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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0145

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Fränkisch* Tauschierarbeiten aus frühen Reihengräbern am Oberrhein

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wie bei allen Messingnägeln — wohl einheitlich unterhalb dem Maß der Beschlägplatten-
dicke von 0,3 cm liegt, da die Enden dieser Kreismittelpunktstifte auf der Plattenunter-
seite im abgeschliffenen Endzustand noch nicht erkennbar sind.
Für einen Vergleich unserer Schnalle aus Herten mit den übrigen in ihrer Zahl beacht-
lichen, aber überschaubaren Stücken gleicher oder ähnlicher Form und Verzierungsweise
seien als charakteristisch aufgeführt: Die fast quadratische Gesamtform ist bestimmt
durch das Größenverhältnis von Schnalle und Beschläg. Die Gestalt des Schnallenbügels
oder -rings ist ausgesprochen nierenförmig und von flachem, nach außen ge-
wölbtem Querschnitt (vgl. Abb. 2, 1), jedoch etwas plumper als der Querschnitt bei der
im Profil stärker geneigten flachen Schnallenform, wie sie bei den mehrteiligen Schnal-
lengarnituren des 7. Jahrhunderts die Regel ist. Der Schnallenring unseres Stückes unter-
scheidet sich außerdem wesentlich von den späteren Typen durch seine markante Ein-
sattelung im Umriß und Profil in der Mitte der vorderen Längsseite, d. h. da, wo der
Schnallendorn aufliegt (Taf. 44, 3). Der Schnallenring ist relativ eng und gleichmäßig
mit radial angeordneten, etwa 1 mm breiten Messingstreifen tauschiert; diese beginnen
unmittelbar links und rechts der nahezu waagrechten, von der scharnierartigen Lasche
des schmalrechteckigen Beschlägs verdeckten Basis des Schnallenrings und setzen beider-
seits der Dornspitze auf rund 0,7—0,8 cm Breite aus. Der Schnallendorn ist an der Basis
keulenförmig verdickt und an der wesentlich dünneren Dornspitze mit der tauschierten
Tierkopfverzierung in seinem Längsprofil um fast 45° nach abwärts gebogen. Dorn-
basis und Spitze tragen waagrechte Streifen aus breitgehämmerten Messingdrähten und
runde, auf vierkantigen Stiften sitzende Punkte als Augen, im Winkel zwischen den
zwei querlaufenden und dem senkrechten auf Stirn und Nasenrücken je einen bogen-
förmigen Streifen (Abb. 2, 1—4). Die Zierelemente der Beschlägplatte sind kleinere
Kreise mit auf vierkantigen, tiefer in die Platten eingelassenen Stiften rundgehämmerten
Mittelpunkten und zwei- und dreifach konzentrische Kreise mit Mittelpunkten, sämt-
lich aus 1—1,2 mm breitgehämmerten Messingfäden.
Von dem in Herten, Grab 57, vertretenen Typ der engstreifig tauschierten Schnalle mit
schmalrechteckigem Beschläg sind bis einschließlich der Jahre 1953 für den europäischen
Kontinent und 1954 für das angelsächsische Gebiet Südost-Englands insgesamt 31 Exem-
plare bekanntgeworden; ein weiteres, durch ein schmäleres, aber die Schnallenbreite
von 2,4 cm nicht wesentlich unterschreitendes, aber im Verhältnis längeres Beschläg,
abweichendes Stück von 3,9 cm Gesamtlänge aus Weimar, Grab 84, muß durch den De-
kor mit drei silbertauschierten, konzentrischen Kreisen mit Mittelpunkt (Taf. 45, 9) der
Fundgruppe noch hinzugerechnet werden, 16 Schnallen mit Beschläg oder Beschläge
solcher Gürtelschließen wurden auf dem europäischen Festland gefunden, 17 stammen
aus England, wobei nur von einem das ursprünglich vorhanden gewesene Beschlägteil
nicht mehr existiert. Die uns hier beschäftigenden Schnallen mit schmalem, rechteckigem
Beschläg wurden in größerer Zahl — von der lokalen oder regionalen Fundstoffveröf-
fentlichung einzelner Stücke abgesehen — erstmals von W. Holmqvist im Rahmen einer
Studie über tauschierte Metallarbeiten des Nordens5) in den beiden Kapiteln über die
s) W. Holmqvist, Tauschierte Metallarbeiten des Nordens aus Römerzeit und Völkerwande-
rung, Kungl. Vitterhets Historie och Antikvitets Akademiens Handlingar, Bd. 70/2, Stock-
holm 1951, 36—67 Abb. 14—27. — Künftig abgekürzt Holmqvist, a. a. O. . . . zitiert.
 
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