Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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Buchbesprechungen

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Cayla I „um 700 v. Chr.“ führen soll, hängt also völlig in der Luft. Wenn man Müller-Karpes
grobe Einteilungen wählt, sind wir mit Daten „um 750 v. Chr.“ schon im Bereich des Beginns von
Hallstatt C. Hallstatt-C-Funde sind nun sichtlich das Jüngste in Cayla I und Le Moulin. Hat
man daher nur die Verspätung im Auge, dann kann man sagen, daß diese Hallstatt-C-Funde erst
am Ende von Hallstatt C, also „um 600 v. Chr.“, in den Süden kamen. Man hätte dann der Aus-
breitung des süddeutschen Hallstatt C mit eisernem Hallstattschwert eine Dauer von etwa 150
Jahren zugebilligt, um sich von Süddeutschland durch die französischen Tumuli nach Südfrank-
reich durchzuarbeiten. Das scheint auch N. Sandars zu lang, doch wagt sie nur wenig vor 600
zurückzugehen. Sieht man jedoch mit dem Aufkommen der Hallstatt-C-Formen wieder einen
allgemeinen Aufbruch, gleichsam eine Emanzipation der Hügelgräbertraditionen — und so etwas
deutet die Verfasserin an —, muß man wohl auch mit einer rascheren Ausbreitung der typischen
Formen rechnen, zumal hier der neue Werkstoff Eisen seine Rolle zu spielen scheint. Dann aber
können wir mit gleichem Recht behaupten, das Ende von Cayla I müsse — nach süddeutschem
Maßstab — auf etwa 700 datiert werden. Wie lange vorher diese, eine gewisse Entwicklung
zeigende Stufe begann, bleibt offen, aber ihr Anfang in der Sassenay-Gruppe (Hallstatt A/B 1)
hat nun nicht mehr soviel Gewaltsames.
Die südlichen Funde liefern keine weiteren Ansätze für eine absolute Datierung, es sei denn, man
zöge noch einmal den frühgriechischen Skyphos heran, der zwischen Grand Bassin I und II in
gestörter Lage gefunden wurde. Er wird auf „um oder vor 650 v. Chr.“ datiert. N. Sandars
behauptet, er könne weder Grand Bassin I noch II zugewiesen werden, solle aber wegen seiner
guten Erhaltung aus einem Grab stammen. Es besteht aber kein Anlaß, ihn nun mit einem Grab
vom Typus Le Moulin zusammenzubringen. Denn der Hinweis auf eine Siedlung in der Ebene
aus der Zeit des Hiatus auf dem Cayla kann uns auch nur auf den Abschnitt Grand Bassin I
verweisen. Nimmt man den Skyphos also überhaupt zur Datierung, dann sollte man Grand Bas-
sin I damit datieren, das so ins 7. Jahrhundert gehörte. Ein Ansatz des Endes von Cayla I auf
700 v. Chr., der Stufe „Cayla I“ selbst also ins 8. Jahrhundert mit Anfängen im 9. Jahrhundert,
wäre danach weiter nicht verwunderlich, so daß wir auf ein gutes Datum von „etwas vor 900
v. Chr." für das Eintreffen des „Sassenay-spearheads“ kämen.
Es wird deutlich geworden sein, welche Fülle von Einzelbeobachtungen die Verfasserin zusammen-
getragen und verarbeiten mußte, ehe sie ein Bild von solchem Umfang zeichnen konnte. Es ist
unvermeidlich, daß dabei an vielen Stellen diskutiert werden kann, ob die von ihr getroffenen
Entscheidungen richtig waren, ob sie nicht manchmal zu rasch urteilte, wenn sie die eine Form
der Hügelgräbertradition, eine andere der Urnenfelderbewegung zuschrieb. Das soll hier nicht im
einzelnen untersucht werden. Wichtig ist, daß gezeigt wurde, welche Lücken noch zwischen den
einzelnen deutlich faßbaren Erscheinungen klaffen, wieviel an lokaler Kleinarbeit noch getan
werden muß, ehe die Konstruktion mehr als ein bloßes Gerüst ist. Man sieht auch, welche unge-
hobenen Schätze in den französischen Sammlungen ruhen und wie vieles der Boden noch bergen
mag. Auf lange Zeit wird man dies Buch als Ausgangsbasis nehmen können, wenn man sich in
eins der offenen Probleme in der Bronzezeit unseres Nachbarlandes einarbeiten will.
Freiburg i. Br. E. Sangmeister

Rudolf Feustel, Bronzezeitliche Hügelgräberkultur im Gebiet von Schwarza (Süd-
thüringen). Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Thüringens,
1, 1958, mit Beiträgen von Helga Jacob, Thea Elisabeth Haevernick, Hans-Jürgen
Hundt, Helmut Otto, Karl Schlabow. 104 Seiten, 57 Tafeln, Grabungspläne im Katalog-
teil (Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar. Preis 28,50 DM).
Ausgehend von eigenen neuen Grabungen im Gebiet von Schwarza legt der Verfasser das ganze
Fundmaterial der Hügelgräberkultur Südthüringens vor, also jener Zone, die dem Thüringer
Wald südlich vorgelagert ist und gleichzeitig mit dem osthessischen Gebiet und den fränkischen
Teilen Bayerns verbunden ist. Dadurch wird die hauptsächlich durch die Publikationen F. Holstes
und neuerdings Torbrügges breiter bekanntgewordene Hügelgräberkultur um die Darstellung
eines weiteren Gebietes bereichert und zugleich ihre nordöstliche Begrenzung deutlich. Denn über
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