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Badische Fundberichte: amtl. Nachrichtenbl. für die ur- u. frühgeschichtl. Forschung Badens — 22.1962

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https://doi.org/10.11588/diglit.43789#0318

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Buchbesprechungen

dem Thüringer Wald scheint sie nur in geringem Maße nach Norden vorgedrungen zu sein, wäh-
rend sich von Nordhessen aus ja noch die Lüneburger Gruppe anschließen läßt.
Bei der Vorlage des Materials muß die Knappheit der Darstellung, die alles überflüssige Beiwerk
vermeidet, genauso lobend hervorgehoben werden wie die Selbstbescheidung, mit der der Ver-
fasser sich vor allen Versuchen hütet, nun umwälzende chronologische oder kulturelle Neugliede-
rungen zu geben. Er begnügt sich damit, Verwandtes aufzuzeigen und die Stellung der Funde im
bisher geläufigen System und in den räumlichen Beziehungen zu Bayern, Hessen und dem Mittel-
rhein aufzuzeigen. So ist das Buch geeignet, dem Interessenten rasch einen Einblick in dieses die
süddeutsche Hügelgräberkultur abrundende Gebiet zu geben.
Ein besonderer Wert der Arbeit liegt aber darin, daß den verschiedensten Spezialisten Raum ge-
geben wird, sich zu neuen Befunden der Ausgrabungen des Verfassers zu äußern. So nimmt Thea
Elisabeth Haevernick nüchtern und sachlich zu dem Fund von Glasperlen in einem der Schwarzaer
Grabhügel Stellung, die sie knapp in ihren chronologischen, kulturellen und technologischen Zu-
sammenhang stellt, wobei sie nachdrücklich vor zu voreiliger Verwertung einzelner Analysen
warnt. Helga Jacob steuert eine ausführliche Erörterung der Holzreste und der Pollen bei, die
eine erfreuliche Vervollständigung des Klima- und Vegetationsbildes Südthüringens zur Hügel-
gräberbronzezeit gibt und gleichzeitig neue Rückschlüsse auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche
Situation der Bevölkerung zuläßt. Die Rekonstruktion eines recht geschlossenen Weidewaldes in
der näheren Umgebung der Grabhügelgruppen macht die Vorstellung, die Siedlungen hätten in
unmittelbarer Nachbarschaft der Grabhügel gelegen, weniger wahrscheinlich. Sie beruhte wohl
z. T. auch auf Reineckes Interpretation von Streuscherben in der Aufschüttung von Grabhügeln,
die dann verallgemeinert wurde. Genauso möge man sich heute vor zu raschen Verallgemeine-
rungen hüten, da der Befund von Schwarza nicht für andere Regionen zu gelten braucht. Vor
allem sollte man eine Übertragung etwa auf die Hallstatt-Grabhügelkultur vermeiden, für die
die Anlage von Grabhügeln auf Siedlungsgebiet durch neuere Grabungen mehrfach bestätigt
wurde. Karl Schlabow und Hans-Jürgen Hundt haben die in der Patina von Bronzegegenständen
erhaltenen Reste von Geweben untersucht und sind unabhängig voneinander zum Nachweis zweier
verschiedener Wollgewebe gekommen, von denen eines ein besonders feines, schleierartiges ge-
wesen sein muß. Aus der Lage der Gewebereste im Verhältnis zum Körper und zu den metallenen
Schmuckstücken haben sich Rückschlüsse auf die Tracht ergeben, die ihre fast völlige Rekonstruk-
tion — wenigstens für die Frauentracht — erlauben. Sie läßt doch erhebliche Unterschiede zur
bekannten Tracht der nordischen Bronzezeit erkennen und hilft damit auch die in den metallenen
Schmuckformen bestehenden Unterschiede besser zu erkennen und zu verwerten. Schließlich hat
Helmut Otto das Metall der Geräte, Waffen und Schmuckstücke verschiedenen seiner Leitlegie-
rungen zuweisen können und damit nachgewiesen, daß auch in der Hügelgräberkultur noch eine
Unterscheidung nach der Metallzusammensetzung möglich ist, während man nach allgemeinen
Überlegungen hätte erwarten sollen, daß durch sekundäre Metallverwendung ein solcher Stand
von Vermischung erreicht sei, daß Trennung nach der Zusammensetzung nicht mehr Erfolg ver-
spreche. Der Verfasser gibt in der Zusammenfassung an, daß nach der Gliederung in statistische
Gruppen, wie sie von S. Junghans, M. Schröder und dem Rezensenten vertreten wird, eine Zu-
weisung aller Analysen der Schwarzaer Gruppe in die Gruppen F 1 und F 2 erfolgen müsse, und
daß daher eine Zuweisung zu ostalpinen Kupfern eher zu verfechten sei als eine solche zu thürin-
gischen. Hier kann hinzugefügt werden, daß jetzt zu Verfügung stehende größere Analysenzahlen
es erlaubten, aus den beiden F-Gruppen insgesamt fünf Untergruppen zu machen, deren Zeit- und
Kulturstellung allerdings noch nicht erforscht ist. Ganz deutlich zeigt sich jedoch schon jetzt, daß
die Funde von Schwarza und Südthüringen vor allem in eine F-Gruppe fallen, die fast nur aus
der Hügelgräberkultur und entsprechenden ungarischen Funden belegbar zu sein scheint.
Zusammenfassend darf wohl gesagt werden, daß Feustels Arbeit über die Hügelgräberkultur in
Südthüringen eine sehr erfreuliche Leistung ist, die vor allem durch die weitgehende Auswertung
aller Möglichkeiten, die uns heute naturwissenschaftliche Hilfsverfahren bieten, ausgezeichnet ist
und daher keine Wünsche offen läßt. Wenn man sich gelegentlich im Katalogteil eine etwas aus-
führlichere Beschreibung und auf den Phototafeln häufiger Angabe des Querschnitts oder einer
interessierenden Einzelheit gewünscht hätte, so weiß Rezensent doch, wie schwer es ist, einheit-
liche Unterlagen zu beschaffen, so daß sich dieser Wunsch also auch weniger an den Verfasser als
 
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