Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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Buchbesprechungen

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Abschließend sei aber nochmals betont, daß diese Ausstellungen nicht das Wesen des Buches be-
treffen, das seine Wirkung nicht verfehlen wird, zumal es mit Photographien von einer Qualität
ausgestattet ist, daß selbst Töpfe von einer so häßlichen Primitivität wie die der Horgener Kultur
noch ein Gesicht erhalten. Eine Frage grundsätzlicher Art sei nur ganz zum Schluß noch an-
regend berührt: Könnte man nicht eine „Vorgeschichte“ in ihren Bildern ganz mit Werken des
handelnden und schaffenden Menschen bestreiten und sie von der Darstellung von Totenschädeln
befreien, zumal dem Durchschnittleser die anthropologischen Grundlagen zu ihrer Beurteilung
doch fehlen?
Freiburg i. Br. E. Sangmeister
Christian Peschek, Katalog Würzburg I, Die Funde von der Steinzeit bis zur Urnen-
felderzeit. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Abt. für Vor- und Frühgeschichte.
Materialhefte zur Bayerischen Vorgeschichte, herg. von Klaus Schwarz, Heft 12. Kall-
münz/Oberpf. 1958. 160 Seiten, 23 Abbildungen, 48 Tafeln, 8 Karten.
Die 1953 nach langer Unterbrechung wieder aufgestellte ur- und frühgeschichtliche Schausamm-
lung des Mainfränkischen Museums auf der Marienburg zu Würzburg kann auf beschränktem
Raum nur einen Ausschnitt der Fundbestände aus Unterfranken zeigen. Wer sich darüber hinaus
einen Eindruck von der ganzen Fülle des in Würzburg lagernden Materials verschaffen möchte
und zu einer maßstäblichen Vorstellung der zeitlichen und räumlichen Gewichtsverteilung vorzu-
dringen beabsichtigt, der wird mit Gewinn und Nutzen zu diesem Buch greifen.
Der in mehrjähriger entsagungsvoller Arbeit entstandene Band ist zunächst einmal ein muster-
gültiger Museumskatalog. Als solcher gibt er für jeden Fund die üblichen Inventarangaben
(Inventarnummer, Beschreibung, Maße, Literatur). Von den etwa 250 genannten Fundorten er-
scheint rund die Hälfte wieder in 23 Textabbildungen und auf 48 Tafeln, wobei allerdings das
Prinzip der Auswahl dem Leser etwas dunkel bleibt. Eine Geschichte der prähistorischen Abtei-
lung des Mainfränkischen Museums ist dem Katalog vorangestellt, wie auch jeder der fünf be-
handelten Perioden ein z. T. ausführlicher Einführungstext vorausgeht. Ein Index der Inventar-
nummern und ein Register der Orts- und Flurnamen sollen die Erschließung des Katalogs auf
verschiedenen Zugangswegen erleichtern.
In seiner ganzen Anlage überschreitet jedoch der Band weithin den Rahmen eines Museums-
katalogs, gibt er doch über die musealüblichen Inventarangaben hinaus für jeden Fund in z. T.
ausführlichen Aktenauszügen alle wissenswerten topographischen Angaben zur Fundstelle, die
Fundumstände und die Fundgeschichte und ergänzt diese Zusammenhänge auch für die im Krieg
ganz oder teilweise verlorengegangenen Funde und für die in Privatbesitz abgesprengten Teile
von Fundkomplexen.
Uber die Würzburger Museumsbestände hinaus wird der Gesamtfundbestand Unterfrankens in
sieben Fundverbreitungskarten dargestellt und in einer Fundortliste nachgewiesen. Nimmt man
dazu die auf S. 14 ff. gegebene knappe Übersicht über die naturräumlichen Voraussetzungen der
Besiedlung Unterfrankens, so bietet der Band eine kurzgefaßte Siedlungsgeschichte dieses Raumes.
Zusammen mit dem noch ausstehenden zweiten Teil des Katalogs und dem im Vorwort angekün-
digten Inventar der obertägigen Denkmäler Unterfrankens wird eine lange zu Unrecht vernach-
lässigte Fundprovinz der Forschung zugänglich werden, die zu den wichtigsten Durchgangs- und
Mittlerlandschaften zwischen Mittel- und Süddeutschland gehört. Über sie vollziehen sich ja für
die Frühgeschichte Südwestdeutschlands entscheidende Vorgänge, wie das Eindringen der Schnur-
keramik, die im vorliegenden Band sich abzeichnet, und die Zuströme germanischen Blutes seit
der älteren Kaiserzeit, die sich im zweiten Teil des Katalogs mit noch größerer Deutlichkeit
spiegeln werden. Entscheidende Förderung erfährt durch diese Arbeit besonders das badisch-
württembergische Frankenland, dessen Frühgeschichte durch fast alle Perioden mehr nach Nord-
osten als auf die klassischen Fundräume um Neckar und Rhein hin orientiert ist.
Karlsruhe A. Dauber
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