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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0096

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92

W. Kimmij

Recht auch auf die Bronzebesatzscheiben aus Schweizer Pfahlbauten, sowie auf
die geschnittenen Hornarbeiten hingewiesen, die bis nach Italien und bis nach
Ungarn streuen und die generell natürlich dem gleichen Formenkreis entstam-
men müssen. In diesem Zusammenhang wären auch die sogenannten „goldenen
Hüte“ anzuführen, die gleichfalls westmitteleuropäischen Werkstätten entstam-
men werden 42).
Goldarbeiten im Diademstil treten im Westen schon in der Spätphase der Hü-
gelgräberkultur auf. Die Goldscheibe von Combe-Bernard bei Magny-Lambert
(Cöte d’Or) liegt in einem Inventar, das man dem Ende von Reinecke C zuweisen
möchte43). Die in reinem Diademstil gearbeitete Schale von Rongeres (Allier)
(RL. 4, 1, Taf. 57 e) wird von O. Menghin (a. a. O. 184) gleichfalls der Hügel-
gräberzeit zugewiesen. Mehr noch wie das Armband mit Spiralenden datiert
vor allem die Form der Schale selbst, die völlig den spätbronzezeitlichen Ton-
schalen der Hügelgräberkultur entspricht44). Die gleichfalls zum Kerbleisten-
stil gehörenden nordischen Goldschalen von Gönnebeck und Langendorf (O.
Menghin a. a. O. 188, Taf. 32, 1. 2) müssen nach ihrer Form hier ebenfalls ein-
gereiht werden. Ihre von Menghin betonte Verwandtschaft mit der Zier irischer
Tonschalen bleibt unbestritten, auch wenn deren exakte Datierung noch offen
steht, und auch die Form eine andere ist (randlos!).
Die Diademe von Binningen, Pfullendorf und Rixheim gehören in die Phase
der Auseinandersetzung zwischen später Hügelgräberkultur und eindringenden
Urnenfeldern. Paseka ist undatiert, Theil schwer einzureihen45), wird jedoch
wahrscheinlich der älteren Urnenfelderkultur zugerechnet werden müssen. In
die gleiche Zeit (Hallstatt A) weist Petterweil.
Die Goldscheibe von Mühlau gehört zum älteren Bestand der Tiroler Urnen-
gräber 46). Sie wird etwa zeitgleich mit den Diademen von Binningen und Pful-
lendorf sein. Die Scheiben von Worms sind entgegen A. Mozsolics (a. a. O. 16)
undatiert47). Nach Technik und Zier gehören sie so eng mit Velem zusammen,
daß man an eine gemeinsame Werkstatt denken möchte. Für die zeitliche Stel-
lung der Bronzeschale von Haltingen, des Hagenauer Henkelkruges und der
Mohnkopfnadeln gilt das gleiche wie für die Diademe von Binningen und Pful-
lendorf.
Unser westlicher Diademstil hat aber auch die jüngere Urnenfelderzeit fast un-
verändert erlebt. Die Diademe und Scheiben von Velem, sowie das Diadem vom
Sag-Berg sind von A. Mozsolics mit Recht der jüngeren Urnenfelderzeit (Hall-

42) Schilferstadt, Pfalz: F. Sprater, Urgesch. d. Pfalz 90 Abb. 92. — Aventon (Vienne):
J. Dechelette, Manuel d’Archeologie 2 (1924), 363 Abb. 144.
43) J. Dechelette, Manuel 2, 151 Abb. 46, 1.
44) Vgl. etwa Hagenau (F. A. Schaeffer a. a. O. Taf. 10, A. H. N. O. S. T; 14, 20—31;
15, 19—20. 22—24.
45) G. v. Merhart, Zu den ersten Metallhelmen Europas (Ber. Röm.-Germ. Komm. 30,
1941, 26).
46) G. v. Merhart in Schumacherfestschr. 118. — K. H. Wagner, Nordtiroler Umenfel-
der (Röm.-Germ. Forschungen 15, 1943).
47) Vgl. dazu die Bemerkungen von F. Kutsch bei Jakob-Friesen in IPEK a. a. O. 37,
Anm. 1.
 
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