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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0185

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Ein neuer Alamannenfriedhof in Eberfingen, Ldkrs. Waldshut

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versehenen Feuerstähle spricht auch im späten 6. Jahrhundert noch für eine Befestigung
am Wehrgehänge.
Diese Schnallen haben seit mehr als einem Jahrhundert auch den Anlaß gegeben, auch
bei den mit deutlicher Schlagkante an der Basis versehenen Stücken immer wieder von
„Taschenbügeln“ zu sprechen, obgleich die Schlageisen keinerlei Lochung oder sonstige
Vorkehrungen aufwiesen, die eine Befestigung auf einer Tasche hätten wahrscheinlich
machen können. In der gesamten west- und nordeuropäischen, aber auch teilweise in der
deutschen Fachliteratur findet sich unbekümmert die alte, aber technologisch unhaltbare
Bezeichnung. Erst in allerjüngster Zeit hat R. Pirling anläßlich der Neuveröffentlichung
des tauschierten Feuerstahls aus dem Männergrab 43 von Krefeld-Gellep diese Fehl-
interpretation richtiggestellt24). Bei der von Fall zu Fall erforderlichen Nachprüfung
werden mit Sicherheit manche bisher ohne den anthropologischen Befund als Frauen-
gräber ausgegebenen Grabanlagen künftig in „Männergräber“ umgetauft werden müssen,
wie beispielsweise Grab 19 des Gräberfeldes von Bodman (Ldkrs. Stockach)25), in dem eine
silbervergoldete Vogelfibel in Kerbschnittechnik, mit einem Feuerstahl mit Eisenschnalle,
Feuerstein und einer Bronzegürtelschnalle mit massivem, perlstabverziertem Rahmen und
keulenförmigem, an der Basis quergeripptem Dorn zusammen mit drei schildförmigen
Bronzebeschlägen vorkommen, wie wir sie inzwischen aus Männergräbern kennenlernten.
Hinsichtlich der Datierung der Grabinventare von Eberfingen wurde das Wesentliche
bei der oben erörterten Bedeutung der Gürtelgarnituren aus massiv gegossenen Schild-
dornschnallen in Verbindung mit schildförmigen Ziernieten gesagt. Aus der Vergesell-
schaftung dieser Schnallen mit bestimmten Waffentypen konnte unter Berücksichtigung
neuerer Erkenntnisse auf dem Gebiet der Waffenchronologie und durch Heranziehen
gleichartiger Grabinventare aus gut beobachteten Gräberfeldern ein archäologischer
Fundhorizont für die zweite Hälfte des 6. Jahrhunderts vorerst wenigstens umrissen
werden, der einen der bisher weniger erschlossenen Zeitabschnitte der heimischen Früh-
geschichte aufzuhellen hilft.
Die siedlungsgeschichtliche Aussage des kleinen Alamannenfriedhofs in den „Herren-
gärten“ von Eberfingen ist nur eine beschränkte. Die Gräber bestätigen zwar die An-
wesenheit von Siedlern in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts. Der Umfang dieses
Gräberfeldes mit neun Gräbern dürfte jedoch kaum ausreichen, um auf ihm, d. h. einer
so schmalen archäologischen Basis, außer der Gründung auch den Fortbestand des spä-
teren alamannischen Dorfes Eberfingen zu belegen, dessen Name als wohl alter ingen-
Ort in einer St.-Gallener Urkunde von 929 als: in pago Alpegeuve in villa nuncupante
Eperolfvigga ausgewiesen wird26). Zudem ist die Entfernung zwischen der Fundstelle
und dem heutigen Ortskern mit 600 m für das frühe Mittelalter vielleicht zu groß.
Ob der eingangs aufgeführte Fundplatz von Reihengräbern „bei der Kapelle“ (I) der
das 7. Jahrhundert hindurch weiterbenutzte Alamannenfriedhof war, ist ebensowenig
erwiesen, wie die Lage der zweiten Fundstelle „am Westhang des Wutachtales“ bisher
gesichert ist. Vielleicht gibt es noch eines Tages einen weiteren Alamannenfriedhof, der
24) Jb. d. RGZM. 7, 1960, 311 ff. Taf. 59 (R. Pirling).
25) Veröffentl. der Großh. Bad. Sammlgn. f. Altertums- und Völkerkunde in Karlsruhe und des
Karlsruher Altertumsvereins, 2. Heft 1899, 97 Taf. 13, 9 u. 14, 7 (E. Wagner).
26) A. Krieger, Topograph. Wörterbuch des Großherzogtums Baden 2°, 1. Bd. 1904, 445.

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