Brinkmann, Adolf [Editor]
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen (Band 25): Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Aschersleben — Halle a. d. S., 1904

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Aschersleben. Die St. Stephanskirche: Denkmäler — Gemälde.

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2. Holzepitaph des Bürgermeisters Andreas Weißbrodt: dreiteilig,

Mittelfeld: Auferweckung des Lazarus, darunter 6 Männer, 5 Kinder, 3 Frauen,
4 Kinder. Auf dem Unterteil: ET PATRIAE ET PIETATIS AMANS
LE VC ART VS HONORES. Darunter: amtO Jo6$ öe 5. augitfti i fl: bet1 <£vb.
nnb tboltüeife Sürgetuneiftev IHuörea* XDeifbrobt in @oit feligl. entf^lafen. Arbeit
zwar sorgfältig, aber ohne Ausdruck der Gesichter; Faltenwurf mäßig. Links
und rechts rundbogig geschlossene schmale Felder; links: Christi Grablegung.
Die beste Figur Christi selbst mit edlem anmutigen Gesicht. Malerei mäßig,
Zeichnung besser.

V. Beliefm edaillon Luthers über der Tür zur südlich gelegenen Tauf-
kapelle (E). Umschrift: PESTIS ER AM VIVCJS, MORIENS ERO MORS
TUA PAPA.

VI. Gemälde (im Chor). 1 u. 2. Triptycha links und rechts hinter
dem Altar.

1. Im Südosten. Mittelbild (114 X 125 cm) (Tafel X): Maria auf der Mond-
sichel mit dem Kinde, das einen Beutel in der Hand hochhält, auf den ein Vogel
pickt, rechts von der Maria Johannes der Evangelist mit Kelch, aus dem sich
eine Schlange windet, links von ihr der heil. Andreas. Linker Flügel (51 X
128 cm): der heil. Xicolaus mit drei Broten auf einem Buche in prächtigem
Bischofsornate; ihm gegenüber der heil. Stephanus mit Tonsur; Steine in den
Händen. Zwischen beiden in der Mitte die heil. Barbara mit Kelch, das Haupt
nach rechts geneigt (liebliches Gesicht, etwas schief geschlitzte Augen). Rechter
Flügel: Anna reicht das Jesuskind der jugendlich anmutigen Maria mit lang
herabwallendem blonden Haar, die es in Empfang nimmt. Daneben die heil.
Katharina (?) mit Schwert; lebensvolle Gruppe. Alle drei Gruppen, besonders aber
die auf den Flügeln, haben inneres Leben.

Ist der Schrein zugeklappt, so sind natürlich nur zwei Flügel zu sehen;
der eine linke (vom Beschauer) (Tafel XI) zeigt die unbefleckte Empfängnis
Mariä, Einhorn im Schoße, kniend; ihr liebliches Gesicht mit langen goldblonden
Haarsträhnen. Vor ihr rechts kniet betend ein Ritter, darüber Moses, die Schuhe
ausziehend, vor dem über ihm brennenden Busche, in dem das bärtige Bild
Uriels(?) erscheint; links ein Brunnen. Die ganze Szene ist von einem Zaune
umgeben. (Trefflich gezeichnet wie gemalt.) Rechts, zum Teil zerstört. Im
Vordergründe die prächtige geflügelte männliche Gestalt Gabriels, goldlockig, in
langem weißen Gewände (Alba) mit Purpur-Tunika; mit der Rechten hält er an
der Leine vier Windhunde, mit der Linken ein Horn, auf dem er bläst. Er
jagt das Einhorn, das der linke Flügel zeigt. Rechts von ihm ein Bischof
betend vor einem Gitter, dessen Inhalt nicht zu erkennen ist, aber wohl ein
Altaraufsatz sein soll; darüber ein Turm mit halbkreisförmigen Bekrönungen
auf allen vier Seiten; zwei Fenster nebeneinander, in denen zwei männliche
Figuren erscheinen, die sich unterhalten; die eine mit vollem blondem Haupt-
haar und Bart; die andere bartlos mit Barett; links im Hintergründe ein ziegel-
gedecktes Tor. Die ganze Szene ist von einem Zaune umgeben. Vortreffliche
Malerei.

2. Im Nordosten. Mittelbild1 (115x118 cm): Anna, das Christuskind auf
dem Schoße (Tafel XII). Dies erhält von der neben ihr sitzenden Maria einen
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