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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0100

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Gerhard Fingerlin

wiederholen. Alle zusammen gefundenen Garnituren — die jeweils übereinstimmende
Niete aufweisen — scheinen demnach in der gleichen Werkstatt hergestellt, vermutlich
der Dorfschmiede, die auch die Waffen selbst geliefert hat. Leider besteht keine Mög-
lichkeit, diese Überlegungen an der zur einzigen damaszierten Spatha gehörigen Gar-
nitur nachzuprüfen, da die in Grab 11 liegende Waffe offenbar ohne ihren Tragriemen
mitgegeben wurde 12 13).
Dreimal erscheint das Langschwert in Kombination mit dem einschneidigen Hieb-
schwert, das in anderen Gräbern nicht auftritt (Nr. 4, 17, 20). Dieses Zahlenverhältnis
der beiden Waffenformen widerspricht dem Befund vollständig ergrabener Friedhöfe 1:J),
wo die überwiegende Mehrzahl der Männer nur mit dem Sax ausgerüstet ist. Die
Diskrepanz erklärt sich hier leicht aus der Zufälligkeit des durch die Ausgrabung er-
faßten Ausschnitts. Bei allen Stücken ist wegen der weit fortgeschrittenen Zersetzung
eine formenkundliche Klassifizierung nicht mehr möglich.
Das Vorkommen der großen dreiteiligen Garnituren ausschließlich in den Saxgräbern 14)
scheint anzudeuten, daß der breite Gurt lediglich als Tragriemen dieser Waffe diente
und keine „Tracht“funktion besaß15); ein Schluß, den vor allem die Befunde aus
Grab 17 und 20 nahelegen. Bestätigt wird diese Beobachtung durch einige neuerdings
von E. Vogt zusammengestellte Gräber aus der Nordschweiz 16), in denen der Gürtel
niemals umgeschnallt, sondern zusammen mit dem Sax auf dem Unterkörper oder neben
den Füßen niedergelegt ist. Vom Aussehen dieser „Saxriemen“ geben die von J. Werner
rekonstruierten Bülacher Exemplare eine gute Vorstellung 17). Komplett ist demnach
nur die Garnitur (Taf. 30, 5—13) aus Grab 17 mit drei (gewöhnlich vier) eisernen Ösen
zur Befestigung von Kurzschwert, Tasche, Feuerzeug u. ä. an schmalen Nebenriemen.
Für alle weiteren an diese schon häufig besprochene Gruppe anschließenden Fragen
sei ausdrücklich auf die betr. Ausführungen J. Werners und E. Vogts verwiesen18).
Das Vorkommen nur einer Lanze (Taf. 29, 12), zusammen mit Spatha und Sax in
Grab 17, entspricht dem gewöhnlichen Bild. Die verhältnismäßig schwere, gedrungene
Spitze, die sich keinem scharf differenzierten Typ zuweisen läßt, ist ebensogut als Jagd-
wie als Kampfwaffe denkbar.
Gleiches gilt für die meist blattförmigen Pfeilspitzen aus drei Gräbern, einmal als ein-
ziger Waffentyp in dem allerdings gestörten Grab 10 (Taf. 29, 2—4) vertreten, einmal
in Verbindung nur mit der Spatha (Grab 9, Taf. 33, 2—3) und einmal mit Spatha und
Sax (Grab 4, Taf. 28, 12—13). Von den zugehörigen Holzbögen und den vielleicht aus
Leder oder Fell bestehenden Köchern hat sich naturgemäß nichts erhalten.
12) Dieses sicher aus einer größeren Werkstatt stammende Stück müßte eine qualitätvollere
Garnitur besitzen als die einfachen Waffen. Vgl. Werner, Bülach, 60 (Spatha aus Grab 124).
13) Z. B. Mindelheim in Bayrisch Schwaben. J. Werner, Das alamannische Gräberfeld von Min-
delheim (1955) (im folgenden abgekürzt: Werner, Mindelheim), 7 ff.
14) Grab 4; 17; 20.
15) D. h. Funktion an der Kleidung. In Bülach Grab 77 ist eine große Garnitur mit halbrunden
Beschlägen mit einer Spatha zusammen gefunden (Werner, Bülach, 95), ähnliche Kombina-
tionen sind auch andernorts nachgewiesen. Vgl. Werner, Mindelheim, 11.
le) ZSAK 20, 1960, 73 ff.
17) Werner, Bülach, 47, Abb. 6.
18) Vgl. Anmerkung 16 und 17.
 
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