Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

Page: 37
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/badische_fundberichte1962/0045
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Beiträge zur Kenntnis von Tarodunum

37

Beiträge zur Kenntnis von Tarodunum*
Von Franz Fischer, Tübingen
In der Diskussion über die keltischen oppida1) wird die große Befestigungsanlage im
Dreisamtal östlich von Freiburg im Breisgau, deren antiker Name Tarodunum uns in
der Geographie des Ptolemaios überliefert ist, heute nur noch selten erwähnt. Dies
beruht im wesentlichen darauf, daß wir von dieser Anlage noch immer sehr wenig
wissen. Dazu kommt, daß die Literatur über Tarodunum weit zerstreut und zum Teil
heute nur noch schwer zugänglich ist. Es sei daher erlaubt, die bisher vorliegenden
Berichte zusammenzufassen und durch einige neuere Beobachtungen zu ergänzen.
Die Tarodunum genannte Befestigungsanlage — auf den Namen komme ich weiter
unten noch zurück — befindet sich auf einer diluvialen Terrasse im Zartener Talkessel,
die im Norden vom Wagensteigbach, im Süden vom Rot- oder Höllbach2) flankiert
wird. Beide Gewässer haben sich in postglazialer Zeit in die ursprünglich den ganzen
Talkessel einnehmende Terrasse bis zu 15 m tief eingenagt3); sie vereinigen sich wenig
unterhalb der Westspitze von Tarodunum und bilden von dort an die Dreisam4) (Taf. 14).
Die Ränder der Terrasse von Tarodunum sind offensichtlich weitgehend künstlich ge-
böscht und mit einer Randbefestigung verstärkt. Diese besteht, wie an mehreren Punkten
*) Ergebnis einer Notgrabung s. unter Lat^nezeit: Burg (Freiburg).
4) Vgl. die Literaturzusmmenstellung im Jahrb. SGU 42, 1952, 70 ff. und ebenda 43, 1953, 83,
ferner J. Filip, Keltov£ ve stredni Evrope, Prag 1956, 315 ff. und M. Wheeler und K. M.
Richardson, Hill-Forts of Northern France (Reports of the Research Committee of the
Society of Antiquaries of London XIX) 195? passim. Zur Definition vgl. K. Christ,
Historia 6, 1957, 215 ff., bes. 229 ff. mit zahlreicher weiterer Literatur. Über murus Galli-
cus neuerdings grundlegend W. Dehn, Germania 38, 1960, 43 ff. — Über die Ausgra-
bungen in Manching bei Ingolstadt vgl. W. Krämer, Germania 35, 1957, 32 ff. Neue Ausgra-
bungen in Deutschland (Berlin 1958) 175 ff. und Antiquity 34, 1960, 191 ff.; vgl. ferner
H.-J. Kellner, W. Krämer, O. Kunkel, O. Rochna, R. A. Maier, F. Maier und J. Boessneck in
Germania 39, 1961, 299 ff., über die auf der Engehalbinsel bei Bern H. Müller-Beck, Jahrb.
Hist. Museum Bern 35/36, 1955/56, 277 ff. Zu den Ausgrabungen auf dem Magdalensberg in
Kärnten vgl. laufend R. Egger in Carinthia I.
2) Der offizielle Name des Gewässers ist Rotbach, wenigstens unterhalb Hinterzarten. Bei der
Bevölkerung hört man, wie ich bei mehreren Besuchen im Gebiet von Tarodunum beobach-
ten konnte, auch den Namen Höllbach — nicht Höllenbach, wie gelegentlich zu lesen steht.
3) Zur Geologie vgl. kurz G. Kraft, Badische Fundberichte 13, 1937, 103 und R. Lais, Mitt,
d. Bad. Landesvereins für Naturkunde und Naturschutz e. V. (Freiburg i. Br.) NF 5,
1951, 1 ff.
4) Noch bis ins 18. Jahrhundert hinein hieß auch der Wagensteigbach Dreisam bis zu seiner
Quelle, vgl. schon H. Schreiber, Geschichte der Stadt Freiburg I (1857) 11 mit Anmerkung,
ferner F. Pfaff, in: Aus dem Badischen Oberland. Festschr. d. 15. Hauptversammlung des
Allgem. Deutschen Sprachvereins, Freiburg 1907, 1 ff.
loading ...