Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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Eine neue Inschrift aus Stettfeld, Ldkrs. Bruchsal

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Eine neue Inschrift aus Stettfeld, Ldkrs. Bruchsal
Von Ute Schillinger-Häfele, Freiburg i. Br.
1958 wurde in Stettfeld in einem römischen Brunnen in der Haaggasse ein Altarstein mit
Inschrift gefunden. Der nur leicht verwitterte Stein ist am Sockel gebrochen. Den
oberen Abschluß der Stele bildet ein in drei Stufen hervorspringendes Gesims, darüber
ein flacher Giebel mit zwei flankierenden Wülsten mit Knopf im Giebeldreieck. Auf
der Oberseite des Steines ist die Fläche zwischen den beiden Wülsten zur Mitte hin
leicht gesenkt. Von den Ecken her ziehen sich diagonal verlaufende Rillen zur Mitte hin,
die von einem kleinen Knopf mit umgebendem Wulstring gebildet wird. Der Altar ist
aus Schilfsandstein gearbeitet und mißt in der Gesamthöhe 85 cm, ohne Bossen 62 cm.
Der die Inschrift tragende Block (ohne Gesimse und Giebel) mißt 41 cm, in der Höhe,
22 cm in der Breite, 17,8 cm in der Tiefe.
Der Stein befindet sich jetzt im Museum in Bruchsal (Taf. 27, 1).
Die Inschrift lautet:
I(ovi) O(ptimo) M(aximo) / Florentini(us) / Quintianus / vet(eranus) coh(ortis) XXIIII /
vol(untariorum) ex corni / cul(ario) pr(a)ef(ecti) / v(otum) s(olvit) l(ibens) l(aetus)
m(erito).
In Zeile 2 sind N und T ligiert, in Zeile 3 I und N sowie T und I, in Zeile 5 N und I.
Wie Farbreste in einem Teil der Buchstaben zeigen, war die Inschrift ursprünglich weiß
ausgemalt. Die vordere Gesimsleiste weist Steinverletzungen auf, die z. T. von Meißel-
schlägen herrühren mögen, m. E. aber nicht Buchstabenreste darstellen, sondern zu-
fälliger Art sind.
Der Text bietet inhaltlich keine Schwierigkeiten: Florentinius Quintianus, Veteran der
24. Voluntarierkohorte und ehemalige Ordonnanz des Kohortenpräfekten, löst sein
Gelübde ein, indem er dem Iupiter Optimus Maximus einen Altar setzt.
Der Dedikant, römischer Bürger, trägt einen Namen vom Typ der besonders im Rhein-
land auftretenden Gentilnamen auf -inius, die durch Fortbildung aus einem Cognomen
entstanden sind1).
Der Name Florentinius ist im gallisch-keltischen Bereich auch sonst gelegentlich bezeugt;
ein klares Bild seiner Herkunft und Verbreitung läßt sich aus den wenigen Belegen
aber nicht gewinnen2).
*) Vgl. W. Schulze, Zur Geschichte lateinischer Eigennamen. Abhandl. der königl. Gesellsch.
d. Wiss. zu Göttingen, phil.-hist. Kl. NF Bd. V, Nr. 5, Berlin 1904, S. 57.
2) Bekannt sind Florentinia Secundina (CIL III 4714, Noricum), Florentinius Censorinus,
Florentinius Florus und Florentinia Florentina (CIL III 14368,24, Noricum), Florentinia
Aeta (CIL XIII 8273, Köln), Florentinia Lupula (CIL XIII 1830, Lyon). Dazu kommt
ein Beleg aus Rom: Florentinius Sabinus (CIL VI 28601). Bei der Florentina Hferejnnia
aus Novaria (CIL V 6549) ist Florentina möglicherweise vorangestelltes Cognomen.
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