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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0167

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Fränkische Tauschierarbeiten aus frühen Reihengräbern am Oberrhein

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Tatsächlich scheint die Buckelung auf den kontinentalen Schnallen, wie Basel, „Gott-
erbarmweg“, Grab 17, und Kleinhüningen (Basel), Grab 229, durch vortreffliche Vor-
bilder belegbar zu sein. Für den Zeitansatz der beiden Gräber stehen nur Beifunde aus
dem ersteren zur Verfügung. Es sind 1. ein plumper, stark verrosteter Feuerstahl mit
gerundeten, etwas gezipfelten Enden und unverzierter Schnalle. 2. Ein uncharakte-
ristisches Eisenmesser. 3. Reste eines etwas schwerfälligen Glasbechers mit eiförmig ge-
rundetem Boden, flauer Schrägrillung auf der Wandung. Grob gesprochen ist der Grab-
fund in die zweite Hälfte des 5. Jahrhunderts zu datieren, ob näher an die Jahrhundert-
mitte oder an dessen Ende, ist vorerst nicht zu entscheiden.
In drei hunnischen Grabfunden sind Schnallen gefunden worden, deren
Rahmen aus vergoldeter Bronze oder Silber in ihrer kräftigen Rippung den Buckel-
charakter der Schnallen von Basel, „Gptterbarmweg“, Grab 17 (Taf. 44, 7), und Klein-
hüningen, Grab 229 (Taf. 44, 5), nach der Zeichnung zu urteilen, vorgeprägt haben:
1. Männergrab, mit nordmongolider Bestattung mit Schädeldeformation aus Gyöngö-
sapati (Komitat Vas, Ungarn)* 87): mit einfacher Ausstattung: Tonkrug, Bronzepinzette
und zwei vergoldete Silberschnallen, eine davon gerippt (Abb. 2, 7).
2. Frauengrab aus Drslavice (Kr. Uh. Brod, Mähren, CSR)88): Bestattung mit defor-
miertem Schädel. — Beigaben: Goldohrring, zwei Eisenmesser, Tonkrug, Glasbecher,
Eisenbügel und zwei vergoldete Silberschnallen, von denen die eine leicht gerippt oder
gestrichelt, die andere wahrscheinlich gebuckelt wirkende Rippung zeigt, sofern die
Zeichnung der Schnallen überhaupt so weitgehend interpretiert werden kann.
3. Reiches Männergrab aus Borovoje (Kr. Petropavlowsk, Rep. Kasakstan, Sowjet-
Union)88): darin u. a. eine Schnalle, die in ihrer ovalen Kontur derjenigen am Feuer-
stahl von Krefeld-Gellep, Grab 43, sehr nahe kommt (Abb. 2, 8). Die plastische Bucke-
lung wiederum entspricht der auf der Basler Schnalle am ehesten.
4. In dem durch Schädeldeformation als mit einer wohl fremdstämmigen Frau belegten
Grab 6 von Obermöllern (Kr. Weißenfels) 10°) liegt neben „thüringischen“ Grabbei-
gaben eine wahrscheinlich gebuckelte Eisenschnalle von extrem nierenförmiger Gestalt.
Sollte es sich hier um ein aus dem Osten mitgebrachtes Fundstück handeln, das uns
vielleicht den untrüglichen Beweis für die hunnische oder reiternomadische Herkunft
der gebuckelten Schnallen liefern könnte?
5. Aus dem germanischen Gräberfeld von Glowitz (Kr. Stolp)100a) stammt, ohne Grab-
zusammenhang, eine gerippte Bronzegürtelschnalle (L. 10 cm; Br. 6,6 cm) mit gepunz-
tem, dreieckigem Beschläg aus Bronzeblech mit drei Nieten, die in ihrer scharfgratigen
Rippung sowie der Dornform der oben unter 1. aufgeführten, vergoldeten Silberschnalle
aus Gyöngösapäti entspricht (vgl. Abb. 2, 7).

®7) J. Werner, Beiträge zur Archäologie des Attila-Reiches, Bayer. Akademie d. Wiss. Philosoph.-
hist. Klasse. Abh. NF. Heft 38 A u. B München 1956, 14, 82 u. 108, Taf. 41, 7—10.
88) J. Werner, Beiträge zur Archäol. d. Attila-Reiches, 1956, 25, 110 u. 120, Taf. 43, 10—17.
") J. Werner, Beiträge zur Archäol. d. Attila-Reiches, 1956, 25, 30, 32, 45, 7, 46, 49, 50, 51, 52,
57, 58, 64, 65, 68, 82, 85, 87, 88, 122, Taf. 14 u. 51; Schnalle = Taf. 51, 4.
10°) s. o. unter Anm. 70.
100a) W. La Baume, Urgeschichte der Ostgermanen, Ostlandforschungen Bd. 5 (1934) 146 Bild 71 g.
 
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