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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0029

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in den Bann der Urgeschichte gezogen. Entscheidend für seine weitere Ent-
wicklung wurde jedoch der Übergang an die Universität Marburg, wo er unter
G. v. Merharts strenger, sachlicher und in die Weite weisender Führung end-
gültig der Urgeschichte gewonnen wurde. Nach Zwischensemestern in Kiel,
Berlin, Wien und Innsbruck kehrte er nach Marburg zurück, wo er im De-
zember 1934 mit einer Arbeit über die Urnenfriedhöfe Nordtirols promovierte
(erschienen 1943 als Bd. 15 der Römisch-Germanischen Forschungen). Neben
der wissenschaftlichen Ausbildung gehörte K. H. Wagners ganze Liebe der
praktischen Geländearbeit. In den langen Hochschulferien arbeitete er bei der
Archäologischen Landesaufnahme Schleswig-Holsteins in Kiel, nahm an Gra-
bungen der Römisch-Germanischen Kommission unter G. Bersus Leitung in
Feistritz (Kärnten) und auf dem Goldberg bei Nördlingen teil, außerdem in der
Schweiz und in Ungarn.
Zu ersten selbständigen Unternehmungen kam K. H. Wagner in Oberbaden,
wohin, angezogen von G. Krafts rühriger denkmalpflegerischer Tätigkeit, zu
Beginn der dreißiger Jahre gar mancher Marburger zu ziehen pflegte. So
führte er 1932/33 mit besonderer Umsicht die große Grabung in der Urnen-
feldersiedlung auf dem Burkheimer Burgberg durch, zu der ein freiwilliger
studentischer Arbeitsdienst zusammengestellt war, den K. H. Wagner nicht nur
bei der Arbeit, sondern auch in der Freizeit mit Lust und Liebe lenkte (Vor-
bericht Bad. Fundber. III, 1933—36, 39 ff.). 1934 leitete er während einiger
Herbstmonate die laufende Grabung in dem großen Alamannengräberfeld von
Mengen (Bad. Fundber. III, 1933—36, 383), eine kurze Grabhügeluntersuchung
bei Niedereggenen (Bad. Fundber. III, 1933—36, 370) und vor allem eine erste
Untersuchung in der Michelsberger Höhensiedlung bei Munzingen am Tuni-
berg. So hat K. H. Wagner auch in der badischen Denkmalpflege seinen festen
Platz.
Den jungen Doktor rief am 1. 4. 1935 nach vorübergehender Beschäftigung in
Marburg, Köln und München das Rheinische Landesmuseum in Bonn, wo er
als stellvertretender Vertrauensmann für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer
im Bezirk Koblenz den im großen Stil betriebenen Bimsabbau des Neuwieder
Beckens überwachte. Zahlreiche kurze Berichte in den Jahresberichten der
Bonner Jahrbücher 1935—1937 zeugen von seiner organisatorisch wie grabungs-
technisch gleich mustergültigen Arbeit. Daneben betrieb er die Neuaufstellung
und karthotekmäßige Erfassung der Heimatmuseen Koblenz und Neuwied und
sorgte für die immer wieder notwendige Aufklärung der Öffentlichkeit, ins-
besondere der Lehrerschaft. Nicht vergessen werden darf auch seine große
Plangrabung auf dem Dommelsberg bei Koblenz, die wichtige Erkenntnisse
für den Ablauf der rheinischen Urgeschichte erbrachte und ihn gleichzeitig als
Meister der Ausgrabungstechnik erwies. Unvergleichlich war sein Geschick,
kleine Notgrabungen sinnvoll auszuweiten, so etwa die Untersuchung im
steinzeitlichen Urmitzer Erdwerk (Bonn. Jahrb. 143/44, 1939, 358 ff.) oder im
Frankendorf von Gladbach bei Neuwied, dem ersten seiner Art überhaupt
(Germania 22, 1938, 180 ff.).
Die rheinische Leistung brachte K. IT. Wagner am 1. 12. 1937 den Ruf nach
München ein, wo er am 1. 11. 1939 beamteter Konservator am Landesamt für
Denkmalpflege wurde. Auch hier wieder bewies er den sicheren Blick in der
Erfassung wesentlicher Aufgaben, nutzte er zufällige Rettungsgrabungen, um
 
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