Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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Zur Besiedlungsgesdiichte im Stadtgebiet von Tauberbisdiofsheim

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Zur Besiedlungsgeschichte im Stadtgebiet von Tauberbischofsheim
(Die Funde beim Bau der Milchzentrale 1959/60)
Von Albrecht Dauber, Karlsruhe
1. Das Fundgebiet
Das badische Taubergebiet zeigt in E. Wagners Zusammenstellung 1), die mit dem Jahre
1911 abschließt, das Bild einer wenig beachteten und durchforschten Landschaft und
erweist sich noch in einer mit dem Jahr 1940 abschließenden fundstatistischen Unter-
suchung 2) als diejenige Landschaft Nordbadens, die den niedrigsten Fundindex auf-
weist. Im Gegensatz zu anderen Fundlandschaften Nordbadens, in denen die laufende
Beobachtung von Bauarbeiten die höchsten Funderträge liefert, hat hier lange Zeit
hindurch jeweils nur die planmäßige Geländeforschung zu einer Belebung der Fund-
statistik geführt.
Diese Verhältnisse haben im letzten Jahrzehnt eine entscheidende Änderung erfahren,
seit das zum Fördergebiet erklärte „Hinterland“ zunehmend Schauplatz großer und
ausgedehnter Bauarbeiten wird, die auf allen Gebieten der Bauwirtschaft, vor allem
aber im Wohnungs- und Straßenbau, zu einer hier nie zuvor erlebten Ausweitung der
Bautätigkeit führen3). In besonderem Ausmaß trifft dies auf das Gebiet der Stadt Tau-
berbischofsheim zu, die, lange Zeit auf die linke Talseite beschränkt, nunmehr sich rasch
auch auf das östliche Tauberufer ausdehnt und damit ein Fundgebiet von einzigartiger
Ergiebigkeit überwächst.
Dieses Fundgebiet ist an eine deutlich ausgeprägte Talstufe gebunden, die in etwa 100 m
Abstand das rechte Tauberufer begleitet und mit Unterbrechungen durch Einschnitte
oder vorspringende Kuppen sich kilometerlang hinzieht. Ihre günstige Lage gegenüber
Hochwasser und Talnebel und ihre vorteilhafte Südwestexposition bei weit abliegender
westlicher Talwand sowie ihre tiefgründige Bedeckung mit Lößlehm stellen ein selten
vollständiges Zusammentreffen günstiger Siedlungsvoraussetzungen dar. Deren Wir-
kung spiegelt sich in einer Siedlungskontinuität von der Steinzeit bis zur Kaiserzeit, die
durch Funde aus fast allen Perioden zu belegen ist4).

4) Ernst Wagner, Fundstätten und Funde ... im Großherzogtum Baden 2 (1911).
2) Ur- und Frühgeschichte als historische Wissenschaft (Wahle-Festschrift) 1950, 94 ff.
(A. Dauber).
3) Der neue Impuls, den die Forschung dadurch in einer wichtigen Fundlandschaft erfährt,
trifft die amtliche Bodendenkmalpflege, deren Ausbau in den vergangenen Jahren kaum
Fortschritte machen konnte, ganz unvorbereitet. Es ist deshalb ein besonderer Glücksfall,
daß gleichzeitig eine neue Generation heimatbegeisterter Helfer auf den Plan tritt. Doch
sind ihre Zahl und ihre Möglichkeiten noch immer gering im Vergleich zu den Aufgaben.
4) Bad. Fundber. 19, 1951, 156. — 20, 1956, 193. 211. 216. 220. — 21, 1958, 247.
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