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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0043

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Gräber der Urnenfelderzeit von Reichenau, Ldkrs. Konstanz

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des Durchmessers in Reichenau nicht als Deckschüssel gedient zu haben; in Hüfingen,
Grab 1, wäre das möglich, wie ja Deckschüsseln oft verziert sind. Aber als einzelne,
verzierte Schüssel unter einer ganzen Reihe von unverzierten (und [meistens] wahr-
scheinlich nicht als Deckschüssel benützt), ist dieses Auftreten z. B. in Oftersheim, Ldkrs.
Mannheim43), und Ihringen, Ldkrs. Freiburg44), belegt und erhält durch die hier an-
gezeigten Funde einen kleinen Schwerpunkt hart nordwestlich vom Bodensee. Ob
dieser Schale bei der Grablege eine besondere Rolle zugedacht war, werden nur weitere
sorgfältige Beobachtungen klären können.
6. Gräber 4—7
Grab 4: Es war das einzige Grab, in dem Körperbestattung angenommen werden kann.
Zu dem gestörten Grab 5 im Zentrum des geröllbedeckten Hügels C (Taf. 13, 2) fehlen
die Funde. Auch sichere Vergleiche zu diesem Grabtyp fehlen. Sollte es sich um eine
Variante des Typs der mannslangen Steinkisten45) handeln, die im Riegseehorizont und
in Ha A bekannt sind und uns dort etwa in Gammertingen und Wollmesheim reiche
Funde bescherten, so daß ihr Verlust in Reichenau doppelt unangenehm ist? Diese
Frage erhält vielleicht eine Antwort bei der vorausgreifenden Betrachtung der wenigen
gesicherten Befunde des Grabes 7 in Hügel D (Taf. 13, 1). Der weite, eckige, im Süden
offene Steinrahmen erinnert mit der in der Mitte gesondert gehaltenen Steinpackung
für die Bestattung an den Befund von Tiengen, Ldkrs. Waldshut46), der innerhalb der
Hügelgräberbronzezeit etwas Besonderes darstellt. Die dort bei den Nachbestattungen
3, 4 und 5 angewandte Überdeckung mit einer Schicht Geröll und Steinplatten (a. a. O.
Abb. 4, wobei Grab 5 dort am ehesten der Bronzezeitstufe C angehören dürfte) erinnert
an unsere Geröllschüttung von etwa kreisförmigem Grundriß bei Hügel C, Grab 5.
Eine Zuweisung dieses Grabes nach Bronzezeit C, D, in den Riegseehorizont oder nach
Ha A ist damit nicht beweisbar, und die Frage, ob es sich bei den Reichenauer Hügel-
gräbern C (Grab 5) und D (Grab 7) um chronologisch ältere als die Gräber 1—3 oder
um andere Grabbrauchtradition desselben Horizontes der entwickelten älteren Urnen-
felderkultur handelt, kann nur gestellt, aber nicht beantwortet werden.
Vielleicht gehört in diesen Fragenkreis auch das angeblich hügellose Grab 6, dessen
Grundrißabmessung denen von dem spätbronzezeitlichen von Steinheim, Ldkrs. Offen-
bach47), gleichen, in der Orientierung jedoch abweicht. Wichtig erscheint der Sandstein
in der NW-Ecke. Ein solcher Sandstein (von 0,43 m Länge) stand aufrecht am Kopfende
eines fast gleich (etwa N-S) orientierten, fundlosen Grabes gleicher Länge (bei der
ungleichen Vergleichsbasis: Verfärbungsgrenze — Steinrahmen kann die Breite nicht
gleichwertig verglichen werden), welches in einem etwa 10 m Dm. haltenden, 0,7 m
hohen Steinhügel im südöstlich von Reichenau, auch im Bodenseeraum gelegenen,
Winden-Egnach auf St.-Galier Gebiet lag48) und nur noch Leichenbrand und eine
43) W. Kimmig, Urnenfelderkultur, Taf. 9 G.
44) W. Kimmig, Urnenfelderkultur, Taf. 24 D.
45) Badische Fundberichte 13, 1937, 77, Abb. 4 (F. Garscha).
46) Gemania 32, 1954, 151, Abb. 3 (W. Kimmig, St. Unser), Badische Fundberichte 21, 1958, 234 ff.
47) Germania 34, 1956, 42 ff., Abb. 1 (H. J. Hundt).

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