Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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BuAbesprediungen

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bedeutender Prähistoriker, wie Henri Breuil, Oskar Montelius, Paul Reinecke, Bernhard Salin,
herausgearbeitet und in guten Tabellen ergänzt.
„Absolute Chronologie“ überschreibt der Verfasser sein 3. Kapitel, in dem er zeigt, wie auf dem
Weg über die ägyptische, griechische und römische Chronologie, mit Hilfe münzdatierter Reihen-
gräber und chronologischer Fixpunkte der Wikingerzeit ein historisches Gerüst zur Datierung der
heimischen Bodenaltertümer aufgebaut wurde.
Die Frage des Verhältnisses von Chronologie zur ethnischen Deutung wird im 4. Kapitel behan-
delt. Es erscheint gerade heute wichtig, hier klare Begriffe herauszuarbeiten, um dem Mißbrauch
des ethnischen Gehaltes des Fundgutes zu politisch-völkischen Vorspanndiensten zu begegnen.
Im 5. Kapitel mit der Überschrift: „Archäologische These, literarische Antithese, historische Syn-
these“ kommt es dem Verfasser darauf an, den Standort der Prähistorie aufzuzeigen. Im Sinne
Jacob-Friesens („Grundfragen der Urgeschichtsforschung“) stellt Eggers das Postulat der „Quel-
lenkritik“ neben die „Textkritik“ der Historiker. Es kommt ihm nicht auf die Zuverlässigkeit der
Quelle selbst, sondern auf die Zuverlässigkeit ihrer Überlieferung an. Damit fundiert er den
historischen Charakter der prähistorischen Forschung.
Es ist ein großes und anerkennenswertes Verdienst des Verfassers, eine Art Bestandsaufnahme in
so präziser und übersichtlicher Form geboten zu haben. Nicht nur dem Studenten und dem inter-
essierten Laien, sondern auch dem Fachmann ist mit dieser Neuerscheinung eine wertvolle Hilfe
an die Hand gegeben.
Dem Piper-Verlag gebührt besonderer Dank für Ausstattung und Aufnahme in die wissen-
schaftliche Taschenbuchreihe.
Freiburg i. Br. A. Eckerle

W. Kimmig, H. Hell, Vorzeit an Rhein und Donau. J. Thorbecke-Verlag, Lindau-
Konstanz 1958. (Das Bild in Forschung und Lehre. Band 1.) 142 Bilder, Zeichnungen
und Karten, 33 Seiten Text.
„Vorzeit an Rhein und Donau“ strebt ein zwiefaches Ziel an; es will eine Einführung geben in
die heimische Vorgeschichte und will durch Bilder das Interesse an den Bodenfunden wecken, die
Quellen zur Erforschung eben dieser Vorgeschichte sind. Es ist wohl symptomatisch für unsere
Zeit, daß man dem Bild dabei mehr Raum geben muß als dem Text, ja, daß man durch hervorra-
gende Abbildungen überhaupt erst dazu verleiten kann, einen Text zu lesen, der von etwas so
Abgelegenem wie der Vorgeschichte des eigenen Landes handelt. Bei diesem Nachgeben gegen-
über den Tendenzen der Zeit ist aber ein Buch gelungen, das sich nun selbst rechtfertigt. Dem Leser
allgemein, vor allem aber dem Lehrer, der Stoff für die Darstellung der Urgeschichte in der
Schule braucht, ist ein Werk in die Hand gegeben, das beides vermittelt: Bestes eindrucksvollstes
Anschauungsmaterial und eine Übersicht über die Vorzeit eines geschlossenen Kulturgebietes, die
trotz größter Knappheit alles Wesentliche in großen Zusammenhängen bringt und auch nicht auf
einen flüssigen, leicht eingängigen Stil verzichtet.
Es mag zunächst verwundern, daß hier zur Kennzeichnung des Bearbeitungsraumes „Rhein und
Donau“ genannt werden, aber Kimmig weist selbst auf die jedem Einsichtigen sofort einleuch-
tende Tatsache hin, daß eine Darstellung der Vorgeschichte sich nicht an moderne politische Gren-
zen halten kann. In der Urzeit gehören durchgängig beide Ufer des Hoch- und Oberrheins zum
gleichen Kulturgebiet; in gewissen Epochen bildet Südwestdeutschland mit der ganzen Schweiz
und großen Teilen Ostfrankreichs eine Einheit. Es wäre falsch gewesen, hätte man diese Zu-
sammengehörigkeit unterschlagen wollen; und so konnten zur Illustrierung auch immer wieder
Funde aus dem ganzen Raum herangezogen werden, der auf einer Karte auf der Innenseite des
vorderen Einbanddeckels durch Angabe der wichtigsten Fundstellen gut abgesteckt ist.
Text, Bilder, Verbreitungskarten und erläuternde Strichzeichnungen erlauben zusammen mit einer
knappen, aber wohl genügenden Übersicht über das wesentlichste Fachschrifttum ein rasches Ein-
arbeiten in den einen oder anderen Kulturabschnitt nach dem neuesten Stand der Forschung.
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