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Aschersleben. Die St. Stephanskirclie: Glocken. — Die reformierte Kirche: Geschichte. 63

sitzend mit unleserlichem Schriftband; 13. viereckig, in der Mitte Engel mit
Schriftband, links und rechts unter Kreisbogen Heilige mit Nimbus.

9. Im Dachreiter auf dem First des Kirchendachs Taufglocke. D. 0,33 cm;
am Hals Schnüre, ohne Inschrift; Form länglich (Höhe außen 31 cm, im Innern
29 cm). Zwischen den Schnüren ein Kreuz und ein Brakteat. Unter dem Hals
Madonna mit Christkind und ein Brakteat. Die Glocke hat Bügel von schlaffer,
eckiger Form; Schlagring wenig abgeschrägt; romanisch; von allen Glocken der
Stadt die älteste.

10 u. 11. Schlagglocken im Außentürmchen des Turmhelmes, die obere
kleiner, die untere größer; scheinbar gotisch (Messung unmöglich). Zeit vielleicht
1494, wo die Turmuhr aufgestellt wurde.

An einzelnen Quadern in den Turmstuben finden sich mehrere Gelegenheits-
inschriften, die von den Handwerkern in den Stein gemeißelt oder geritzt sind.
So steht in der Stube der Brautglocke an einem Eckquader: OB ICH GLEICH
HINDER LASSE BETRIBEDE KINDLEIN; gegenüber: IflljttlUt lotHflö | ffflUCU
öienft. In der Stube der großen Glocke von Engelcke steht: IOCHIM FRAVWEN-
DIENST | ANHO M.DCLXIIII. Darüber auf einem Quaderstein:

IOHANNES RUST
n F T-h]—

Darunter Beil und Säge.

HERR MEINEN GEIST BEFEHL ICH HIER MEIN GOTT | MEIN
GOTT WEICHE NICHT VON | MIER NIM MICH IN DEINE HE NDE O
WARER GOT AUS ALLER NOTH, rechts davon: VÄLTINVS | HEIN|
ICKE | 1641

Siegel. Nur ein älteres: Ratswappen mit Umschrift: PARROTH • IN •
ASCA • ST • ECCLES • STEPHANI.

Die Franziskaner-Klosterkirche,

jetzt reformierte Kirche, auch Marktkirche genannt.

Literatur: Akten über die Herrichtung der Kirche für die reformierte Gemeinde 1696.
Straßburger, Die Reformation in A. Jahresbericht des Realgymnas. 1884 S. 18). — P. Krause,
Das Jubiläum des 200jähr. Bestehens der evangel. reformierten Gemeinde zu A. 1899.

Grundriß Fig. 43; Innenansicht Tafel X.V1II No. 2; Außenansicht Fig. 45; Durch-
schnitt Fig. 44.

Geschichte. Das Gründungsjahr ist unbekannt; die Formen weisen auf
das Ende des 13. Jahrhunderts (s. u.), eine Zeit, in der die Franziskaner zahlreiche
Klöster gründeten. Die Gründung geschah von Halberstadt aus. Schutzheiliger
unbekannt. Die älteste Urkunde des Klosters ist vom Jahre 1311. (H.-Z. II 1,
S. 56.) Anfangs muß das Ansehen des Klosters nicht gering gewesen sein, sodaß
auch adlige Herren in den Orden traten (1361 Graf von Mansfeld als Lese-
meister), und ansehnliche Stiftungen geschahen, so 1400 von Arnt Stammer in
Ermsleben 100 Goldgulden und eine Tonne Heringe. Später muß das Verhalten
der Mönche nicht ihrem Stande und ihren Gelübden entsprochen haben, denn
sie waren, im Gegensatz zu den Nonnen von St. Marien, verhaßt und wurden
es noch mehr, als sie der Reformation feindlich gegenübertraten. Vor den
„schwarzen“ Bauern flohen 1525 die Mönche, die Feinde der Reformation,
 
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