Vereinigung zur Erhaltung Deutscher Burgen [Editor]
Der Burgwart: Mitteilungsbl. d. Deutschen Burgenvereinigung e.V. zum Schutze Historischer Wehrbauten, Schlösser und Wohnbauten — 29.1928

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Die Eifelmaare.
Von Frei Herrn von la Valette St. George.
ie Burgenfreunde werden auf ihrer heurigen Fahrt eine Naturmerkwürdigkeit zu Gesichte bekommen,
welche einzig in ihrer Art in Deutschland dasteht — die Eifelmaare. Es sind uralte, ausgebrannte, mit
Wasser gefüllte Krater — zumeist kreisrunde, kristallklare Seen von einer solchen Tiefe, daß sich zahlreiche
Legenden an ihre Unergründlichkeit knüpfen. Auf der Hin- oder Rückfahrt von der altertümlichen und
wohlerhaltenen Burg Bürresheim werden die Burgenfahrer in der Ferne den Laacher See erblicken,
den größten und fischreichsten von allen, von uralten Buchenhainen umgeben, in deren dunkeln, satten Farben die
weißen Klostergebäude der Abtei Maria Laach hell aufleuchten.
Von Manderscheid führt sie der Weg an dem stillen, träumerischen Weinfelder Maar vorüber, das in künstlerisch
empfindenden Kreisen fast zu einem Symbol der manchmal wehmütig anmutenden, so oft in einem Nebelmeer
versunkenen oder in tiefem Schnee begrabenen Eifel geworden ist. Und endlich auf dem Wege nach Gudenau werden
sie zur Linken zwar keine Seen aber doch die sieben berühmten vulkanischen Gipfel des romantischen Siebengebirges
mit der charakteristischen Ruine des Drachenfelsens und auf der linken Rheinseite den letzten Ausläufer der vulkanischen
Eifel, den noch in historischer Zeit tätigen „Rodderberg" erblicken. Die meisten dieser hochinteressanten und malerisch
schönen Eifelmaare, welche um so überraschender wirken, als sie sich zumeist dem Wanderer erst zeigen, wenn er ganz
nahe herangetreten ist, sind jetzt unter Naturschutz gestellt worden. Zuerst geschah das notgedrungen in letzter Stunde
mit dem Laacher See, den erwerbslnstige Ingenieure als Stausee für ihre Wasserkräfte ausnutzen wollten, dann
wurden das Gebiet am Mosenberg und Weinfelder Maar und jetzt auch das Maar selbst, wie das Gemundener und
Tote Maar als Naturschutzgebiete erklärt und jedwede Veränderung der Erdoberfläche, einschließlich der Wasser-
oerhaltnisse, die Anlage von Steinbrüchen nsw. und die Errichtung von Bauten, welche geeignet sind, das Land-
schaftsbild zu stören, behördlich untersagt.
Eine höchst merkwürdige Naturerscheinung bei den Eifelmaaren dürfte die Burgenfahrer interessieren, wenn-
gleich sie sich auch zur Zeit ihres Besuchs nicht äußern kann, das höchst sonderbare und eindrucksvolle Brüllen der
Eiselmaare. Alljährlich mit dem Höhersteigen der Frühjahrssonne entledigen sich nämlich die Maare ihrer winterlichen
Eisdecke, durch deren plötzliche beim Tanwetter eintretende Sprengung ein weithin hörbares Brüllen hervorgerufen
wird, das oftmals schon dem einsamen Wanderer einen nicht geringen Schrecken eingejagt haben mag. Der Geschichts-
kundige und Geologe vermag sich dann wohl die Landschaft ohne jedes Lebewesen in unvordenklichen Zeiten vor-
zustellen, in welchen hier unheimliche Gewalten tobten, von allen Vulkanen Feuergarben emporstiegen und am
blutroten Himmel Wolken von Lava herunterprasseln ließen. Noch ahnt das Volk jene geheimnisvollen Mächte
und grausigen Naturerscheinungen und bringt sie mit dem Teufel in Verbindung. So erzählt man im Halbdunkel
der ländlichen Stuben, daß Beelzebub einst den tanzenden Junker von Manderscheid von der Hochzeit geholt und
mit ihm in den Krater am Dorfe Weinfeld hinabgefahren sei. Die Verzweiflungstränen des Verdammten und seiner
Braut sollen, wie die Sage vermeldet, dann das Maar gefüllt haben. Und an diese Mythe wird das Volk erinnert,
wenn über der Eisdecke im Winter oder Vorfrühling das Maar brüllt. Der leibhaftige Satanas donnert und kracht
dann unter dem Eise, daß man es in stundenweitem Umkreise hören kann. Wahrscheinlich hängen diese Geräusche
mit der Akustik der kreisrunden Seen und den starken Luftansammlungen unter dem Eise bei dem wechselnden Wasser-
stande derselben zusammen. Jedenfalls ist es zu begreifen, daß es ängstlichen, fchwachnervigen oder gar abergläubischen
Menschenkindern, besonders bei Nacht und Nebel, durch dieses überraschend auftretende, unerklärliche Getöse angst
und bange werden kann und ihnen bei dieser gewaltigen Stimme der Natur der Gedanke an die fürchterlichen Mächte
der Unterwelt kommt, mit dem Teufel, der Hölle und allen ihren Schrecken.

Kloster Amelungsborn.
Von Carl Hampe, Holzminden.
e von Bevern nach Amelungsborn führende alte Cöln-Magdeburger Heerstraße berührt unweit des
Dorfes Negenborn den von tiefem Hochwald umrauschten Kegel des Eversteins, auf dessen Spitze sich
einst der Stammsitz des alten Grafengeschlechts befand. Jedoch ist die Burgstütte jetzt bar jedes Mauer-
werkes, das tief unter der Erde verborgen ist und bislang auch noch niemals mit dem Spaten durchsucht
wurde. Die Chaussee überschreitet bald darauf die ehemalige Grenzscheide der Herrschaften Everstein
und Homburg, und am Ansgange eines von herrlichen Buchen und Eichen beschatteten Tales wird das alte berühmte
Kloster Amelungsborn sichtbar.
Die Stiftung dieses vormaligen Zisterzienserklosters fällt in das Jahr 1129. In grauer Vorzeit lebte, wie die
Überlieferung meldet, in diesem idyllischen Tale, welches vom Forstbach durchflossen wird, ein frommer Einsiedler,
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