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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0126

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H. Stoll

funde aus den mehr zufällig angeschnittenen Gräberfeldern bei den andern
-hausen-Orten. Von vornherein ist dabei zu bemerken, daß in keinem der-
selben bis jetzt frühere Grabbeigaben als des 7. Jahrhunderts gefunden wur-
den, außer in dem einen Sonderfall von Anhausen (Gemarkung Boiheim),
Ldkrs. Heidenheim a. d. Brenz. Von dort ist ein Frauengrab mit reichen Bei-
gaben des 6. Jahrhunderts bekannt. Der Fall ist aber völlig vereinzelt und
zudem die Siedlungslage nicht ganz klar (das betr. Gräberfeld könnte auch zu
Boiheim selbst gehören), so daß er für die Datierung der übrigen -hausen-
Orte keine Bedeutung hat. Alle übrigen oben angeführten Grabfunde gehören
dem 7. Jahrhundert an, mit dem Schwergewicht in der 2. Hälfte des 7. Jahr-
hunderts, wobei einzelne noch ins frühe 8. Jahrhundert hinüberreichen können.
Die Grenze zwischen 7. und 8. Jahrhundert läßt sich ja leider im archäologi-
schen Fundmaterial immer noch nicht scharf genug ziehen. Die Ähnlichkeit in
der Bauart mancher Steinplattengräber bei -hausen-Orten mit den durch Bei-
gaben auf das frühe 8. Jahrhundert bestimmten Gräbern von Grimmeishofen,
Ldkrs. Waldshut oder Brombach, Ldkrs. Lörrach25), verweist das Ende dieser
Gräberfelder eher auf das 1. Drittel des 8. Jahrhunderts als in die Zeit um
700. Reiche Gräber des 7. Jahrhunderts kamen im Gräberfeld von Pliezhausen,
Ldkrs. Tübingen, zutage (1052 genannt Plidolfishusen). Die einfachen, unver-
zierten Goldblattkreuze erlauben keine genauere Datierung als 7. Jahrhundert.
Die bekannte Goldbrakteatenfibel mit Darstellung eines über einen gefallenen
Gegner wegsprengenden Reiters hat H. Zeiß kürzlich als eigenständiges ger-
manisches Kunstwerk erklärt und mit den Darstellungen auf dem Helm von
Vendel und auf der Schwertscheide von Gutenstein in unmittelbaren Vergleich
gesetzt26). Die stilistische Einordnung läßt den Brakteaten von Pliezhausen
zeitlich eher in der 2. als in der 1. Hälfte des 7. Jahrhunderts unterbringen.
Die Funde aus den übrigen Gräberfeldern, soweit sie überhaupt datierbare
Beigaben enthielten, gehören eindeutig zur spätesten Gruppe merowingischer
Altertümer, zu J. Werners Gruppe V, die er auf die 2. Hälfte des 7. Jahr-
hunderts festlegte 2‘). Bezeichnend dafür sind vor allem silbertauschierte
eiserne Beschläge mit Verzierungen in spätem Tierstil II (nach B. Salin)
und Bandgeflecht, dann ebenso verzierte bronzene Schnallenbeschläge und
Saxscheidenknöpfe sowie bronzene Brakteatenfibeln, meist in Preßmodel-
technik hergestellt28). Letztere sind in der von E. Wahle herausgestellten
Gruppe spätmerowingischer Gräberfelder häufig29). In den großen, gut
untersuchten Gräberfeldern wie Mengen (Ldkrs. Freiburg) und Hailfingen I
liegen die genannten Beigaben in den äußersten, jüngsten Gräbergruppen.
Goldene Brakteatenfibeln kamen im Gräberfeld von Pliezhausen zutage, solche
aus Bronze in Neuhausen a. d. Fildern, Zazenhausen und Berghausen, Ldkrs.
Karlsruhe. Daran schließt sich zeitlich die silbertauschierte eiserne Rundfibel
von Hausen a. d. Murr gut an30). Silbertauschierte Schnallenbeschläge wurden
25) H. Stoll, Das alamannische Gräberfeld von Grimmeishofen, Ldkrs. Waldshut,
Bad. Fundber. 17, 1941—1947, 196 ff. und E. Wagner, Fundstätten 1 (1908), 149 f.
26) H. Zeiß, Das Heilsbild in der germanischen Kunst des frühen Mittelalters.
Sitzungsber. Bayr. Akad. d. Wissensch. 1941, II, 8, 34 f.
27) J. Werner a. a. O. 59 ff. Taf. 29—36.
28) Zur Datierung vergl. L. Hussong, Preßmodel und gleichgemusterte Fibeln der
späten Merowingerzeit aus dem Rheinlande. Germania 21, 1937, 39 ff. mit Abb.
29) E. Wahle, Der merowingerzeitliche Friedhof „unterm Eichelweg“ bei Wiesloch,
Neue Heidelberger Jahrb. 1927, 119 ff.
30) W. Veeck, Alamannen a. a. O., Taf. 56, A 6.
 
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