann für die Regierungsbezirke Aachen, Düsseldorf, Köln (mit Aus-
nahme des Stadtgebietes) und Koblenz, eine gewaltige Aufgabe, an deren Lö-
sung ihn dann freilich der Krieg hinderte. Am 3. November 1939 vertauschte
er sein Zivil mit dem grauen Rock des Soldaten.
So schmerzlich der Abbruch seiner beruflichen Arbeiten und Pläne für Walter
Rest sein mochte, so selbstverständlich leistete er dem Ruf des geliebten Va-
terlandes Folge. Nach seiner Teilnahme am Feldzug in Norwegen und einem
kurzen Arbeitsurlaub war er vorübergehend mit seinem Freunde Zink als
Kriegsgeologe auf dem Balkan eingesetzt, meldete sich aber nach Abschluß
dieser Arbeiten sofort wieder an die Front. Schon beim ersten Einsatz setzte
eine russische Kugel seinem Leben ein Ziel.
Mit Walter Rest verliert die südwestdeutsche Urgeschichtsforschung einen ihrer
Besten. Über den rein fachlichen Verlust hinaus trauern um ihn nicht nur zahl-
reiche Freunde und Fachgenossen, sondern auch weite Bevölkerungskreise,
denen Rest in seiner lebendigen natürlichen Art Verständnis und Freude an
den Fragen der Heimatforschung vermittelt hat. In einem wissenschaftlichen
Vermächtnis, das er am Vorabend seines Todes schrieb, vertraute er die Druck-
legung seiner großen Hallstattarbeit einem ihm nahestehenden Kollegenkreis
an. Dank der Unterstützung der Römisch-Germanischen Kommission konnten
die Vorarbeiten für die Drucklegung schon weitgehend gefördert werden. Mit
dem Erscheinen dieses für die oberrheinische Urgeschichte unentbehrlichen
Quellenwerkes, das wichtige Unterlagen zu einem besonders bedeutsamen Sta-
dium südwestdeutscher Volkwerdung beisteuern wird, wird auch Walter Rest
wieder in seine alte Heimat zurückkehren, die stets dankbar seiner gedenken
wird.

Freiburg

Wolfgang Kimmig
 
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