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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0157

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Eine Dorfanlage des frühen Mittelalters bei Merdingen

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eine Reihe von Stangen- und Pfostenlochfüllungen von ca. 8 cm Dm. beobachtet
(Taf. 28, 24). Funde: Scherben und Tierknochen.
Hütten mit Steinfundament (Schwellbauten).
Hütte 14. Rechteckiges, wohl mit Lehmmörtel gemauertes Fundament von 0,4—0,5 m
Stärke mit den Außenmaßen 4 : 2,5 m) innen 3 : 1,5 m) aus Kalkbruchsteinen. Das
Fundament wurde in 0,35 m Tiefe angeschnitten. Die Mauer war teilweise noch
0,65 m hoch, wenn auch verstürzt, erhalten. Der Hausboden lag 1 m tief. Die Ein-
füllung bestand aus lehmiger Erde mit Holzkohlen. Funde: einige Scherben und
Tierknochen. Die Detailzeichnung ist während des Krieges verloren gegangen, so daß
auf deren Wiedergabe verzichtet werden muß (Taf. 27, 2).
Hütte 51. Diese Hütte gehört wiederum zum jüngeren Horizont der Siedlung. Sie
wurde im Nordostteil einer Grabeneinfüllung (ältere Anlage!) von 10,5 m Länge
und 1,5—2 m Breite errichtet (vgl. Profil A—B). Das stark verstürzte Trockenmauer-
fundament von außen 2,5 :2; innen 2:1m saß 0,15—0,25 m über der Grabensohle;
es bestand aus drei bis fünf Lagen von Kalksteinen. Die Eingangsseite war vermut-
lich im SW. Der Zweck dieser kleinen Anlage bleibt unklar. Auch ergeben sich keine
Beziehungen zwischen der Anlage und den Pfostenlöchern (Taf. 28, 51).
Doppelhütte 59. Die Anlage bildet fast ein Quadrat von 3,5 : 3,5 m, die durch
ihre verschiedenartige Bauweise in zwei Hälften geteilt war. Der südwestliche Teil
bestand aus einer seichten Mulde (Tiefe 0,65 m) mit drei Stirnpfosten im NW, drei
Pfosten an der SW-Seite und drei Pfosten an der SO-Seite. Der Nordostteil bestand
aus einem Rechteck, das an der südöstlichen Schmalseite und den beiden Langseiten
ursprünglich auf einem Lehmfundament (H. 5 cm) ein Troekenmäuerchen aufwies,
von welchem stellenweise zwei Steinlagen erhalten waren. Die nordwestliche Lang-
seite überdeckte zwei ältere Pfostenlochfüllungen; beide Langseiten endeten im
Nordwesten an je einem Pfosten. Das Mäuerchen der südöstlichen Schmalseite reichte
über die NO-Hälfte hinaus, bis zur Mitte des Südwestteils. In der Mitte der Süd-
ostfront lag ein größeres Pfostenloch, südwestlich von ihm ein weiteres. Teilweise
waren die Steine entfernt, ihre Spuren im Lehm jedoch noch deutlich erkennbar.
Nach den durch die Mauer überdeckten Pfostenstellungen zu schließen, wurde das
Dach der Hütte ursprünglich von den beiden mittleren Firstpfosten und je drei
Pfosten an den Langseiten (Seitenpfosten) getragen. Das jüngere Steinfundament
der NW-Hälfte läßt den Ersatz der Pfosten durch eine Holzschwelle mit eingezapf-
ten Traghölzern vermuten.
Das Innere der umsteinten NO-Hälfte enthielt im NW-Ende eine Feuerstelle (Herd?)
und entlang der Trennmauer eine Art Brandplatte, über der Brandasche lag (vgl.
Taf. 28, 59, Profil A—B). Sofern es sich nicht um eine gewerbliche Anlage handelt,
wäre an eine Aufteilung der Hütte in Wohn- und Schlaf raum zu denken. Funde:
einige Scherben und Tierknochen (Taf. 28, 59 und 27, 3).
Komplexbauten.
Hütte 47. Rechteckige Grube von 5,6 :1,7—2,1 m und 0,65 m Tiefe. Einfüllung aus-
gesprochen dunkel und auffallend steinig; zahlreiche Scherben, einige Tierknochen
und ein tönernes Webegewicht in einem Pfostenloch. Je drei Pfostenlöcher fanden
sich an den Schmalseiten der Grube (Dm. 0,2—0,3, Tiefe 0,75—0,87 m); in der Mitte
der Hütte stand ein dritter Firstpfosten. Ein weiterer Pfosten an der nordwestlichen
und zwei an der südöstlichen Längsseite. Die breitere Südwesthälfte der Grube
spricht für ein Doppelhaus, dessen Mittelpfosten der NW-Seite beim Anbau weg-
fiel. Die Pfostenlöcher um ein verschmutztes Geröllpflaster an der Südseite der
Hütte sprechen für eine Üeberdachung an der Eingangsseite (Taf. 28, 47).
Hütte 56. Von jüngerem Geröllpflaster (53 b) überlagert, — darunter 5 cm dicke
Lehmschicht — bildete die Grube nahezu ein Quadrat von 4 : 3,75 m, dessen Ost- und
Westecken ausgespart sind. In den Boden der äußeren Grube (Tiefe 0,75 m) war im
SO-Teil der Anlage eine schmälere, rechteckige Eintiefung von 3,15 : 1,5 m vorge-
nommen (Tiefe 0,9 m), deren Einfüllung ebenfalls aus verlehmtem Kies bestand und
sich gegenüber der graubraunen Gesamteinfüllung in der unteren Hälfte der Fül-
lung dunkler und fester erwies.
 
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