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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0214

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206

Kurt Gerhardt

Bemerkenswerterweise ist das Körperskelett nicht so grobschlächtig, wie der Schädel
erwarten ließe. Die Längsmaße des linken Obersdienkels, beider Oberarme und der
linken Speiche ergeben nach der Methode von Breitinger (1937) eine Körpergröße von
168 cm, also einen mittleren Wert.
Skelett aus Grab 52/6 (Taf. 63)
Erhaltung:
Lückenhaftes, aus vielen Scherben zusammengesetztes Kranium. Nicht anfügbar vor-
handen sind noch die beiden bestoßenen und teilweise zerfallenen Schläfenbeine und
Stücke der Basis. Es fehlen ganz das linke Jochbein und das Keilbein, der Oberkiefer
hat große Ausbrüche, weiterhin fehlt der linke Unterkieferast zur Hälfte. Die rechte
Seite des Hinterhauptes ist postmortal merklich verpreßt, so daß die Oberschuppe des
Hinterhauptbeines etwas schräg herausgedreht ist. Vom Skelett sind Reste aller Be-
reiche vorhanden: Rippen- und Wirbelbruch, Teile des Beckens und der Schulterblätter,
die Schäfte mehrerer Gliedmaßenknochen. Leider ist keiner der Langknochen in meß-
barem Zustande erhalten.
Alter:
Die drei Hauptnähte der Hirnschale sind offen, die Sphenobasionfuge dagegen ist völlig
verschwunden. Die vier vorhandenen 3. Molaren zeigen schwache Kauspuren, die vier
2. Mahlzähne mäßige, die vier 1. Mahlzähne starke Abkauung. Danach ist früh-
adultes Alter am wahrscheinlichsten.
Geschlecht:
Das Kranium ist verhältnismäßig fein modelliert, die Überaugengegend hat nur eine
weiche Andeutung von Überaugenbögen, auf der steilen Stirn sitzen stark entwickelte
Stirnhöcker, die Protuberantia des Hinterhauptes ist eine schwache stumpfe Leiste, die
Warzenfortsätze sind klein und schmal, die oberen mittleren Inzisiven fallen mit großer
Schaufelform auf. Die Gliedmaßenknochen sind zwar kräftig, aber ihre Muskelmarkie-
rungen erheben sich nur sehr schwach. Alle diese Indizien sprechen eindeutig für weib-
liches Geschlecht.
Typendiagnose:
Die typologische Analyse wird weder durch die Lücken des Schädels noch durch die par-
tielle Hinterhauptsverdrückung wesentlich behindert. Die Oberansicht läßt sich als
kurze und mäßig breite, wahrscheinlich schwach indexbrachykrane, stumpfovale Um-
rißform mit Tendenz zur Trapezform rekonstruieren. In der Seitenansicht fallen eine
ausgesprochene Höhenausdehnung und gleichzeitig die geringe Längsentwicklung des
Hirnschädels auf. Der Sagittalumriß steigt von der steilen hohen Unterstirn in vollem
Schrägbogen zu einem dicht hinter der Porionsenkrechten gelegenen, als Bogenakzent
markierten Culmen cranii empor, um dahinter in sehr weitem Bogen mit partieller
Abplattung annähernd steil abzufallen. Dieser Abfall ist heute wegen der Verdrehung
der Oberschuppe weniger deutlich als ursprünglich (in Taf. 63, 2 gibt die unterbrochene
Linie etwa den eigentlichen Umrißverlauf wieder).
Das morphologische Gesicht ist hoch, ziemlich schmal, hager modelliert mit vorderer
Keiligkeit des Binnengesichtes. Im Profil springt die derbknochige Nase aus hoher und
weit vorn sitzender Wurzel S-förmig geschweift vor. Die hohe Zahnkieferpartie zeigt
 
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