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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0278

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270

Fundschau 1957—1959: Römische Zeit

Die ältesten Gräber (etwa Anfang Domitian) sind im südlichen Teil des Friedhofes an-
getroffen worden, die jüngeren aus der Zeit gegen Ende des 2. Jahrhunderts stammen
aus dem nördlichen Teil. Zwischen beiden Teilen des Gräberfeldes ein vermutlich einige
Meter breites, nicht belegtes Gelände. Die Grenzen sind durch Suchgräben ungefähr fest-
gelegt. Das Gräberfeld umfaßt ein Geländestück von ungefhr 70 X 55 m. Fast alle Grä-
ber bis zu einer Tiefe von ca. 0,40 m wurden vom Pflug zerstört und mehr oder weniger
auseinandergerissen, so daß die Zusammengehörigkeit der einzelnen Fundkomplexe oft
sehr schwer festzustellen war. Was tiefer lag, mit der Sohle bis zu 0,70 m, blieb un-
bechädigt. Sehr grob gesehen sind folgende Arten der Bestattung zu erkennen:
Sorgfältig ausgelesener Leichenbrand mit Beigefäß,
sorgfältig ausgelesener Leichenbrand als Häufchen auf der Grabsohle, darüber die
Beigaben,
Brandgruben mit dem gesamten zusammengekehrten Rest des Scheiterhaufens, Asche,
Holzkohle, Leichenbrand, die auf dem Scheiterhaufen verbrannten Beigaben,
Brandgruben mit dazugestellten Gefäßen als Beigaben.
Früheste Sigillata südgallisch aus La Graufesenque Drag. 18, Drag. 20, Drag. 36 sowie
eine große Schüssel Drag. 29 und auch Drag. 37. Münzen von Domitian, Nerva, Trajan
bis Marcus Aurelius.
Suchgräben in der vermuteten Siedlung waren ergebnislos. Lediglich dicht westlich der
Römerstraße konnte das Fundament einer Heizanlage freigelegt werden. Der Zweck
dieses Bauwerks ist auch heute noch nicht ganz geklärt (Getreidedarre?).
Wegen des Umfangs und der überlokalen Bedeutung des Gräberfeldes, das mindestens
in seinen Anfängen im Zusammenhang mit der domitianischen Straße Straßburg—
Neuenheim gesehen werden muß (vgl. das an derselben Straße gelgene Wagbachkastell,
Bad. Fundber. 20, 1956, 242 f.), wird eine gesonderte Vorlage des Gräberfeldes vor-
bereitet (5615).
Mtbl. 40/6717 Wiesental. — Verbleib: Bad. Landesmuseum Karlsruhe.
(Hormuth, Dauber)
Dietlingen (Pforzheim) „Dämpfele", südlicher Ortsrand. Siedlung
1960: Bei Ausschachtungsarbeiten für einen Neubau auf Lgb. Nr. -(Küfermeister
Pfrommer) wurden große Schwellensteine und Mauerreste gefunden (Abb. 8). Eine
flüchtige Nachuntersuchung innerhalb der ausgeschachteten Baugrube ergab das Roll-
fundament eines Raumes von 3,5 m Breite, von dem eine weitere Mauer nach Osten
abgeht. In der Nord- und Westwand der Baugrube zeichneten sich schuttgefüllte Gruben
ab, die darauf hindeuten, daß die römische Ruine als Steinbruch gedient hat. Nur das
Rollfundament und die unhandlich großen Schwellen blieben am Ort zurück. Auch
beim Bau der umgebenden Häuser sollen Mauern angetroffen worden sein. Talaufwärts
sollen noch über einer Reihe von Grundstücken Mauern zu spüren sein. Das anschlie-
ßende Gewann trägt den bezeichnenden Namen Holder. Das ausgedehnte Trümmer-
gebiet am Südrand des Ortes deutet wohl auf einen römischen Gutshof hin (6003).
Mtbl. 63/7117 Dietlingen/Neuenbürg. — Verbleib: Reuchlinmuseum Pforzheim.
(Dauber)
 
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