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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0049

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Beiträge zur Kenntnis von Tarodunum

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ihre Führung im Gelände und insbesondere ihre Ausmaße durchaus in den Rahmen
dessen passen, was wir an keltischen oppida von Frankreich bis an den Ostalpenrand in
scheinbarer Gleichförmigkeit kennen, so ist durch diese allgemeine Übereinstimmung
doch noch keine genauere Datierung für die ganze Anlage oder gar für einzelne Teile
zu gewinnen. Jedoch hat E. Fabricius in seinem oben wiederholten Bericht Scherben der
jüngeren Lat&nezeit erwähnt, die auf der Grabensohle „zwischen Brandschutt“ ange-
troffen worden seien. Diese Scherben oder wenigstens ein Rest davon sind im Museum
für Urgeschichte Freiburg, genauer: im Ortsarchiv des Staatlichen Amtes für Ur- und
Frühgeschichte Freiburg i. Br., zusammen mit den von E. Fabricius selbst beschrifteten
Fundzetteln vorhanden. Sie sind jedoch zu klein, als daß sie auf Grund von Abbildungen
beurteilt werden könnten16), auch fehlen die einmal von K. Schumacher erwähnten
bemalten Scherben17). Ich führe deshalb im folgenden den ganzen Wortlaut der Fund-
zettel und die jeweils beiliegenden Funde auf:
1. „Aus der Spitze des tiefen Grabens (Heidengraben) im Grundstück Fauler und des Jockele-
bauern“:
a) Scherben von flaschenartigen Gefäßen nicht genauer bestimmbarer Form aus grauem,
nicht ganz durchgebranntem Ton mit grauer und rotbrauner, gut geglätteter Oberfläche;
Scheibenware. Typische Spätlatenekeramik.
b) Eine Randscherbe einer einfachen Schale mit eingezogenem Rand aus gleichem Material.
Typische Spätlatenekeramik.
c) Mehrere Scherben eines enghalsigen Kruges (Form nicht wiederzugewinnen) römischer
Zeit.
2. „Alles mehr oder weniger oberflächlich im Acker des Jockelebauern, da wo die Unter-
brechung des tiefen Grabens sich befindet und der Durchgang war“:
a) Ein klammerartiges Eisenfragment, zeitlich kaum bestimmbar.
b) Ein eisernes Band.
c) Wenige kleine Scherben römischer Krüge — keine Terra Sigillata.
3. „Aus dem Acker des Jockelebauern. Großer Einschnitt, oben am Weg“:
a) Einige Scherben aus verhältnismäßig fein geschlämmtem, nicht zu hart gebranntem Ton
mit gleichmäßigem, vertikalem Kammstrich. Typische Spätlatenekeramik.
b) Wenige, sehr hart gebrannte Scherben wohl mittelalterlicher Keramik.
4. Ohne genauere Fundstellenbezeichnung, jedoch aus der Grabung vom September 1901:
14 vierkantige eiserne Nägel ohne Kopf, 15—20 cm lang18).
Einige Bemerkungen zu diesen Funden seien hier angefügt. Die unter 1 und 3 auf-
geführten Etiketten beziehen sich offensichtlich auf den großen Profilschnitt, der auf
Grund dieser Angaben mit Hilfe älterer Katasterpläne wenigstens ungefähr zu lokali-
sieren sein sollte. Der Jockelshof liegt außerhalb des oppidums etwas abseits der Straße,
welche die heutige Bundesstraße 31 mit Buchenbach verbindet (vgl. Taf. 14), der Grund-
stücksbesitzer Fauler dagegen bleibt noch zu eruieren. Das unter 2 genannte Etikett
bezieht sich wohl auf die Gegend, die auf unserem Plan (Taf. 15) mit der Aufschrift
„Weg“ markiert wird. Die unter 4 aufgeführten eisernen Nägel, in ihrer Form typisch
16) Sie sollen in einer geplanten Monographie über Tarodunum, die auch einen von Geometer
G. Kottmayer aufgenommenen und gezeichneten Plan enthalten wird, im einzelnen vor-
gelegt werden.
17) PZ 6, 1914, 242.
18) In Form und Größe sind sie identisch mit den Nägeln aus der Mauer von Manching, vgl.
Germania 22, 1938, 159 Abb. 3.
 
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