Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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Oberrheinische und hochrheinische Frühbronzezeitler im anthropologischen Gruppenvergleich

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Oberrheinische und hochrheinische Frühbronzezeitler
im anthropologischen Gruppenvergleich
Von Kurt Gerhardt, Freiburg i. Br.
Die schon viele Jahre währenden vorgeschichtlichen Ausgrabungen bei Singen im
Hegau, über welche bereits mehrfach informierende Berichte erschienen sind, haben
auch dem Paläanthropologen neues Material geliefert, mit dem er ältere Perspektiven
der biologischen Bevölkerungsgeschichte überprüfen, Lücken des Wissens einengen und
möglicherweise sogar schärfere Schlaglichter setzen könnte.
Da ich im Zuge meiner anthropotypologischen Glockenbecherstudien eine recht gründliche
Einsicht in die Probleme des endjungsteinzeitlichen und frühbronzezeitlichen Ge-
schehens gewonnen habe, wurde mir zunächst das frühbronzezeitliche Schädel-
und Skelettmaterial der Singener Fundkampagnen anvertraut. Ich bin Herrn Haupt-
konservator A. Eckerle in Freiburg i. Br. herzlich dankbar für diesen Auftrag, gleich-
zeitig danke ich Herrn Prof. Dr. E. Sangmeister, ebenfalls zu Freiburg i. Br., für zahl-
lose Belehrungen und Anregungen, die mir aus jedem Gespräch mit ihm zugeflossen
sind; beiden Herren gilt mein Dank auch für die große Geduld, mit der sie auf
meine Veröffentlichung gewartet haben.
Von vornherein ist mir folgendes klar gewesen: Da ich die Anthropotypologie der alt-
berühmten frühbronzezeitlichen Adlerberger einer Klärung näherbringen
konnte (1953), würden mich im Singener Problemkreis ganz bestimmte, damit zusam-
menhängende Fragen abfangen. Um den noch ausstehenden anthropologischen Mono-
graphie-Teil der großen Publikation über Singen, der alle sinnvoll zu erwähnenden Ein-
zelheiten enthalten wird, etwas zu entlasten, habe ich mich entschlossen, jetzt schon die
am Material gewonnenen wichtigsten Einsichten bekanntzugeben. Es soll dabei um
einen Vergleich zwischen Singen und Adlerberg und — vorerst nur stich-
probenartig — dem Bereich von Mannheim gehen.
Das Singener Schädel- und Skelettmaterial der Frühen Bronzezeit umfaßt Über-
reste aus 33 Gräbern; da sich zwei wahrscheinliche Doppelbestattungen (Erwachsene
mit Kleinkind) hierunter befinden, ist also das arme Gebein von 35 Individuen zu re-
gistrieren. Leider bedeutet diese Zahl keineswegs, daß sich die typologische Analyse auf
ebenso viele Zeugen stützen kann. Nicht weniger als 18 Individuen, also mehr als die
Hälfte des Materials, bieten wegen allzu spärlicher Knochenmenge oder kümmerlicher
Erhaltung der Reste keinen einzigen Anhalt für einen typendiagnostischen
Versuch. Aber von den übrigen 17 Individuen geben immerhin 13 gute Formauskünfte,
die verbleibenden 4 wenigstens den einen oder anderen Hinweis.
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