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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0197

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Zur Besiedlungsgeschidite im Stadtgebiet von Tauberbisdtofsheim

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und gebrannter Ton von graugelber Farbe. — 21. Randscherben eines engmündigen Gefäßes
mit schwach auswärts schwingendem Rand und 3 cm tiefer sitzender Tupfenleiste. Grob ge-
magerter Ton von ziegelroter Farbe. Innenseite geglättet. — 22. Randscherben eines weit-
mündigen Gefäßes mit schwach auswärts schwingendem Oberteil und 5 cm tiefer sitzender
Tupfenleiste. Grobstückig gemagerter Ton von graubrauner Farbe. — 19. Kleine Bronzenadel
mit eingerolltem Oberteil; L. 5 cm.
Verglichen mit der gebietsweise recht ansehnlichen Zahl bekannter Wohnplätze der
jüngeren Steinzeit sind Siedlungsfunde der Bronzezeit in ganz Südwestdeutschland
noch immer von großer Seltenheit. Dies gilt betont natürlich von einem Gebiet wie
dem baden-württembergischen Frankenland, wo Funde der Bronzezeit insgesamt nur
dünn gestreut im Fundbild erscheinen 12). Dieser optische Effekt der Fundkarte darf
indes nur mit Einschränkung Gegenstand einer direkten historischen Ausdeutung wer-
den. Neben wirklichen historischen Ursachen, die nach Art und Umfang noch recht
unbekannt sind, spiegeln sich in dem genannten Umstand nämlich weitgehend auch
Unzulänglichkeiten methodischer Art. Die Verschiebung der Siedlungsflächen zu Be-
ginn der Metallzeiten — welche Ursachen sie im einzelnen auch gehabt haben mag —
ist eine Tatsache, auf die schon E. Wahle 13) aufmerksam gemacht hat. Die Siedlungs-
gebiete der Bronzezeit rücken damit von den klassischen Fundräumen ab in Gebiete,
die nachweislich von der Forschung weniger beachtet wurden und in denen, weil sie
auch heute zu den dünner besiedelten Räumen gehören, die Hauptfindearten weniger
zum Zuge kommen. Dazu kommt, daß die Periodisierung der Bronzezeit ausschließlich
anhand der Bronzen aus Gräbern und Depots entwickelt wurde, sich also auf einen
engen Ausschnitt der materiellen Hinterlassenschaft stützt. Dieser Ausschnitt kann als
bewegliches Erwerbsgut eine Uniformität vortäuschen, die keineswegs die Gesamtheit
des bronzezeitlichen Kulturmilieus zu kennzeichnen braucht. Für ältere Abschnitte der
Bronzezeit ist deshalb mehrfach darauf hingewiesen worden 14), daß unserem Perioden-
schema in der Realität des Fundstoffes kein einheitliches Erscheinungsbild zu ent-
sprechen braucht, daß dieses vielmehr fazielle Abweichungen zeigen kann, in denen sich
neben anderen Komponenten das verschiedene Tempo des Hineinwachsens in den
neuen Kulturzustand spiegelt. Es scheint nicht undenkbar, daß auch noch für jüngere
Abschnitte in der Bronzezeit solche faziellen Unterschiede die Erkennbarkeit erschweren
und damit bronzezeitliche Siedlungen vorläufig aus der Fundkarte fernhalten.
Das Vorhandensein bronzezeitlicher Siedlungsreste im Beobachtungsgebiet „Milch-
zentrale“ deutete sich in dem Bestand „Streufunde“ an durch den Zapfenhenkel
(Taf. 51, 20)15). Ihm konnten weitere Stücke aus diesem Bestand angeschlossen werden,
12) Vgl. die Fundkarte im Heimatatlas der Südwestmark Baden, Hrsg. K. Gärtner 2 (1937) 35.
13) Die Besiedlung Südwestdeutschlands in vorrömischer Zeit nach ihren natürlichen Grund-
lagen. 12. Ber. RGK. 1921, 43 ff.
14) Zuletzt Ch. Peschek, Katalog Würzburg I. Materialh. z. Bayer. Vorgesch. 12 (1958) 87, unter
Berufung auf E. Sangmeister. — Vgl. auch R. A. Maier, Neufunde aus der „Michelsberger"
Höhensiedlung bei Munzingen, Ldkrs. Freiburg i. Br. Bad. Fundber. 21, 1958, 7 ff. — Ders.
Germania 36, 1958, 447 ff.
15) Beim Einzapfen eines Henkels bedient sich der Töpfer einer keramikfremden, nur aus dem
Metallhandwerk abzuleitenden Technik der Verbindung zweier Teile. Der Zapfenhenkel
kommt daher, soweit ich sehe, auch nur in bronzezeitlichen Fundzusammenhängen vor und
kann damit in Zweifelsfällen zu einem wichtigen Zeitindiz werden. Die Übung scheint übri-
gens bald wieder aufgegeben worden zu sein.
 
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