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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0091

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Neufunde der frühen Urnenfelderzeit aus Baden

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Die in Erzingen und Pfullendorf auftretenden Bronzen ergänzen die bisher ge-
wonnenen Erkenntnisse. Sie verraten, daß wir uns im Streuungsbereich von
Werkstätten befinden, die Mohnkopfnadeln und deren Derivate, „alte“ Griff-
zungenmesser und schwergerippte Armringe geliefert haben. Diese Werkstätten
überschneiden sich in der Richtung ihres Liefergebietes, wie der Streuungs-
bereich der Funde zeigt.
Die beiden Erzinger Nadeln (Abb. 9, 3—4; Taf. 20, oben) gehören nach Schaft-
verzierung und Kopfbildung zur Gruppe der Mohnkopfnadeln 14) Der Typus als
solcher ist selten. Er kann nur als eine neue Variante der Grundform angesehen
werden und wäre stilistisch etwa neben Stücke wie Thalheim, Kt. Zürich oder
Wolfganzen, Arr. Colmar, zu stellen15). Gemeinsam ist allen Varianten die
charakteristische Schaftrippung mit Zwischenkerbung.
Die breiten D-förmigen Armringe mit durchlaufender schwerer Rippung und
glatten Stollenenden (Abb. 9, 1—2; Taf. 20, oben) gehören zu einer Werkstatt, die
vor allem im Raume östlich des Schwarzwaldes gearbeitet haben muß16). Als
Variante dieser Form ist wahrscheinlich die mit ausgespartem Mitteloval an-
zusehen, wie sie etwa in der Riegsseegruppe erscheint. Für die Grundform we-
sentlich dürfte die Breite sein, die bandartig wirkt. Im Gegensatz dazu schätzt
man im Oberrheintal rundstabige Typen, im tirolisch - niederösterreichischen
Bereich 17) hoch D-förmige Stücke mit die Stollen einbeziehender Rippung. Ge-
meinsam ist allen Formen der barock anmutende Rippenstil.
Das Erzinger Messer (Taf. 17, 4) gehört eindeutig zur Schicht der Neubildungen.
Es ist in unseren Funden das einzige Stück, das zwar ebenfalls einer lokalen,
wohl oberrheinischen Werkstatt entstammt, seine Anregung jedoch jenem öst-
lichen Kulturstrom verdankt18). Der Typus wirkt recht altertümlich, die aufge-
bogene „Nase“ der Klingenspitze läßt sich in dieser Zeit gelegentlich beobach-
ten. Nicht gerade häufig ist die beweglich aufgeschobene Platte, die bei dem
Fehlen eines entsprechenden Absatzes ein Durchrutschen des Griffes verhüten
sollte. Beachtenswert ist das Schraubengewinde des Nietes. H. Mötefindt, der
sich mit der Geschichte der Schraube beschäftigt hat, möchte diese erst in pro-
vinzialrömischer Zeit entstanden wissen19). „Schrauben scheinen der eigent-
lichen klassischen Zeit überhaupt unbekannt zu sein“. Ihre Hauptverwendung
scheint erst in merowingischer Zeit zu liegen. Der kleine imscheinbare Niet an
unserem Messer, der in einen organischen Griff von Horn oder Holz geschraubt
war, verlegt nunmehr diese wichtige technische Erfindung um rund 1000 Jahre
zurück.
Die in Pfullendorf gefundenen, kleinen Stücke aus dünnem Blattgold in Preß-
technik (Taf. 19, 5) gehören ohne Zweifel einem sogenannten Diadem an. Ver-
gleicht man etwa die Einzelheiten der Diademe von Binningen und Paseka

*4) Bad. Fundber. 17, 1941—1947, 150 ff. mit Liste und Verbreitungskarte.
15) Thalheim: Anz. Schweiz. Altertumskde. 29, 1927, 79 Abb. 6. — Wolfganzen: Bad.
Fundber. 17, 1941—1947, Taf. 55, 1.
1«) Bad. Fundber. 17, 1941—1947, 154 ff.
17) K. H. Wagner, Nordtiroler Umenfelder (1943) 31 mit Liste 151 und Verbreitungs-
karte Taf. 44, C.
is) Bad. Fundber. 17, 1941—1947, 156 ff.
1*) Bonn. Jahrb. 123, 1916, 151 ff.; ders. Studien z. vorgesch. Archäologie (Götzefestschr.
1925) 159 ff.
 
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