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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 18.1948/​1950

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https://doi.org/10.11588/diglit.42247#0310

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306

W. Kimmig

Dieser blaue Letten enthält Vivianit in Form krümeliger Blaueisenerde. In öst-
licher Richtung tritt Vivianit bald häufiger, bald seltener auf, häufig vor allem
im Bereich der Fundstellen von Tierknochen. Vivianit bildet sich bei Ein-
wirkung phosphorsäurehaltiger Lösungen auf Eisenverbindungen unter Ab-
schluß von Luftsauerstoff. Ein Teil der Phosphorsäure mag aus den tierischen
Knochen selbst stammen. Auch manche der gefundenen Eisensachen zeigen
einen Überzug von Vivianit, so der unten genannte Uhrzeiger, dessen vorzüg-
liche Erhaltung nur auf völligen Luftabschluß zurückzuführen ist.
Der blaue Letten gehört verschiedenen Zeiten an, je nachdem das Gelände Nei-
gung zur Sumpfbildung zeigte. Im Bereich des Knicks 19 liegt er unter einer
Hallstattgrube, er muß also älter sein als diese. Infolge der Überlagerung mit
verschwemmtem Löß hat hier die Versumpfung schon wesentlich früher auf-
gehört als weiter im Osten, vor allem südlich von Mengen, wo diese Über-
lagerung fehlt. Dort ist die Versumpfung, mindestens während der römischen
Zeit, den Funden nach im 1.—3. Jahrhundert n. Chr., stetig weitergegangen
und war vielleicht der unmittelbare Anlaß zur Ablagerung von Bau- und Kul-
turschutt aller Art sowie von Tierkadavern durch die weiter nördlich auf der
Mengener Brücke sitzenden Bewohner, die ihren Abfall einfach in den südlich
angrenzenden Sumpf warfen.
Südlich von Mengen enthielt auch das über dem blauen Letten liegende dunkel-
braune sandig-lehmige Material zahlreiche Schalen von Wassermollusken.
Weiter nach Südosten, vor allem nach Aufhören des „Brunnengrabens“ ver-
schwindet der blaue Letten. An seine Stelle tritt über einer gelbgrauen Lehm-
schicht schwarzer sandiger Lehm. Darüber liegt erneut brauner Lehm, dessen
tiefste Schichten im allgemeinen die Fundeinschlüsse enthielten. Darüber liegt
umgelagerter Löß, der von der „Mengener Brücke“ abgeschwemmt ist und der
je nach der Einmuldung des Geländes in seiner Mächtigkeit wechselt. Diese
Löß-Umlagerungen, die fast im gesamten Bereich des Panzergrabens zwischen
Norsingen und Munzingen zu beobachten sind, müssen z. T. noch in sehr jun-
ger Zeit erfolgt sein, wie die ganz unverhältnismäßig tief liegenden mittel-
alterlichen, ja selbst neuzeitlichen Fundschichten erkennen lassen.
An der Aushebung des Panzergrabens waren Männer, Frauen und Kinder aus
nachstehenden Orts- und Stadtteilen beteiligt:

Knick
1 —
Knick
2
Freiburg-Waldsee, Wildtal
2 —
JJ
4
Freiburg-Oberau, Gundelfingen
4
Gundelfingen
4 _
»
5
Freiburg — am Brühl

5 —
5)
8
Freiburg-Oberwiehre
»
8 —

10
Wasser, Ldkrs. Emmendingen
}f
10 —
?>
13
Freiburg-Neuburg, St. Georgen,
Mengen
5)
13 —

14
Wasser, Ldkrs. Emmendingen
))
14 —
18
Freiburg-Stühlinger, Munzingen,
Tiengen
Opfingen,
»
18 —
20
Freiburg — am Ring
 
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