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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0155

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Eine Dorfanlage des frühen Mittelalters bei Merdingen

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größeren Kieswacken, die in eine vorher aufgetragene Lehmschicht von ca.
5 cm Dicke eingebettet sind. Da dieses Pflaster die Hütten 56 und 53 überdeckt,
fällt es zeitlich in den jüngeren Teil der Merdinger Siedlung.
Gräben und Rinnen gehören überall zum Bestand einer ur- und früh-
geschichtlichen Siedlung. Ein Blick auf den Plan der vollständig untersuchten
Fläche gibt deren viele zu erkennen. Eine Deutung ist, soweit möglich, bei der
Befundbeschreibung der wichtigeren versucht worden (s. u.).
Unregelmäßige Gruben sind ebenfalls unten z. T. beschrieben wor-
den (35 b, 36 c und 45 c). Auffällig ist ihre Häufung besonders1 in der Nordhälfte
gegen den Westrand der ausgegrabenen Fläche (Plan). Ebenso wie bei vielen
der verstreut liegenden Pfostenlöcher ist es unmöglich, alle die kleinen Gru-
ben und Löcher in der Nähe der Grubenhäuser zu deuten. Mehrfach wurden
in der Nähe von Hütten fast kreisrunde bis 0,8 m tiefe Gruben von 0,8 bis zu
1,5 m Durchmesser angetroffen, die meisten von ihnen, so 15 b, 15 c, 18 b, 34 d,
35 b und 35 c enthielten an der Oberkante teilweise gestörte Steinsetzungen.
Die Größe dieser Gruben macht eine Verwendung als Pfostengruben unwahr-
scheinlich.
Wege und Straßen konnten nirgends beobachtet werden, doch darf wohl
angenommen werden, daß solche vorhanden waren. Die Vermutung liegt nahe,
daß bescheidene Straßenkörper oder Schüttungen nicht wesentlich unter das
alte Wohnniveau (0,3 m) herunterreichten und ihre Reste mit der Humus-
schicht (0,4—0,5 m) entfernt wurden. Der die untersuchte Fläche schneidende
Feldweg ist jüngeren Datums, frühestens spätmittelalterlich. Er hat u. a. den
Brunnen 57 a und die Hütte 58 gestört bzw. angeschnitten.
Der Friedhof. Von einem kleinen Friedhof (Fundstelle 1) in der NW-Ecke
der Siedlung (Plan) wurden insgesamt neun geostete, dichtgereihte Gräber
untersucht. Sie lagen in 0,5—0,65 m Tiefe und waren gut erhalten, jedoch bei-
gabenlos. Die Bestattungen lagen normal, d. h. auf dem Rücken, die Hände
entlang der Oberschenkel. Grab 1 war bei Anlage von Grab 2 angeschnitten;
die fehlenden Langknochen der Beine lagen über Grab 2. Grab 4 wurde ver-
mutlich bei den Abdeckarbeiten gestört. Grab 5 war am Fußende und Grab 7
in Kopfgegend von Grab 6 überschnitten und die angetroffenen Skeletteile in
Grab 7 wieder beigesetzt. Aus diesem Befund erhellt, daß die einzelnen Grä-
ber doch einem längeren Zeitraum, wahrscheinlich dem der Siedlung ange-
hören, die Gräber selbst aber nicht mehr deutlich zu erkennen waren. Scher-
ben aus der Einfüllung der Gräber 1 und 9 (Taf. 31, 6; 30, B 2 und! 32, 3 und 5)
datieren den Friedhof in die Zeit der Siedlung oder kurz nachher.
Die Dorfanlage. Unter Berücksichtigung der oben erschlossenen z. T.
größeren, ebenerdigen Häuser besteht kein Zweifel, daß es sich bei der Mer-
dinger Siedlung um eine ganze Dorfanlage größeren Ausmaßes handelt. Auf-
fällig ist die einheitliche Anordnung der untersuchten Grubenhäuser in meist
südwest-nordöstlicher oder südost-nordwestlicher Richtung (19, 20, 30, 44, 59
und 61). Obgleich die untersuchte Hauptfläche der Siedlung (Plan) — wie
deren Ost- und Westbegrenzung zeigt — nur einen Ausschnitt aus der ganzen
Anlage darstellt, ist deutlich erkennbar, daß die Grubenhäuser zu Gruppen und
Reihen angeordnet sind. Solche Gruppen bilden die Hütten 37—43, 60—65 und
66—70; zu ihnen gehören immer ein oder auch mehrere Brunnen und eine
 
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