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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0168

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160

Friedrich Garsdia

Für die drei hunnischen Grabfunde wird als Zeitstellung die erste Hälfte des 5. Jahr-
hunderts angegeben, das Grab von Obermöllern gehört in die erste Hälfte des 6. Jahr-
hunderts. Die Schnalle von Glowitz ebenfalls ins 5. Jahrhundert.
Wahrscheinlich läßt sich bei genauerer Prüfung der Schnallen aus mitteleuropäischen
Gräbern, die durch Bestattungen mit Schädeldeformation als nicht germanisch ausge-
wiesen sind, noch weiteres Belegmaterial für eine östliche Herkunft der aus dem
römischen und frühfränkischen Formenschatz des Frankenreiches nicht ableitbare Zier-
weise der Schnallenbuckelung finden.
Und wo die Berührung dieser „hunnischen“ Schnallenverzierung mit den Übersetzern
jener östlichen Formensprache erfolgte, ist nicht mit Sicherheit anzugeben. Am wahr-
scheinlichsten wäre es, sich die Übernahme einer „hunnischen“ Zierform in dem Gebiet
zu denken, in dem schon die gerippten Bronzeschnallen aus der ersten Hälfte des
5. Jahrhunderts diese Übernahme eines fremden Elementes andeuten und wo in spät-
römischer Zeit, trotz der Einsickerung germanischen, d. h. fränkischen Volkstums —
in der Laetenbevölkerung —, nicht die römische Handwerkskunst und -tradition, wie
östlich des Rheins, z. B. im späteren Alamannenland zwischen Limes und Rhein, ver-
nichtet, sondern von der neu sich herausbildenden germanischen Herrenschicht, dem
späteren fränkischen Adel, gefördert wurde und wo bei fast allen Untersuchungen über
frühmerowingisches Fundgut immer wieder sich zeigt, daß hier die künstlerische und
handwerkliche Tradition des Römerreiches fortlebte und zu hoher Blüte gelangte. Wenn
wir diesen Raum geographisch im Dreieck zwischen Maas und Rhein zu finden meinen,
so geht es hierbei nicht um die Rivalitätsfrage, ob die Erfindung der gebuckelten Schnal-
len nun eine fränkische oder angelsächsische Kunstschöpfung war, sondern darum, zu
prüfen, ob die Übernahme einer so fremdartig wirkenden Zierform wohl auch am ein-
fachsten da erfolgte, wo nachgerade fast alle Kunstzweige Hochleistungen vollbrachten,
etwa in der Kunst der Eisentauschierung, die in voller Blüte stand, und bis wohin die
Ausstrahlungen dieser fränkischen Werkstätten in vor- und frühmerowingischer Zeit,
d, h. im 5. Jahrhundert, reichten. Dadurch hat sich zwar unsere Vorstellung von der
„alamannischen Kulturhöhe“ rechts des Rheins im Zeitraum des 4. bis 6. Jahrhunderts
gegenüber einer vor 20 Jahren noch herrschenden Auffassung gewandelt, aber der Wan-
del hat das Bild von der schöpferischen Leistung dieser Zeit eher bereichert als ärmer
gemacht.
D. Anhang
I
Nachdem im vorangehenden Abschnitt, ausgehend von einigen oberrheinischen Fund-
stücken, das Problem der Buckelverzierung auf eisernen, mit vergoldetem Silberblech
plattierten und mit breiten Silberstreifen tauschierten Schnallen in technischer, formen-
kundlicher und chronologischer Hinsicht erörtert wurde, sollen als Abschluß noch einige
Nachahmungen gebuckelter Schnallen in Bronze und Eisen, meist
aus alamannischen Reihengräbern stammend, vorgelegt werden.
Für das angelsächsische Gebiet hat Vera J. Evison bei einigen künstlerisch wertvollen
Arbeiten aus Bronze gezeigt, daß die Tauschier- und Plattiertechnik in ähnlicher Weise
sich auch auf Bronzeobjekte erstreckt hat. Auf Taf. 46, 3 ist eine Bronzeschnallengarni-
 
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